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Flüchtlinge Wie hält ein Mensch das aus?

Krieg, Terror, Gewalt: Samer Kanjo hat genug erlebt für zwei Menschenleben. Auf der Flucht vor dem IS nach Deutschland muss er alles zurücklassen. Und doch ist der Syrer voller Hoffnung. Ein Porträt.
11.09.2015 - 18:17 Uhr 32 Kommentare
Vor elf Monaten kam der Syrer nach Deutschland, auf der Suche nach einem besseren Leben und einer Zukunft für seine Familie. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Samer Kanjo

Vor elf Monaten kam der Syrer nach Deutschland, auf der Suche nach einem besseren Leben und einer Zukunft für seine Familie.

(Foto: Frank Beer für Handelsblatt)

Düsseldorf Ein Schluck aus der Kaffeetasse, ein Blick aufs Handy. Dann beobachtet Samer Kanjo wieder das Geschehen um ihn herum; aufmerksam, interessiert. Kanjo spricht kein Deutsch, trotzdem versucht er, alles zu verstehen. Er trägt Hemd und Strickjacke, das schwarze Haar geordnet. Auf der Straße würde er nicht auffallen, in der Menschenmenge verschwinden.

Doch Samer Kanjos Leben war in den vergangenen Monaten alles andere als gewöhnlich. Auf der Flucht vor Gewalt und Wahnsinn der Terrormiliz Islamischer Staates (IS) kam er im Oktober 2014 nach Deutschland. Der 37-jährige kommt aus Kobane im Norden Syriens. Im vergangenen Jahr versank die Stadt im Chaos, als die IS-Brigaden versuchten, sie zu erobern.

Zwei Jahre zuvor: Syrien ist ein stabiler Staat, wenn auch eine Diktatur. Kanjo führt ein gutes Leben: Er hat die Handelsschule besucht, ist nun Elektriker und führt seinen eigenen Betrieb. Mit seiner Frau hat er drei Kinder. Kanjo lächelt viel, wenn er über diese Zeit spricht. Immer wieder sucht er den Augenkontakt, so als wolle er sicher gehen, dass seine Gesprächspartner alles mitbekommen. Er erzählt von seinen Schwierigkeiten mit dem syrischen Schulsystem und seinen Weg in den Beruf.

Doch dann stockt er plötzlich. Er blickt auf seine Hände, die – zuvor permanent in Bewegung – jetzt auf dem Tisch liegen. Wenn er über den Krieg spricht, steigen ihm Tränen in die Augen: Als der IS immer näher an das Zuhause der Kanjos heranrückt, beschließt die Familie zu fliehen. Von Kobane geht es in die Türkei. Die ist nicht weit weg, praktisch in Sichtweite. Doch in Sicherheit sind sie dort nicht. Wie die meisten Einwohner Kobanes sind sie Kurden. Das Verhältnis zwischen Kurden und Türken ist traditionell angespannt, seit mehr als 30 Jahren führt die kurdische Untergrundorganisation PKK einen Krieg gegen den türkischen Staat.

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    Auch wenn im Herbst 2014 noch die Friedensverhandlungen zwischen der Regierung und der Kurdenmiliz laufen, sicher fühlt sich Samer Kanjo nicht. Zehn Tage hält er er es dort aus, dann beschließt er, dass er weiter muss. Frau und Kinder muss er zurücklassen, zu gefährlich ist die Reise nach Europa – und zu teuer.

    Sein neues Ziel: Deutschland. Das Land, das für ihn Sicherheit bedeutet. Was er im Internet gelesen hat, die Ware, die er für sein Unternehmen in Deutschland bestellte: alles so ordentlich, so stabil. Per Schiff soll es von der Türkei nach Italien gehen. Fünf Tage soll die Fahrt dauern, am Ende werden es elf. Was genau auf der Flucht passiert ist, warum sie so lange gedauert hat: Er erzählt es nicht. Zu schlimm sind die Erinnerungen, die Samer Kanjo in seinem Inneren vergraben hat.

    „Ein Mann muss seine Familie versorgen“
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    32 Kommentare zu "Flüchtlinge: Wie hält ein Mensch das aus?"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Das ist wieder die Mitleidswelle und auf die Tränendrüsen drücken, denn das geschilderte KANN die Wahrheit sein, MUß aber nicht.

    • Wie hält ein Mensch das aus? Ein Mensch hält sehr vieles aus.

      Meine Eltern haben von 1945-1948 in einer schäbigen Holzbaracke in Schleswig Holstein gehaust, die Abteilungen zwischen den einzelnen Familen wurden mit Vorhängen hergestellt.

      Die beiden Hungerwinter 1945 und 1946 haben einer kleinen Schwester von mir das Leben gekostet.

      Ich weiß wovon ich rede.

    • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

    • nun wenn der Asylantrag bewilligt ist, ist es doch nur eine Formalität bis die Familie - vorzugsweise im Flieger - nachkommt. Und Arbeit baucht er sich auch keine mehr suchen. Mit Frau und Kind (er) erhält er so viel Stütze, dass sich das Arbeiten gar nicht mehr lohnt. Für einen Migranten wohlgemerkt. Der Deutsche wird im ALG II / Hartz IV System ausgesaugt bis die Familie mittellos ist. Finanziert wird das alles durch den trögen deutschen Steuermichel wo eine Familie mit zwei arbeitenden Elternteilen nicht mehr hat wie ein gerader einreisender Armutsmigrant. Und jetzt bin ich richtig froh, gestern die Kündigung für das Zeitschriftenabonnement beim Handelsblattverlag in den Briefkasten geworfen zu haben.

    • @ Anna Buschmann
      Hier ist lediglich ein Beispiel für diese qualifizierten Arbeitskräfte

      https://www.youtube.com/watch?v=A1OCZJlMptQ

    • Ich fürchte Sie träumen. Die öffentliche Infrastruktur ist marode, aber nicht weil es keine Bauarbeiter gibt, sondern keine finanziellen Mittel,oder keine ausreichenden um sie zu sanieren.

      So herum wird ein Schuh draus.

    • Die Zahlen, die im Zusammenhang mit dieser neuen Völkerwanderung genannt werden, sind natürlich auch kompletter Unsinn.

      (...)
      Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich und achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

    • Das Buschmann ist kein Mensch, sondern ein Computerprogramm!
      Don"t feed the troll!!

    • will frau buschmann uns hier alle verarschen ?

      man kann das doch nicht mehr ernst nehmen.

      die sitzt wahrscheinlich bequem auf dem sofa und lacht sich kaputt, daß viele sich hier über ihren mist aufregen.

    • wenn sie einen syrer kennen, der sich mit dem deutschen steuerrecht so gut auskennt wie ich - gerne :-)

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