Flüchtlinge Willkommen in der „Provisorischen Republik Deutschland“

Pensionierte Beamte helfen in NRW, den Bürokratie-Stau in der Flüchtlingsaufnahme aufzulösen und die Bundeswehr öffnet Kasernen als Notunterkünfte. Die Not der Flüchtlinge macht Deutschlands Kommunen erfinderisch.
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Unter den Flüchtlingen befänden sich Hochqualifizierte wie Ärzte und Ingenieure, die auch über eine „Blue Card“ nach Deutschland als Arbeitskräfte einwandern könnten. Quelle: dpa
Flüchtlingsunterkunft in Hamm

Unter den Flüchtlingen befänden sich Hochqualifizierte wie Ärzte und Ingenieure, die auch über eine „Blue Card“ nach Deutschland als Arbeitskräfte einwandern könnten.

(Foto: dpa)

DüsseldorfPensionierte Beamte reaktivieren, Flüchtlingsunterbringungen im Erholungsgebiet, auf Hotelschiffen oder in Sporthallen. Die anhaltende Flüchtlingswelle lässt Städte und Kommunen zu außergewöhnlichen Mitteln greifen.

Bei knapp 6.000 neuen Flüchtlingen, die in dieser Woche allein in Nordrhein-Westfalen erwartet werden, gehen den Behörden langsam die Kapazitäten für die Bearbeitung der Anträge aus. Deswegen mobilisiert das Land jetzt pensionierte Beamte. Wie Ministerpräsidentin Hannelore Kraft der dpa sagte, haben sich bereits 150 Pensionäre aus dem Bereich des Innenministeriums gemeldet. „Da ist schon eine große Hilfsbereitschaft erkennbar.“ Nach den Polizeibeamten würden nun auch ehemalige Lehrer und anschließend weitere Pensionäre angeschrieben, kündigte die Regierungschefin an.

Der Zustrom von Flüchtlingen bringt immer mehr Städte und Kommunen an den Rand ihrer Kapazitäten. Nach einem Bericht der „Welt“ sind in diesem Jahr mehr als 300.000 Asylsuchende in Deutschland registriert worden. Das Blatt beruft sich dabei auf die Innenminister der Länder. Dies deute auf einen weiteren Anstieg der Zuwanderung hin. Die Prognose des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge müsse daher erhöht werden. Weil der Platz nicht mehr ausreicht, suchen Gemeinden auch immer öfter nach unorthodoxen Lösungen. Herzlich Willkommen in der Provisorischen Republik Deutschland.

Das größte Problem sei der Bearbeitungsstau bei den Anträgen, kritisierte Kraft. „Der Bund muss im Herbst verbindlich zusagen, wie er über das Bisherige hinaus seiner Verantwortung bei der Flüchtlingsbetreuung nachkommen wird. Wir können uns monatelange Verhandlungen nicht leisten.“ Nötig seien mehr Entscheider beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und mehr bundeseigene Flächen und Gebäude. Unterstützung sei aber von vielen Seiten nötig, betonte die Ministerpräsidentin.

Sie appellierte insbesondere an Arbeitgeber, Beschäftigte freizustellen, die sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren. Diese Hilfe sei weiterhin unverzichtbar. Die Pensionäre können derweil eingesetzt werden, um Neuankömmlinge in Erstaufnahme-Einrichtungen des Landes zu registrieren. Für die Aufgabe sollen sie bezahlt werden. Derzeit kommen rund 1000 Flüchtlinge täglich nach NRW – 90.000 werden in diesem Jahr erwartet.

Auch bei der Wahl der Unterbringungsmöglichkeiten zeigen sich Städte und Kommunen mittlerweile recht einfallsreich. In Düsseldorf denkt die Stadt über die Unterbringung auf Schiffen nach. Die Flüchtlinge sollen auf Hotelschiffen am Rheinufer unterkommen. Schon jetzt sind in der Landeshauptstadt 900 Flüchtlinge in Hotels untergebracht – die Hotelschiffe sind dagegen günstiger und erfüllen alle Standards und Vorschriften: Zweibettkabinen, Sanitäranlagen und eine Bordküche. In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen haben die Herbergswerke der Jugendherbergen vereinbart, in der kälteren Jahreszeit mindestens acht komplette Häuser als Flüchtlingsunterkunft zu nutzen. Mehr als 1000 Menschen sollen so untergebracht werden.

Länderübergreifend stellt auch das Bundesverteidigungsministerium immer mehr Kasernen zur Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung. In Zukunft sollen so mehr als 7000 Flüchtlinge untergebracht werden.  In der Zeitung „Bild am Sonntag“ bezeichnete Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen die Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen als „große gesamtgesellschaftliche Aufgabe“.

Den Angaben zufolge sollen Soldaten ab der kommenden Woche in Hamburg, Brandenburg und Sachsen-Anhalt 141 Zelte mit Holzfußböden und Beleuchtung für 1120 Menschen aufbauen. Zudem würden drei weitere Kasernen mit Platz für 1320 Flüchtlinge geräumt. Acht Militärgebäude mit einer Kapazität von 4850 Schlafplätzen wurden demnach bereits abgegeben.

„Niemand hat mit einem solchen Ansturm rechnen können.“
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15 Kommentare zu "Flüchtlinge: Willkommen in der „Provisorischen Republik Deutschland“"

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  • Interessanter Beitrag zum seelischen Befinden des Gutmenschen und grünlinken Moralapostels.

    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/der_westliche_selbsthass

  • Desweitern kommt das Märchen von den Ingenieuren und Krankenschwestern und dass jeder Bereicherer € 3.000,00 mitbringt.
    (...)

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • "...bis zu 1858 Euro rechnen, so die Behörde. Dieses Geld müsse sie zurückerstatten, sollte sie erneut ..."

    Auf solch eine dämliche Logik kommt doch nur ein Wirrkopf (Wirrköpfe) die wir gleich mit allen anderen Schmarotzern ausweisen sollten!

  • Richtig, weil die Hauptverantwortlichen kein Konzept haben, ihre Tätigkeit nur darin besteht, die Ankommenden zu zählen und sie nach einem komplizierten Schlüssel auf die Länder, Kommunen etc. zu verteilen.

    Und dann, wenn Proteste aus der Bevölkerung kommen, auf die Alterung Deutschlands hinweisen. Ohne diese Ankömmlinge kann Deutschland nicht überleben,
    so die Argumentation dieser Spezialisten.

  • Unsere Politiker und Gutmenschen scheinen der Meinung zu sein das in sehr, sehr naher Zukunft das Problem mit den hauptsächlich Sozialschmarotzer von jetzt auf gleich abrupt ein Ende hat und dann könne man das z.Z. herrschende Chaos in ruhe „abarbeiten“ und die zweckentfremdeten Unterkünfte wieder ihrer vorgesehenen „Bestimmung“ rückführen.
    Doch das wird nicht der Fall sein, es kommen immer mehr ungebeten und das Chaos wird seinen, vom Normalbürger vorher gesehenen Verlauf, bis ins Verderben der dt. Steuerzahler nehmen, denn für den Steuerzahler scheint nur noch zu gelten: Erst die Flüchtlinge, Flüchtlinge, Flüchtlinge, dann die Politiker und eventuell bleibt dann noch ein Brotkrumen für den „Einzahler“ übrig, wenn nicht, Pech gehabt.

  • Die Anzahl der Asylsuchenden ist doch nicht entscheidend, entscheidend ist deren Qualifikation. Wer da aus dem akademischen Betrieb nichts Gleichrangiges wie die deutsch Abschlüsse vorzuweisen hat, sollte wieder nach Hause gehen, damit er dort den Aufbau seiner Heimat in Angriff nehmen kann.

  • Was soll denn die Graphik von den Flüchtlingsströmen aus dem Jahre 2014, wenn allein Deutschland in den ersten sieben Monaten 2015 schon über 300.000 Flüchtlinge aufgenommen hat. Im Frühjahr stritten Länder und Kommunen darüber ob es 400.000 Asylbewerber werden, Bund, oder ob es mehr als 500.000 werden, Länder und Kommunen. Nun werden es wohl über 600.000 und 2016 rund eine Million und man wundert sich, dass dafür keine Beamten, Wohnungen oder Ärzte für die Kriegsflüchtlinge vorgehalten wurden.
    Zwei Fragen: Wo kommen diese Flüchtlinge her? Wie sind die nach Deutschland gekommen? Über das Mittelmeer sind die nicht gekommen, "nur" 170.000. Woher also?
    Wer weiß, wie viele Terroristen auf diesem Wege mit eingeschleust werden? Seid ihr euch des Risikos völlig unbewusst? Wie naiv muss man sein?

  • Liebe Leute, stellt Euch doch nicht so an. Was wir jetzt mitmachen, ist doch kein Grund nervös zu werden. Ihr solltet Euch Vorstellungen machen, was in nicht zu ferner Zukunft kommen wird. Zwangseinweisungen von Bedürftigen in Privathaushalte, Steuererhöhungen um die Kosten auszugleichen, und vieles mehr. Wie in der unmittelbaren Nachkriegszeit, wo nichts mehr aufeinander stand. Künftig natürlich das gleiche, jedoch ohne Krieg. Die Welt ist voll von Bedürftigen. Wenn dann auch noch Naturkatastrophen dazu kommen, dann wird es erst richtig abwechselungsreich. Langeweile gibt's dann nicht mehr.
    Mir fällt dazu nur ein: Wachset und mehret euch. Und, dann werden unsere Kapazitäten von Politikern endlich mal gefordert.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich und achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Tja, das hat Bürokratie nun mal so an sich...

    Die ist sozusagen ein sich selbst erhaltendes System (ähnlich einem Krebsgeschwür).

    Da können auch nur beherzte Eingriffe von außen gegen helfen.

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