Flugmeilen-Affäre Wulffs Anwalt verwickelt sich in Widersprüche

Den Anwälten des Bundespräsidenten gelingt es nicht, die alten Fragen aufzuklären. Stattdessen tauchen weitere Vorwürfe gegen Christian Wulff auf - der über ein ungewöhnlich gut gefülltes Bonusmeilen-Konto verfügte.
Update: 13.01.2012 - 09:36 Uhr 25 Kommentare
Bundespräsident Christian Wulff während des Neujahrsempfangs im Schloss Bellevue in Berlin. Quelle: dpa

Bundespräsident Christian Wulff während des Neujahrsempfangs im Schloss Bellevue in Berlin.

(Foto: dpa)

BerlinDie SPD-Fraktion im niedersächsischen Landtag fordert Aufklärung zu einer Urlaubsreise von Bundespräsident Christian Wulff in die USA im April 2007. Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, sollen der damalige niedersächsische Ministerpräsident, seine heutige Ehefrau Bettina und deren Sohn während des Fluges von Miami nach Frankfurt ein Upgrade von der Economy-Class in die Business-Class erhalten haben. Dafür soll Wulff nach Angaben seines Anwalts privat erworbene Bonusmeilen eingesetzt haben. Laut Zeitung hätte Wulff dafür 210.000 Euro mit seiner Lufthansa-Kreditkarte umsetzen müssen.

Das Ehepaar Wulff im Flugzeug. Quelle: dapd

Das Ehepaar Wulff im Flugzeug.

(Foto: dapd)

Auf Anfrage des Blattes soll Wulffs Rechtsanwalt Gernot Lehr zunächst bestritten haben, dass es eine solche Umbuchung gegeben habe. „Die Flugtickets waren von Anfang an in der Business-Class gebucht. Der Aufpreis im Vergleich zur Economy-Class wurde durch private Meilen beglichen“, zitiert die Zeitung Lehr in einer ersten Stellungnahme.

Laut Lufthansa müssten für ein Upgrade von drei Personen von der Economy-Class in die Business-Class auf einem solchen Langstreckenflug 210.000 Bonusmeilen eingesetzt werden. Das entspreche den gesammelten Bonusmeilen von 420 Flügen zwischen Hannover und München, heißt es in dem Bericht.

Auf Nachfragen der Zeitung habe Wulffs Anwalt die ursprüngliche Stellungnahme später um den zusätzlichen Hinweis ergänzt: „Das Meilenkonto besteht seit Ende der 80er-Jahre. Herr Wulff nutzt für alle privaten Ausgaben ausschließlich die Kreditkarte der Lufthansa.“ Der Lufthansa zufolge bestehe das Bonusmeilen-Programm „Miles & More“ jedoch erst seit 1993. Eine „Miles & More“-Kreditkarte gibt es demnach erst seit 1999.

Um mit einer solchen Kreditkarte 210.000 Bonusmeilen zu sammeln, müssten 210.000 Euro mit der Karte umgesetzt werden, schreibt die Zeitung. Nachdem das Blatt weitere Fragen bezüglich des Upgrades an den Anwalt des Bundespräsidenten stellte, habe Lehr seine ursprüngliche Auskunft, die Flugtickets seien „von Anfang an“ in der Business-Class gebucht gewesen, korrigiert. Vielmehr habe Lehr nun mitgeteilt: „Für ein Upgrade von der Economy Class zur Business Class während eines Fluges in die USA mit der Lufthansa setzte Herr Wulff seine privat erworbenen Bonusmeilen ein.“

Nach Auskunft der Lufthansa seien Upgrades während eines Fluges an Bord ihrer Maschinen nicht möglich. Zudem könnten dienstlich und privat erworbene Bonusmeilen nicht getrennt voneinander auf einem Konto gesammelt werden, schreibt die Zeitung.

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25 Kommentare zu "Flugmeilen-Affäre: Wulffs Anwalt verwickelt sich in Widersprüche"

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  • ... das mag wohl alles sein ... aber so lange es diesen Posten gibt MUSS Wulf weg .... und wenn ich mir vom hochdotierten Grüßaugust auch nur ab und zu ein paar kluge/beruhigende/ermahnende oder gar erheiternde Worte anhöre ... Herr W. kann nix davon (wohlgemerkt: Deutschland ist Islam oder war's andersrum??)und obendrein hat er mittlerweile Informations- und Nachrichtensperre ausgelöst mit seinen ganzen verpieften "Sächelchen" - und das nervt mich gewaltig !!

  • "...Er MUSS weg, weil wohl kein Bundesbürger mit einem halbwegs vorhandenen Wertekanon sich von diesem Herren noch in irgendeiner Form repräsentiert fühlen kann..."

    Also ich habe mich noch nie von einem BP repräsentiert gefühlt. Ein BP hat doch eh nichts zu melden. In Deutschland regiert der/die KanzlerIN. Und von der fühle ich mich auch nicht repräsentiert. Dazu macht die mir einen zu unschlauen Eindruck. Lustig, wie hier einige versuchen das Amt des BPs in den Himmel zu loben. Es ist ein Grüßaugust, der den Posten zugeschachert bekommen hat. Wer diesen Job freiwillig übernimmt, zeigt doch schon, dass er für leistungsloses Einkommen immer zu haben ist. Was soll dann das ganze gemecker? Was sind schon ein paar Bonusmeilen oder ein vergünstigter Hauskredit gegen das hohe leistungslose Einkommen für einen Blablabla-Job??

  • Wulff MUSS WEG - das ist ALTERNATIVLOS !! Allein schon, damit diese unsägliche Debatte und Publikation noch so schwachsinniger vermeintlicher Vergehen (Flugmeilen - hahahaha ....) ein Ende findet und wir endlich wieder zu einer normalen Berichterstattung zurückfinden und uns den wirklichen Themen widmen (Euro, Iran, etc.). Er MUSS weg, weil wohl kein Bundesbürger mit einem halbwegs vorhandenen Wertekanon sich von diesem Herren noch in irgendeiner Form repräsentiert fühlen kann - das grenzt an Beleidigung. ... und je eher er abtritt umso eher kann er vielleicht irgendwann mal einen Job antreten, um dann seine - bestimmt nicht günstige - Gattin zu finanzieren. Die klebt im Zweifel am allermeisten am Bellevue ....

  • Gibt es beim Handelsblatt keine Vielflieger, die auch mal einen upgrade per Meilen gebucht hat? Vielleicht sollten die Journalisten nicht nur einfach Meldungen wiedergeben, sondern mal ein bisschen recherchieren.
    Nun, ich fliege viel und nutze auch intensiv die upgrade Möglichkeiten. Bei Lufthansa braucht man für ein upgrade in die Business zwischen USA und Deutschland gerade mal 35'000 Meilen, bei drei Personen macht das 105'000 Meilen. Vielleicht hat auch Bettina ein paar Meilen beigesteuert, sie war sicherlich auch häufiger mit dem Flugzeug unterwegs.
    Die Diskussion über die upgrades finde ich wirklich unsinnig und typisch deutsch. Ich denke es gibt bei Wulff wichtigere Punkte, die man kritisieren muss.

  • „Ich leide physisch darunter, dass wir keinen unbefangenen Bundespräsidenten haben.“ Deutschland in dieser schwierigen Zeit keinen unbefangenen Bundespräsidenten hat, der seine Stimme mit Autorität erheben kann. Es handelt sich in NRW offensichtlich um eine Verfilzung mit schwarzen Reisekassen jenseits der parlamentarischen Kontrolle. Dies stellt eine Belastung des Amtes und für Johannes Rau dar.“ Zitat C. Wulff im Jahre 2000 zur Flugaffäre von Bundespräsident Rau.

  • Repräsentatives Gruppenbild

    Es war ein Bild für Götter: Wulff, in seiner Eigenschaft als amtierendes Nicht-Vorbild, hält seinen Neujahrsempfang ab, eskortiert von seiner zweiten Frau und unentbehrlichen Glamour-Gattin, der ehemaligen PR-Macherin Bettina Körner. Daneben gleich zwei Repräsentanten einer 1,62-Prozent-Partei (diese Prozentzahl hat der Münchner Merkur anhand des FDP-Mitgliederentscheids recht überzeugend ausgearbeitet): Rösler, der Null-Ergebnis-Gesundheitsminister und jetzige Kann-ich-auch-Wirtschaftsminister, und Westerwelle, der radebrechende Möchtegern-Außenminister. Zu all dem muß sogar die Kanzlerin des permanenten Rettungsschirms lächeln. Frau Schavan, bekennende Rompilgerin, unterhält sich derweil mit Wulff über Flugmeilen. Der Neujahrsempfang - er hätte kein überzeugenderes Bild vom Zustand dieser Republik abgeben können.

  • Na, ich glaube für die Firma Henkel wäre Christian Wulff der richtige Werbepartner. Ihre Klebstoffe Pattex, Pritt oder der Leim Ponal ließen sich doch erstklassig vermarkten mit dem auf dem Stuhl klebenden Wulff.

  • @ pepac
    Da haben sie wohl noch nie einen Steuerprüfen in einer normalen Firma erlebt. Die suchen genau danach.
    Sie sind demnach auch der Meinung, dass Regeln für Politiker nicht gelten, oder wie?

  • Man braucht für einen "solchen Flug" nicht 210.000 Meilen sondern nur 105.000, weil es ja nur den Oneway von Miami nach Frankfurt betrifft. Bild hat es trotz besserem Wissen bewusst so dargestellt, dass man glauben muss, 210.000 Meilen seien dafür notwendig, das ist aber nicht richtig. Und im Übrigen kann man auch jede Menge Meilen Sammeln auf andere Weise. Man muss nicht nur fliegen und mit der Kreditkarte zahlen. Avis z.B. gibt 3.000 Meilen für eine Tagesanmietung eines VW-Polo für 55 Euro.

  • Diese Hetze der Journalisten hat Stasicharakter. Lächerlich die Upgrades bei den Fluggesellschaften zu kontrollieren.

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