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Flugverspätungen Deutlicher Anstieg bei Bußgeldverfahren gegen Airlines

Die Beschwerden über Flugverspätungen oder -ausfälle haben deutlich zugenommen. Das ruft das Luftfahrt-Bundesamt auf den Plan.
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Ein Flugzeug ist während des Sonnenuntergangs im Landeanflug auf den Flughafen Düsseldorf. Bei Beschwerden von Fluggästen über Verspätungen und Flugausfälle kann das Luftfahrt-Bundesamt Bußgelder verhängen. Quelle: dpa
Luftverkehr

Ein Flugzeug ist während des Sonnenuntergangs im Landeanflug auf den Flughafen Düsseldorf. Bei Beschwerden von Fluggästen über Verspätungen und Flugausfälle kann das Luftfahrt-Bundesamt Bußgelder verhängen.

(Foto: dpa)

Berlin Flug massiv verspätet, überbucht oder ganz gestrichen? Dann steht dem Fluggast eine Entschädigung zu. Nur gezahlt wird sie oft nicht. Das zeigt die deutlich gestiegene Zahl der Bußgeldverfahren gegen Fluggesellschaften, die ihren Verpflichtungen nicht nachkommen sind.

Von Januar bis Ende September 2018 hat das das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) bei 824 Beschwerden von Passagieren Ermittlungen eingeleitet. Das sind fast 700 Verfahren mehr als im gesamten Vorjahr (155), wie aus einer dem Handelsblatt vorliegenden Antwort der Bundesregierung auf eine Grünen-Anfrage hervorgeht.

Laut den Angaben wurden vom LBA vor allem wegen verspäteter (466) und gestrichener (318) Flüge Ordnungswidrigkeitsverfahren durchgeführt. Am häufigsten standen europäische Luftfahrtunternehmen (518) im Visier der Behörde, gefolgt von Airlines aus Drittstaaten (208) und deutschen Fluggesellschaften (98). In 33 Fällen hat das LBA ein Bußgeld verhängt – 25 solcher Bescheide gingen an deutsche, 8 an europäische Fluglinien.

Nach EU-Recht steht Passagieren eine sogenannte Ausgleichsleistung zwischen 250 und 600 Euro zu, wenn eine Fluggesellschaft einen Flug streicht oder dieser sich um mehr als drei Stunden verspätet. Kommen die Airlines dem nicht nach, können Betroffene beim Luftfahrt-Bundesamt Beschwerde einreichen. Dieses prüft dann, ob es eine Geldbuße von bis zu 30.000 Euro gegen die Airline verhängt.

Aktuelle Angaben über die Höhe der verhängten Bußgelder machte das für die Grünen-Anfrage zuständige Verkehrsministerium nicht. Im Frühjahr hatte das Ministerium auf eine entsprechende Anfrage mitgeteilt, dass die Höhe des im Jahr 2018 durchschnittlich verhängten Bußgeldes - Stand: 28. Februar - 2.532 Euro betrage. Im gesamten Jahr 2017 lag die Höhe des durchschnittlich verhängten Bußgeldes bei 7.183 Euro.

Der Grünen-Verkehrspolitiker Markus Tressel wertet den starken Anstieg an Bußgeldverfahren als Beleg dafür, dass manche Airlines noch immer lieber ein Bußgeld riskierten, statt Reisende schnell und unkompliziert zu entschädigen. Dass inzwischen erheblich mehr Verfahren gegen Airlines eingeleitet werden, sei dennoch „ein Schritt in die richtige Richtung“, sagte Tressel dem Handelsblatt.

„Eine bleibende Verbesserung wird es aber nur geben, wenn am Ende des Verfahrens auch Bußgelder verhängt werden, die die Fluggesellschaften schmerzen“, ist der Grünen-Politiker überzeugt. Anders lasse sich ein Umdenken wohl nicht erreichen.

Den Fluggästen helfen Bußgelder ohnehin nicht weiter, denn bei der Durchsetzung ihrer Ansprüche hilft die Behörde nicht. Hier sind Betroffene entweder auf sich allein gestellt oder sie wenden sich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) in Berlin. Das Verfahren ist einfach, von der Bundesregierung anerkannt und für Verbraucher kostenlos - anders als bei kommerziellen Dienstleistern wie Flightright, Fairplane oder Airhelp, die bei Erfolg bis zu einem Drittel der erstrittenen Entschädigung einbehalten.

Bei der SÖP ist die Zahl der Entschädigungsanträge zuletzt stark angestiegen. Im ersten Halbjahr 2018 beantragten 7745 enttäuschte Airline-Kunden eine außergerichtliche Einigung, 45 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Auch hier ging es um gehäuft auftretende Flugverspätungen und -annullierungen. Die Airlines begründen diese mit Engpässen bei der Flugsicherung, Fluglotsenstreiks und einer Häufung von Unwettern.

Auch die Zahlen des Luftfahrt-Bundesamts zeigen: Bei Beschwerden geht der Trend nach oben. Demnach gingen beim LBA von Januar bis Ende September 2018 insgesamt 3.212 Beschwerden ein und damit bereits fast 700 mehr als im gesamten Vorjahr (2.533). Die Passagiere beschwerten sich 2018 vor allem über verspätete (1.541) oder gestrichene (1.529) Flüge.

Beim Beschwerdeaufkommen schneiden deutsche Luftfahrtunternehmen mit 1.637 bis Ende September beim LBA eingegangenen Anzeigen am schlechtesten ab (2017: 1.482), gefolgt von europäischen Airlines mit 1.263 (2017: 759) und Luftfahrtunternehmen aus Drittstaaten mit 312 Anzeigen (2017: 292).

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