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Flugverspätungen Flugsicherung und Gewerkschaft verhandeln über Maßnahmen gegen neues Flug-Chaos

Fehlende Lotsen sind ein wichtiger Grund für die Engpässe im Luftverkehr. Flugsicherung und Gewerkschaft wollen das Problem nun gemeinsam lösen.
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Zu den verschiedenen Ursachen für die Probleme im europäischen Luftverkehr können auch Streiks oder das Wetter gehören. Quelle: dpa
Flugausfälle in Frankfurt.

Zu den verschiedenen Ursachen für die Probleme im europäischen Luftverkehr können auch Streiks oder das Wetter gehören.

(Foto: dpa)

BerlinDie Prognose verheißt nichts Gutes. Die Flugsicherung (DFS) erwartet auch für das laufende Jahr wieder Engpässe am deutschen Himmel. Trotz einiger Gegenmaßnahmen gibt es nach wie vor zu wenig Lotsen und überlastete Verkehrsräume bei einem gleichzeitig wachsenden Flugverkehr, teilte die bundeseigene GmbH kürzlich mit. Im laufenden Jahr werde das Rekordaufkommen aus dem Jahr 2018 voraussichtlich um 3,4 Prozent auf dann 3,5 Millionen zu kontrollierende Flugbewegungen ansteigen.

Die Politik ist sich der Probleme bewusst. Auf zwei Luftfahrt-Gipfeln wurde darüber gesprochen. Zahlreiche Maßnahmen wurden zusammen mit der Luftverkehrswirtschaft auf den Weg gebracht. Doch einige davon, etwa die Ausbildung neuer Fluglotsen, brauchen viel Zeit. Mit der Folge, dass nach dem Chaos-Sommer 2018 mit vielen Flugausfällen und Verspätungen in diesem Jahr wohl die nächsten Turbulenzen drohen. In diesem Sommer könne man noch nicht alle glücklich machen, erklärte jüngst Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) nach dem zweiten Gipfeltreffen mit Vertretern von Bund, Ländern, Airlines, Flughäfen, Flugsicherung und Behörden Ende März in Hamburg.

Die Teilnehmer hatten im vergangenen Oktober als Konsequenzen aus dem Chaos-Reisesommer 2018 einen Katalog von 24 Maßnahmen beschlossen. Scheuer sagte, alle Maßnahmen seien angegangen worden. Immerhin: In die Personalkrise bei den Fluglotsen scheint nun Bewegung zu kommen. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) und die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) verhandeln über Maßnahmen, um die Flugausfall- und Verspätungssituation zu verbessern.

Nach mehreren Vorgesprächen über „Maßnahmen zur Überwindung der Verspätungsproblematik“ und einer anschließenden „Sondierung zu einem Kapazitäts- und Zukunftspakt“, seien am 8. April konkrete Verhandlungen aufgenommen worden, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage des FDP-Bundestagsabgeordneten Bernd Reuther. „Darin sollen Maßnahmen enthalten sein, die zum einen die aktuelle Personalsituation verbessern und zum anderen eine mittel- bis langfristige Verfügbarkeit von ausreichenden Personalkapazitäten sicherstellen sollen“, heißt es in dem Dokument, das dem Handelsblatt vorliegt.

Ob es dadurch für Flugpassagiere schon zu spürbaren Entlastungen kommen wird, ist aber mehr als ungewiss. Das Bundesverkehrsministerium, das die FDP-Anfrage beantwortet hat, macht dazu nur vage Aussagen. Damit ein Kapazitäts- und Zukunftspakt „gegebenenfalls“ noch in diesem Jahr wirken könne, seien zwischen DFS und GdF „zeitnahe“ Termine am 6. und 7. Mai vereinbart worden.

Der FDP-Verkehrspolitiker Bernd Reuther warf der Bundesregierung Untätigkeit vor. Sie habe es versäumt, zwischen der DFS und GdF „rechtzeitig Gespräche zu organisieren, um für mehr Flexibilisierung zu sorgen“, sagte Reuther dem Handelsblatt. Genau wie bei den Luftsicherheitskontrollen tue sich daher beim flexiblen Einsatz der Lotsen nichts. „Die Leidtragenden sind am Ende die Passagiere.“

Tatsächlich werden wohl auch andere Maßnahmen gegen Flugverspätungen und -ausfälle, die im vergangenen Jahr bei einem Luftfahrtgipfel in Hamburg beschlossen worden waren, keine kurzfristige Entspannung der Situation bringen.

Zur Begründung erklärt die Bundesregierung, dass etwa für eine „Erhöhung der Flugsicherungskapazitäten im europäischen Luftraum“ sowie für eine Novellierung der EU-Fluggastrechte-Verordnung eine Zusammenarbeit auf europäischer Ebene notwendig sei. Eine Umsetzung werde daher erst „mittelfristig angestrebt“.

Auch eine „Modernisierung der Luftsicherheitskontrollstellen“ mittels einer „Weiterentwicklung der Passagier- und Handgepäckkontrolltechnik“ wird es kurzfristig nicht geben. Das Verkehrsministerium sie die Maßnahme vielmehr als einen „kontinuierlichen Prozess“. Dabei würden, um ein „Höchstmaß an Sicherheit“ zu gewährleisten, aktuelle Forschungsergebnisse sowie „neue, innovative Kontrolltechnik“ in Abstimmung mit den Flughafenbetreibern in die Infrastruktur des Flughafens eingebracht.

Dennoch ist seit dem ersten Luftfahrt-Gipfel im vergangenen Oktober schon einiges passiert. So haben die Flughäfen über das normale Wachstum hinaus mehr als 3000 zusätzliche Beschäftigte im Bodenverkehrs-, Terminal- und Sicherheitsdienst eingestellt. An mehreren Flughäfen wurden Kontrollspuren am Sicherheitscheck eingerichtet, die eine schnellere Kontrolle der Passagiere ermöglichen und damit die Kapazität erhöhen. Auch die Flugsicherung war tätig, hat Fluglotsen von Sonderaufgaben entlastet und in die Tower beordert und zudem 36 ausgebildete Lotsen aus dem Ausland eingestellt, wie es zuletzt hieß.

Dass trotzdem nicht alle Unwägbarkeiten beherrschbar sind, liegt auf der Hand. Zu den verschiedenen Ursachen für die Probleme im europäischen Luftverkehr können auch Streiks oder das Wetter gehören. Im Kern aber stößt das starke Wachstum des Luftverkehrs an Kapazitätsgrenzen und die Infrastruktur ist überlastet. Das ist nicht von heute auf morgen lösbar – vor allem dann nicht, wenn das Verkehrswachstum stärker ausfällt als erwartet.

Scheuer gibt sich dennoch zuversichtlich. Die maximale Ausbildungskapazität von 122 künftigen Fluglotsen werde nun ausgeschöpft, ab 2020 sollen es sogar 146 Auszubildende sein, sagte er nach dem zweiten Flug-Gipfel. Die mittel- und langfristigen Maßnahmen sollen dann in den folgenden Monaten und Jahren schrittweise ihre Wirkung entfalten.

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