Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Folgen der Coronakrise Bundesregierung kritisiert verzögerte Ticketerstattungen von Airlines

Obwohl die rechtliche Lage klar ist, erstatten Airlines wegen Corona gestrichene Flüge nur zögerlich. Das sorgt für Unmut in der Bundesregierung.
17.08.2020 - 04:45 Uhr 1 Kommentar
Fast menschenleer ist das Terminal 1 des Flughafens Frankfurt: In der Coronakrise ist der Flugverkehr nahezu komplett zusammengebrochen. Quelle: dpa
Flughafen Frankfurt am Main

Fast menschenleer ist das Terminal 1 des Flughafens Frankfurt: In der Coronakrise ist der Flugverkehr nahezu komplett zusammengebrochen.

(Foto: dpa)

Berlin Die Bundesregierung hat mit scharfer Kritik auf die schleppende Rückzahlung von Tickets vieler Airlines reagiert. „Nach Auffassung der Bundesregierung ist eine Nichterstattung berechtigter Ansprüche nicht akzeptabel“, heißt es in einer Antwort der Regierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion, die dem Handelsblatt vorliegt.

Die Corona-Pandemie stelle zwar auch für die Fluggesellschaften „eine besondere Ausnahmesituation“ dar. Dennoch sei spätestens seit der Mitteilung der EU-Kommission vom 13. Mai 2020 klar gewesen, dass es für Flugtickets nur eine freiwillige Gutscheinregelung geben werde. „Die Fluggesellschaften hatten ausreichend Zeit, um die Erstattungsverfahren entsprechend vorzubereiten und die Anträge zügig bearbeiten zu können.“

Aufgrund der Corona-Pandemie war der Luftverkehr Mitte März nahezu vollständig zusammengebrochen, und Tausende Flüge wurden storniert. Grundsätzlich müssen die Gesellschaften den Ticketpreis innerhalb von sieben Tagen erstatten. Lufthansa und andere Gesellschaften hatten hingegen zunächst darauf gesetzt, die Kunden mit Gutscheinen abzufinden. Dies scheiterte aber an der EU-Kommission.

Die Bundesregierung habe gegenüber Fluggesellschaften „wiederholt deutlich gemacht“, dass die Fluggastrechteverordnung umzusetzen sei, heißt es in der Regierungsantwort. „Dies gilt insbesondere auch für Fluggesellschaften, die vom Bund finanziell gestützt werden.“ Die Lufthansa war in der Coronakrise mit neun Milliarden Euro vom Staat gerettet worden.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Laut Regierungsangaben hat das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) als Aufsichtsbehörde über die Luftfahrtunternehmen sowohl den nationalen und den internationalen Luftfahrtverband als auch „insbesondere alle deutschen und die großen europäischen Luftfahrtunternehmen schriftlich auf die geltende Rechtslage hingewiesen und für den Fall festgestellter Verstöße Sanktionen in Form von Bußgeldern angedroht“.

    Grüne kritisieren Aufsichtsbehörde

    Wie die Regierung in ihrer Antwort auf die Grünen-Anfrage weiter mitteilte, sind im LBA seit Anfang März insgesamt 688 Passagierbeschwerden (Stichtag: 17. Juni) eingegangen. Davon betrafen 519 Anzeigen einen Verstoß gegen die Rückerstattungsverpflichtung gemäß der Fluggastrechteverordnung. „Das LBA prüft die Anzeigen und wird bei festgestellten Verstößen Bußgelder verhängen.“

    Verbraucherschützer und Flugrechtsportale sind sich einig, dass die Airlines mit wenigen Ausnahmen die Zahlungen absichtlich verzögert haben. Teile der Opposition fordern ein schärferes Vorgehen staatlicher Stellen gegen zahlungsunwillige Fluggesellschaften.

    Die verbraucherschutzpolitische Sprecherin der Grünen, Tabea Rößner, warf dem Luftfahrt-Bundesamt vor, trotz der „eindeutigen Sachlage“ bisher keine Bußgelder verhängt zu haben. „Somit wirkt diese Behörde in keiner Weise präventiv, noch sanktioniert sie effizient“, sagte Rößner dem Handelsblatt.

    Dass Airlines „ungesühnt“ ihre Kundinnen und Kunden monatelang hinhalten könnten, sei ein Skandal. „Durch die Hinhaltetaktik der Airlines und den Totalausfall der Bundesregierung, die nicht imstande ist, eine zügige Rückerstattung der Flugkosten zu gewährleisten, ist das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher in die gesamte Branche massiv erschüttert worden.“

    Besonders groß ist der Unmut über die Lufthansa, insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass die Airline mit Milliardenbeträgen vom Staat gerettet werden musste. Bei dem Konzern standen zuletzt nach eigenen Angaben noch Rückzahlungen von etwas weniger als einer Milliarde Euro an 1,8 Millionen Kunden aus.

    Noch kein Bußgeld gegen säumige Airlines

    „Die Bundesregierung hat in der Causa Lufthansa offensichtlich völlig kritiklos Milliarden zu Verfügung gestellt, ohne das Unternehmen in eine moralische und rechtliche Pflicht zu nehmen“, sagte der Grünen-Tourismuspolitiker Markus Tressel dem Handelsblatt. „Das ist sowohl gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Konzerns als auch gegenüber den Verbraucherinnen und Verbrauchern ein Schlag.“

    So könnten weiterhin ohne ernsthafte Konsequenzen Kundengelder zurückgehalten werden. „Mit so einem Verhalten riskiert die Airline auch der gesamten Reisebranche gegenüber einen großen Vertrauensverlust.“

    Trotz zahlreicher Anzeigen von Passagieren hat das Luftfahrt-Bundesamt bis zur Jahresmitte noch kein Bußgeld gegen säumige Fluggesellschaften verhängt. Eingeleitet wurden bis zu dem Zeitpunkt 648 Verfahren, die auch andere mutmaßliche Verfehlungen der Airlines aus diesem Jahr betreffen. Hier gab es bis zum 30. Juni ein Bußgeld gegen eine europäische Airline, die ihren Informationspflichten nicht nachgekommen war.

    Die Erstattungspraxis verläuft je nach Fluggesellschaft offenbar unterschiedlich, wie eine Auswertung von 54.000 Fällen durch das Reiserechtsportal Fairplane zeigt. Demnach seien Kunden von Easyjet in 96 Prozent der Fälle bereits entschädigt worden. Am Ende stehen Airlines wie Ryanair mit fünf Prozent sowie die Lufthansa-Töchter Eurowings und Swiss mit vier und fünf Prozent.

    Mehr: Angst vor der zweiten Coronawelle: Wie sich Deutschland wappnen kann

    Startseite
    Mehr zu: Folgen der Coronakrise - Bundesregierung kritisiert verzögerte Ticketerstattungen von Airlines
    1 Kommentar zu "Folgen der Coronakrise: Bundesregierung kritisiert verzögerte Ticketerstattungen von Airlines"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Man kann Betroffenen nur raten, ein gerichtliches Mahnverfahren über den Rechtsanwalt einzuleiten. Das funktioniert einwandfrei, die Fluglinie muss alle Kosten übernehmen und zahlt in wenigen Wochen. Wir haben das bereits bei zwei Tickets erfolgreich gemacht. Erstaunlich ist, dass die staatliche geförderte LH es darauf ankommen lässt, auf diesem Wege weiter Geld zu verbrennen, die Kosten belaufen sich je nach Art des Tickets jeweils auf mehrere Hundert Euro.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%