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Folgen des Brexit Merkel will wirtschaftliche Reibungsverluste minimieren

Die Bundeskanzlerin glaubt auch nach dem britischen EU-Austritt an starke wirtschaftliche Beziehungen, pocht aber auf die vier Grundfreiheiten. Großbritannien will Unternehmen mit Anreizen vom Bleiben überzeugen.
02.11.2016 - 13:37 Uhr
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat für die zukünftige wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen der EU und Großbritannien klare Vorstellungen. So sei die Einhaltung der vier Grundfreiheiten auch dann eine Bedingung für den freien Zugang zum Binnenmarkt, wenn die Briten nicht mehr Teil der EU seien. Quelle: AFP
Klare Bedingungen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat für die zukünftige wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen der EU und Großbritannien klare Vorstellungen. So sei die Einhaltung der vier Grundfreiheiten auch dann eine Bedingung für den freien Zugang zum Binnenmarkt, wenn die Briten nicht mehr Teil der EU seien.

(Foto: AFP)

Berlin Bundeskanzlerin Angela Merkel will die Kosten des britischen EU-Austritts für die Wirtschaft möglichst minimieren. Sie macht aber die Einhaltung der vier Grundfreiheiten weiter zur Bedingung für einen freien Zugang der Briten zum EU-Binnenmarkt. Es gebe zwei Aspekte bei den Verhandlungen mit der Regierung in London, sagte Merkel am Mittwoch bei der Entgegennahme des Sachverständigengutachtens in Berlin.

Einerseits werde die EU auf die vier Grundfreiheiten der Union (Freizügigkeit für Arbeitnehmer, Kapital, Dienstleistungen und Güter) pochen, sagte die Kanzlerin. „Das wird auch die Grundlage sein, auf der wir die Verhandlungen führen.“

Gleichzeitig dürften aber „auch für die Wirtschaft möglichst wenig Reibungsverluste entstehen, denn Großbritannien ist ein wesentlicher Handelspartner“. Den Ton für die Verhandlungen setze allerdings die britische Regierung, wenn sie ihren Austrittsantrag stellen. Dann muss die britische Regierung sagen, welches Verhältnis sie zur EU anstrebe.

Experten gehen davon aus, dass vor allem die britische Wirtschaft nach einem EU-Austritt des Landes Schaden nehmen werde. Die US-Ratingagentur Moody's hat bereits damit gedroht, dass sie die Bonitätsbewertung Großbritanniens senken werde, falls der Zugang zum Binnenmarkt verloren gehen sollte.

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    Auch für britische Banken wäre der Verlust des sogenannten EU-Passes für das freie Agieren auf dem EU-Binnenmarkt schlecht für das eigene Rating, dies wäre wohl aber zu bewältigen.

    Die britische Regierung hat allerdings bereits angedeutet, dass sie Unternehmen mit Anreizen auf alle Fälle auf der Insel halten will. Wirtschaftsstaatssekretär Greg Clark sagte am Wochenende, man hoffe, dass Autohersteller in Großbritannien auch nach einem EU-Austritt weiter freien Zugang zum Binnenmarkt haben würden.

    Was denkt die Welt über den Brexit?
    Gehen oder bleiben?
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    Wie sich die Briten am 23. Juni bei ihrem Brexit-Referendum entscheiden, hat Auswirkungen auf die ganze Welt. Der Internationale Währungsfonds spricht von erheblichen Unwägbarkeiten für die Weltwirtschaft, sollte Großbritannien die EU verlassen. Einige Länder spekulieren aber auch auf Vorteile, sollte es zum Brexit kommen. Eine Auflistung der wichtigsten Partner der Briten außerhalb der EU.

    (Foto: dpa)
    USA
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    Die US-Regierung will Großbritannien als Teil der EU behalten. US-Präsident Barack Obama stellte das bei seinem Besuch im Mai in London klar. Er deutete auch an, dass ein US-Handelsabkommen mit Großbritannien nicht anstehe. „Wir müssen uns um den großen Block kümmern“, sagte Obama. Damit nahm er eine klare Position ein, schlug aber auch vielen Briten vor den Kopf. Konservative Kreise in den USA freuen sich dagegen schon auf eine Zusammenarbeit mit einem Premierminister Boris Johnson. Großbritannien könne im Falle eines Brexits belastende EU-Regulierungen über Bord werfen und hätte seine Grenzen wieder stärker unter Kontrolle, sagte Nile Gardiner von der konservativen Heritage Foundation.

    (Foto: AFP)
    China
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    Trotz Delle beim Wirtschaftswachstum hat die Volksrepublik kein Interesse an einem Brexit. Chinesische Investoren nutzen London als Einfallstor in die EU, dafür schlugen sie in den vergangenen Jahren Pflöcke ein. So kaufte etwa die staatliche Industrial and Commercial Bank of China erst vor kurzem einen riesigen Goldtresor in London mit einem Fassungsvermögen von 2000 Tonnen auf. Die Kooperation mit Großbritannien ist eng, das britische Finanzministerium gibt als einziges außerhalb Chinas Anleihen in Yuan aus. Ein Ausscheiden Großbritanniens und damit ein möglicher Bedeutungsverlust der Londoner City könnte diese Kooperation langfristig in Frage stellen.

    (Foto: Reuters)
    Arabische Länder
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    Die Scheichs, hier König Salman Al-Saud mit dem britischen Außenminister Philip Hammond, haben Unsummen von Geld in britischen Investments liegen. Sie sind an großen Banken ebenso beteiligt wie an Ölfirmen oder Immobilien. Zur Diskussion stehen Beteiligungen an Großprojekten zur Verbesserung der Infrastruktur. Politik spielt dabei keine große Rolle, es geht ausschließlich ums Geld verdienen. Für die Briten ist das Risiko und Chance zugleich. Sollte sich für die Entwicklung der Milliarden-Investments der Araber ein Brexit als günstig herausstellen, könnte noch mehr Geld fließen. Genauso schnell würden sie ihre Petro-Dollars aber wohl verlagern, wäre das Gegenteil der Fall. Andererseits wären etwa Waffendeals der großen britischen Rüstungskonzerne wie Rolls Royce oder BAE ohne EU-Regelwerk einfacher.

    (Foto: AP)
    Russland
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    Präsident Wladimir Putin ist der einzige Staatsmann eines größeren Landes, der Großbritannien einen Brexit anrät. Gerätselt wird, wie gut dieser Rat gemeint ist. Beide Staaten verbindet eine Hassliebe. Großbritannien ist wirtschaftlich eng mit Russland verbunden. Viele Oligarchen halten Unsummen in Londons Banken, repräsentative Immobilien in London sind in russischem Besitz, die Ölkonzerne BP und Rosneft arbeiten eng zusammen. Die Zusammenarbeit könnte in der Tat ohne EU leichter werden, wenngleich eher nicht zum Vorteil der Briten. Andererseits sind die politischen Beziehungen belastet, spätestens seit dem mysteriösen Tod des einstigen russischen Spions Alexander Litvinenko in London.

    (Foto: AFP)
    Japan
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    Die japanischen Autobauer sind ein enorm wichtiger Wirtschaftsfaktor für Großbritannien. Die britische Autoindustrie hat sich zuletzt stark erholt, ist zum Musterknaben für die beabsichtige britische Kehrtwende zurück zur Industrienation geworden. Nissan ist der mit Abstand größte Autobauer in Großbritannien, auch Toyota und Honda unterhalten große Werke. 57 Prozent der britischen Autoexporte gehen in die EU-Länder. Nissan-Chef Carlos Ghosn hatte bereits vielsagend angedeutet: „Wenn es Änderungen gibt, müssen wir unsere Strategie überdenken.“ Die Drohungen wurden jedoch zuletzt leiser, ein schnelles Deinvestment in Großbritannien steht wohl nicht mehr im Raum.

    (Foto: AFP)

    Sollte das Land keinen Freihandel mit der EU mehr betreiben, könnten Importwagen aus Großbritannien mit einem Zollsatz von zehn Prozent belegt werden, was sie für europäische Kunden teurer machen würde.

    Gerätselt wird deshalb, was genau die britische Regierung dem japanischen Autohersteller Nissan für weitere Investitionen im Land versprochen hat. Vergangene Woche hatte das Unternehmen mitgeteilt, man werde weitere Modelle in Großbritannien bauen. Noch im September erklärte der Autobauer, man werde sich nur weiter in Großbritannien engagieren, falls die britische Regierung für möglicherweise anfallende Zölle für Ausfuhren in die EU nach einem Brexit eine Entschädigung zahle.

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