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Forderung nach strengen Regeln Verbraucherschützer machen gegen individualisierte Preise im Online-Handel mobil

Beim Einkauf im Internet befürchten manche Kunden individuelle Zuschläge. Verbraucherschützer fordern mehr Transparenz – auch von Vergleichsportalen.
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Online-Handel: Verbraucherschützer machen gegen individuelle Preise mobil Quelle: dpa
Online-Handel

Die Preise im Internet sind häufig individualisiert. Verbraucherschützer fordern strengere Regeln.

(Foto: dpa)

Berlin Der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), Klaus Müller, fordert strenge gesetzliche Vorgaben für individualisierte Preise im Internet. Er begrüßte in diesem Zusammenhang eine Initiative der Länderjustizminister, die für die personalisierte Preisbildung mittels Algorithmen ein „transparentes Preisschild“ einführen wollen.

„Anbieter müssen dann bei der Preisangabe transparent ausweisen, ob Preise an den Nutzer angepasst werden und welche Daten in die Preisberechnung einfließen“, sagte Müller dem Handelsblatt. „Wenn das Surfverhalten, das Endgerät oder andere personenbezogene Daten Einfluss auf den Preis haben, müssen Verbraucherinnen und Verbraucher das wissen.“

Wichtig sei, so Müller weiter, dass die „Entscheidungskriterien und -logiken solcher Algorithmen“ nachvollziehbar seien. „Aufsichtsbehörden müssen diese im Verdachtsfall überprüfen können – zum Beispiel bei ungerechtfertigter Diskriminierung“, betonte der VZBV-Chef.

Der Vorstoß der Länder fußt auf der Annahme, dass Internethändler ihre Preisgestaltung zum Beispiel auf das Konsumverhalten einzelner Kunden zuschneiden. Acht Justizressortchefs verständigten sich daher darauf, Online-Händler künftig per Gesetz zu mehr Transparenz beim Einsatz von Algorithmen zu verpflichten. Eine entsprechende Vorlage sollte die Justizministerkonferenz an diesem Donnerstag in Berlin beschließen.

„Es geht um Transparenz und Aufklärung“, hatte der Hamburger Justizsenator Till Steffen (Grüne) den Vorstoß im Gespräch mit dem Handelsblatt begründet. „Wir wollen, dass Menschen, die sich im Netz bewegen, nicht von unsichtbaren Algorithmen gelenkt werden, sondern besser informiert entscheiden können.“ Dazu gehöre, „den Menschen mit einem transparenten Preisschild anzuzeigen, dass hier durch den Einsatz von Algorithmen ein persönlicher Preis für den individuellen Nutzer errechnet wurde“.

Früher haben sich durch Nachfrage und Angebot Preise gebildet, die für alle galten. Doch seit Unternehmen auf Basis gesammelter Daten die Zahlungsbereitschaft und das Kaufverhalten einzelner Nutzer präzise vorhersagen können, wird auch die Kundschaft entsprechend geködert.

Zwei Verbraucher können beim selben Anbieter zum selben Zeitpunkt also dasselbe Produkt zu unterschiedlichen Preisen angeboten bekommen – je nachdem wie zahlungskräftig oder zahlungswillig sie aufgrund der Datenlage erscheinen. Verbraucherschützer beklagen denn auch schon länger, dass auf diese Weise die Position der Verbraucher als Marktteilnehmer geschwächt wird.

Verbraucherschützer sehen auch Vergleichsportale kritisch

Handlungsbedarf sieht VZBV-Chef Müller auch bei sogenannten Vergleichsportalen und ihren möglichen wirtschaftlichen Verflechtungen mit Online-Händlern. „Geschäftliche Beziehungen zwischen Produktanbietern und Vergleichsportalen dürfen keinen Einfluss auf die Darstellung der Produkte haben“, sagte er. „Derart beeinflusste Rankings können Verbraucherinnen und Verbraucher zu Entscheidungen bewegen, die sie ohne diese Einflussnahme nicht getroffen hätten.“

Rankingmethoden und Finanzierung müssten daher an prominenter Stelle offengelegt werden, fordert Müller. Betreiber von Empfehlungsdiensten müssten zudem „umfassend und leicht verständlich“ darüber informieren. „Dann können Verbraucher besser einschätzen, inwieweit sie den Empfehlungen vertrauen können.“

Die Länderjustizminister sehen indes auch bei der Nutzung von Algorithmen für die Ausgabe von Suchergebnissen Handlungsbedarf. Sie plädieren für eine „Offenlegung der wesentlichen Kriterien des Sortieralgorithmus bei der Erstellung personalisierter Trefferlisten“, wie es in der Beschlussvorlage hieß. Explizit werden dabei sogenannte Newsfeeds erwähnt. Der Facebook-Newsfeed-Algorithmus etwa bringt Neuigkeiten in eine Reihenfolge und entscheidet somit, welche Nachrichten dem Nutzer an vorderster Stelle angeboten werden.

Justizsenator Steffen sieht kritisch, dass der Plattformbetreiber die Auswahl anhand der Informationen trifft, die er über die einzelnen User sammelt. Das könne aber dazu führen, warnt der Grünenpolitiker, „dass Nutzer nur noch Nachrichten zu lesen bekommen, die in eine bestimmte Richtung gehen, so dass die Nutzer in einer Filterblase sich selbst verstärkender Meinungen eingeschlossen werden“. Deswegen sei nun ein erster Schritt, „offenzulegen, nach welchen Kriterien zum Beispiel Nachrichten in sozialen Netzwerken angezeigt werden“.

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