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Forderungen nach Mint-Barometer Kitas und Grundschulen sollen Naturwissenschaften vermitteln

Jeder vierte Viertklässler hat Defizite in Mathematik. Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften fordert daher eine Frühförderung – bereits ab der Kita.
05.06.2019 Update: 07.06.2019 - 11:06 Uhr Kommentieren
Kinder sollen schon in der Kita spielerisch mit Naturwissenschaften in Kontakt kommen. Quelle: dpa
Kindertagesstätte

Kinder sollen schon in der Kita spielerisch mit Naturwissenschaften in Kontakt kommen.

(Foto: dpa)

Berlin Ob Digitalisierung, Biotech-Revolution, Energie- oder Mobilitätswende: Die zentralen Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort Deutschland sind nur mit genügend MINT-Kräften zu meistern – also Fachleuten in den Feldern Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. „Wir müssen mehr junge Menschen für MINT begeistern“, appelliert Dieter Spath, Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften Acatech, „und die MINT-Bildung zugleich in der Spitze und Breite verbessern.“

Dazu müssten einerseits viel mehr Kinder schon in der Kita spielerisch mit diesen Themen in Kontakt kommen. Zudem braucht es in der Schule in den Jahren vor der Pubertät mehr und besseren Unterricht in den entsprechenden Fächern, heißt es im aktuellen „MINT-Nachwuchsbarometer“ von Acatech und Körber-Stiftung, das dem Handelsblatt vorliegt.

Nachbesserung ist dringend nötig, mahnt Autor Olaf Köller, Chef des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN). Heute erreichen etwa in Mathematik „23 Prozent der Kinder am Ende der 4. Klasse nicht die von den Kultusministern festgelegten Standards“.

Und obwohl deutsche 15-Jährige bei den Pisa-Studien in Mathe und Naturwissenschaften über dem OECD-Durchschnitt abschneiden, ist „ihre Freude und Motivation an MINT-Fächern und MINT-Berufen“ gering“, so Köller.

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    In der für die Digitalisierung entscheidenden informatorischen Bildung, also dem Suchen und Verarbeiten von Infos im Netz sowie der Fähigkeit, selbst dort aktiv zu sein, „erreichen etwa 30 Prozent der Achtklässler nur die niedrigsten Kompetenzstufen“, zeigt das Barometer.

    Das Ergebnis ist ein extremer Fachkräftemangel in diesem hochsensiblen Bereich. Im jüngsten MINT-Report des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) wird die „MINT-Lücke“ – die Zahl der offenen Stellen minus der Arbeitslosen – auf 311 300 Fachkräfte beziffert, zwei Drittel davon in der beruflichen Ausbildung.

    Allein die Größe der Lücke bei IT-Spezialisten hat sich in nur vier Jahren verdreifacht. Damit steigt der Druck auf Politik und Wirtschaft, viel mehr Schulabgänger für die einschlägigen Berufe zu gewinnen.

    Die Defizite und damit das folgende Desinteresse könnten viel geringer sein, sagt Köller: „Je besser die MINT-Bildung in Kindergarten und Kita, desto größer ist dann auch der schulische Erfolg.“ Bis zum Jahr 2025 müssten Initiativen wie das „Haus der kleinen Forscher“ 90 Prozent der Vorschulkinder in Deutschland erreichen.

    Dazu müssten die Anstrengungen allerdings noch deutlich verstärkt werden. Bisher hat die vom Bundesbildungsministerium jährlich mit elf Millionen Euro geförderte Stiftung rund die Hälfte von insgesamt 56.000 Kitas erreicht. Ob Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) bereit ist, die Mittel entsprechend massiv aufzustocken, ist unklar. Bisher sieht ihr „MINT-Aktionsplan“ vor allem mehr Geld für die Vernetzung der vielen Akteure in den Regionen vor.

    Daneben müssten die Länder dringend „verbindlichere Vorgaben für MINT in den Lehrplänen“ machen, heißt es im Barometer. So schwanke etwa die Zahl der monatlichen Mathe-Stunden bis zur vierten Klasse bundesweit zwischen 18 und 22. Bei Technik und Naturwissenschaften – die oft auch fächerübergreifend unterrichtet werden – sind es zwischen zehn und 14 Stunden.

    Speziell für die Grundschulen fordert das Barometer daher eine spezielle Förderung im Rahmen der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ des Bundes. Denn auch die Zahl der Lehramtsabsolventen in den MINT-Fächern sinkt.

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      Daneben schlagen das IPN und Acatech konkrete Maßnahmen für die Schulabgänger vor: „Dass Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben, liegt nicht daran, dass wir nicht genug Bewerber haben – wir haben vielmehr nicht genügend qualifizierte Bewerber“, so Köller. Daher würden die Betriebe „nicht darum herumkommen“, für diese schwächere Klientel „mit Bund und Ländern Nachqualifizierungsangebote zu entwickeln“.

      Köller schlägt dazu Praktika oder ein „duales Berufsvorbereitungsjahr“ vor. Letzteres wird in Hamburg bereits mit positiven Erfahrungen praktiziert, erklärt Köller. Die Teilnehmer seien dort zwei Tage in der Schule und drei Tage im Betrieb.

      Die Maßnahmen zielen auf Schulabgänger, die bisher keine Lehrstelle gefunden haben. 2018 waren bundesweit rund 270.000 Schulabgänger im sogenannten Übergangssystem gelandet. Zumindest ein Teil davon gilt als noch „nicht ausbildungsfähig“, andere wollen einen weiteren Schulabschluss machen oder können sich nicht für eine Lehre entscheiden.

      Mehr: Die Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär, bringt ebenfalls einen Vorschlag ein. Sie will „Digitalkunde“ als Pflichtfach ab der Grundschule.

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