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Forsa-Chef Manfred Güllner „Strategie der Union ist völlig idiotisch“

Mit einer Schärfung des rechten Profils zieht die Union die falschen Konsequenzen aus dem Debakel bei der Bundestagswahl, sagt Manfred Güllner. Im Interview erklärt der Forsa-Chef, was CDU und CSU stattdessen tun können.
14.10.2017 - 08:15 Uhr 1 Kommentar
„Wenn sich die CSU als Heimat-Partei versteht, warum ist sie dann nicht gewählt worden? Warum hat sie dann bei der Bundestagswahl so stark verloren – sowohl auf der linken als auch auf der rechten Flanke?“ Quelle: picture alliance/dpa
Manfred Güllner.

„Wenn sich die CSU als Heimat-Partei versteht, warum ist sie dann nicht gewählt worden? Warum hat sie dann bei der Bundestagswahl so stark verloren – sowohl auf der linken als auch auf der rechten Flanke?“

(Foto: picture alliance/dpa)

Berlin Auch wenn sie wieder stärkste Kraft im Bund wurde, leidet die Union unter den Folgen der Bundestagswahl. Als Konsequenz aus dem Debakel wollen CDU und CSU ihr rechtes Profil schärfen. Bei den Wählern werden die Parteien damit aber kaum punkten, ist der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, überzeugt. „Die Mehrzahl der Abwanderer von der Union ordnet sich ja nicht rechts ein“, sagt Güllner im Interview. „Die Stammwähler von einst sind inzwischen eher links von CDU und CSU zu finden.“ Deshalb sei es auch ein „Irrglaube“, wenn die Union meine, sie könne mit dem Begriff „Heimat“ Wähler zurückholen. Mit Blick auf ein mögliches Jamaika-Bündnis rät Güllner zu einer raschen Einigung, bevor sich die Bürger „genervt abwenden“.

Herr Güllner, wie ist die Stimmungslage bei den Bürgern: Gibt es mehrheitlich eine Stimmung pro Jamaika?
Die Wähler haben so gewählt, dass es rechnerisch nur zwei Möglichkeiten gibt, eine Große Koalition oder ein Dreierbündnis. Und nachdem die SPD nicht mehr will und viele die Sozialdemokraten sowieso nicht mehr in der Regierung haben wollen, favorisiert die Mehrheit der Deutschen eine Jamaika-Koalition. Vor allem die Anhänger der FDP und der Grünen sind mit großer Mehrheit für ein solches Bündnis.

Für welche Partei steht bei Jamaika am meisten auf dem Spiel?
Es ist ein Missverständnis zu glauben, dass die Wähler das interessiert. Ärgerlich ist es für sie eher, dass die Parteien jetzt anfangen, Spielchen zu spielen, obwohl sie sich klar entschieden haben. Sicher gibt es Länder, in denen die Bildung einer Koalition länger dauert, wie etwa in den Niederlanden. Aber die Regel ist das nicht. Bei uns legt man ein viel zu großes Gewicht auf die Aushandlung eines Koalitionsvertrags. Zumal wir ja wissen, dass eine Legislaturperiode lange dauert und in dieser Zeit vieles passiert, was nicht durch den Vertrag abgedeckt ist. Koalitionsverhandlungen sind also ein Ritual, von dem sich die Leute eher genervt abwenden.

Aber ohne eine grobe Verständigung auf Regierungsinhalte wird es ja nicht gehen.
Mit diesem Ritual müssen wir leben. Die Leute interessiert aber nicht, was in einem Koalitionsvertrag steht. Das ist eine Diskussion unter Parteifunktionären. Für die Bürger steht vielmehr im Fokus: Drei Parteien haben jetzt eine Regierungsmehrheit, und die müssen sie sich zusammenraufen.

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    Wie kommt es dann bei den Wählern an, dass sich die Union in der Frage einer Flüchtlings-Obergrenze letztlich auf einen Formelkompromiss verständigte – also auf etwas, das auch schon viel früher hätte ausgehandelt werden können?
    Es ist ziemlich irre, was da abläuft. Das ist auch nicht etwas, was das Vertrauen in die Politik stärkt. Die Integration von Ausländern und Flüchtlingen ist ein Punkt, aber nicht der einzig wichtige für die Menschen. Alles was mit der Zukunft unserer Kinder zusammenhängt, ist viel wichtiger, also: die Bildungspolitik oder der Zustand der Schulen. Es gibt viele drängende Probleme, die angepackt werden müssen. Aber stattdessen streitet man sich über eine Flüchtlings-Obergrenze.

    Könnte vor allem mit Blick auf die Grünen das Zuwanderungsthema noch zu einer unüberwindbaren Hürde in den Sondierungen werden?
    Aus Sicht der Wähler dieser drei Parteien nicht, aus Sicht der Funktionäre vielleicht. Wir beobachten ja schon seit Jahren, dass eine tiefe Kluft herrscht zwischen Parteifunktionären und den Wählern der Parteien. In der Union, vor allem aber in der CSU, sind die Funktionäre viel rechter als die Wähler. Ähnliche Phänomene stellen wir auch bei anderen Parteien fest. Fakt ist: Die Wähler sind nicht an Zuspitzung interessiert, sondern an Konsens. Sie denken viel lösungsorientierter und pragmatischer als manche Parteileute.

    „Das ist problematisch. Denken Sie nur an die Weimarer Republik“
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    1 Kommentar zu "Forsa-Chef Manfred Güllner: „Strategie der Union ist völlig idiotisch“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wenn Forsa schon die Union berät , dann steht es um beide Parteien sehr schlimm.
      Der Rechte Zug ist für die Union abgelaufen , dass ist richtig und wenn die AFD nicht so dumm ist sich zu zerlegen , wird sie die neue CDU werden. Die CSU wird in Bayern 2018 abstürzen , ganz sicher wenn sie die abgewählte Merkel mit den abgewählten Seehofer auftreten lassen. Die Union ist heute Links auf der falschen Seite und wird jetzt von die Linke und SPD zersplittert werden . Die
      Jamaika wird unser Land verändern bis zur Unkenntlichkeit. Keine Partei steht
      wirklich zu unseren Land.

      Was die Österreicher haben, sind Österreicher die das Land regieren wollen. In Deutschland haben wir Reiche Parteien die dieses Land ausplündern wollen und
      nur das eigen Klientel bedienen.

      Die Armen bleiben auf der Strecke seit die SPD sozial vertrocknet sind.

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