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Forscher über AfD-nahe Gewerkschaft Zentrum Automobil – „Eine ganz klar rechtsradikale Organisation“

Der Rechtspopulismus-Forscher Matthias Quent sieht in der Gewerkschaft „Zentrum Automobil“ ein Vorzeigeprojekt der radikalen Rechten. Dass sich Daimler klar dagegen positioniert, begrüßt er.
3 Kommentare
Der Wissenschaftler ist Direktor des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) in Jena.
Matthias Quent

Der Wissenschaftler ist Direktor des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) in Jena.

Berlin Nach Einschätzung des Rechtspopulismus-Forschers Matthias Quent könnte die rechte Gewerkschaft „Zentrum Automobil“ zum Dauerproblem für den Betriebsfrieden bei Daimler werden. „Eine solche Gruppe im Betrieb sorgt für großen Unfrieden“, sagte der Direktor des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft in Jena im Interview mit dem Handelsblatt.

Zum einen, „weil die symbolische Strahlkraft der einzigen rechtsradikalen Gewerkschaft in Deutschland weit über die Betriebs- und Landesgrenzen hinauswirkt“. Zum anderen spalteten Rechtsradikale die Belegschaft – politisch und entlang der ethnischen Herkunft.

Daimler-Chef Ola Källenius hatte sich am Mittwoch gegen die Mini-Gewerkschaft positioniert. In einer auf Deutsch und Englisch verfassten Erklärung betonte Källenius, dass „Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz bei uns keinen Platz haben“.

Källenius reagierte damit auf ein Video des „Zentrums Automobil“, das sich gegen die Entlassung von zwei Daimler-Beschäftigten wehrt. Den Arbeitnehmern wurde gekündigt, weil sie einen türkischstämmigen Kollegen über Monate Hitler- und Hakenkreuzbilder zugesandt hatten.

Aus Sicht Quents ist das „Zentrum Automobil“ ein „kleines, aber symbolisch wichtiges Vorzeigeprojekt der radikalen Rechten mit engen Verbindungen zur AfD, der identitären Bewegungen und anderen rechtsradikalen Gruppen“.

„Es ist sowohl hinsichtlich der Ideologie als auch hinsichtlich der dahinterstehenden Netzwerke ganz klar eine rechtsradikale Organisation“, sagte er. Der Vorsitzende des „Zentrums“, Oliver Hilburger, komme aus der Neonazi-Szene. „Wie viele andere frühere Neonazis versucht er nun, unter dem Deckmantel auf den ersten Blick unauffälliger Organisationen weiter rechtsradikale Positionen zu verbreiten“, so Quent.

Lesen Sie hier das komplette Interview:

Herr Quent, wie bewerten Sie den Einsatz des Daimler-Vorstands gegen Fremdenfeindlichkeit?
Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dass sich Vorstände und Führungskräfte für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einsetzen, wenn diese rassistisch diskriminiert oder von Rechtsradikalen bedroht werden. Letztendlich ist es schädlich für die Attraktivität, den Ruf eines Unternehmens und das betriebliche sowie gesamtgesellschaftliche Klima, wenn Rassismus und die Verherrlichung des Nationalsozialismus geduldet werden. Wer andere diskriminiert, ist kein Opfer, sondern muss die Verantwortung für sein Handeln tragen.

Wo ist das „Zentrum Automobil“ politisch zu verorten?
Das „Zentrum Automobil“ ist ein kleines, aber symbolisch wichtiges Vorzeigeprojekt der radikalen Rechten mit engen Verbindungen zur AfD, der identitären Bewegungen und anderen rechtsradikalen Gruppen. Es ist sowohl hinsichtlich der Ideologie als auch hinsichtlich der dahinterstehenden Netzwerke ganz klar eine rechtsradikale Organisation.

Was ist von dem Vorsitzenden des „Zentrums“, Oliver Hilburger, zu halten? Können er und sein Verein zu einer Dauerbelastung für den Betriebsfrieden bei Daimler werden?
Hilburger kommt aus der Neonazi-Szene. Dort war er unter anderem in der einflussreichen Rechtsrockband „Noie Werte“ aktiv und bundesweit vernetzt. Wie viele andere frühere Neonazis versucht er nun, unter dem Deckmantel auf den ersten Blick unauffälliger Organisationen weiter rechtsradikale Positionen zu verbreiten. Eine solche Gruppe im Betrieb sorgt für großen Unfrieden.

Inwiefern?
Erstens, weil die symbolische Strahlkraft der einzigen rechtsradikalen Gewerkschaft in Deutschland weit über die Betriebs- und Landesgrenzen hinauswirkt. Zudem wird der Zusammenschluss in Internetvideos aufwendig in Szene gesetzt. Zum anderen spalten Rechtsradikale die Belegschaft – politisch und entlang der ethnischen Herkunft.

Haben Sie Kenntnis davon, ob das „Zentrum Automobil“ oder ähnliche Gruppierungen oder Vereine in anderen Betrieben aktiv sind? Oder ist das ein rein westdeutsches Phänomen?
Es gab auch andernorts Versuche, ähnliche Strukturen aufzubauen. Meines Erachtens ist das gescheitert. Allerdings gibt es vereinzelt durchaus auch Rechtsradikale in Betriebsräten und anderen Gremien.

Wie sollten generell Unternehmen mit Fremdenfeindlichkeit umgehen? Sollten sie sich auch offensiver in politische Debatten einschalten – und auch zur AfD positionieren?
Die liberale Demokratie wird infrage gestellt. Gerade Unternehmen, die von den Vorzügen von Demokratie, Globalisierung, offenen Grenzen und gewachsener Mobilität profitieren, sind noch viel stärker gefragt, sich einzubringen und offen gegen Rechtsradikalismus zu engagieren – vom Betrieb bis in die Parlamente. Unternehmer haben eine große Glaubwürdigkeit in der Bevölkerung und darum auch eine große Verantwortung. Die Mehrheit ist ganz klar gegen Antisemitismus, Rassismus und Rechtsradikalismus und besorgt über das Erstarken der radikalen Rechten. In dieser Mehrheit können Unternehmen damit in der Öffentlichkeit und damit bei Konsumenten punkten, wenn sie offensiv Position beziehen. Aber auch abseits der Öffentlichkeit können sich Unternehmer vielseitig engagieren.

Ist Fremdenfeindlichkeit ein Faktor, der Unternehmen schaden kann, wenn sie nicht eindeutig dagegen vorgehen?
Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sind in verschiedener Hinsicht eine Gefahr für Unternehmen – von der Fachkräftegewinnung über die Spaltung der Belegschaft bis hin zum Image von Unternehmen und Produkten. Wenn man diese Probleme nicht angeht, verfestigen sie sich. Darum ist es auch für Unternehmer ratsam, ein demokratisches und weltoffenes Betriebsklima zu pflegen und Leute auszuschließen, die dort mit rassistischen oder rechtsradikalen Aktivitäten auffallen.

Mehr: Daimler-Chef Ola Källenius hat sich deutlich gegen rechte Hetze bei dem Autobauer positioniert. Investoren, Politiker und Ökonomen loben den Schweden für seine klare Haltung und sehen darin eine Vorbildfunktion.

Zum Autor: Matthias Quent ist Direktor des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) in Jena. Am 5. August 2019 erscheint beim Münchner Piper-Verlag sein Buch „Deutschland rechts außen. Wie die Rechten nach der Macht greifen und wie wir sie stoppen können.“

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3 Kommentare zu "Forscher über AfD-nahe Gewerkschaft: Zentrum Automobil – „Eine ganz klar rechtsradikale Organisation“"

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  • Wenn ich auch darum bitten dürfte, besten Dank!

  • Danke Herr Pasiak,
    so geht es mir auch!

  • Liebes Handelsblatt! Ihr sollt ein Wirtschaftsblatt sein, oder? Was sollen dann diese politisierenden Beiträge mit Richtungslenkung?! Überlasst das den dafür bekannten Magazinen. Ich habe das Handelsblatt abonniert, weil ich Wirtschaftsnachrichten lesen will.

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