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Forschung In Reallaboren setzt Minister Altmaier Gesetze testweise außer Kraft

Der Wirtschaftsminister schafft für Wirtschaft und Wissenschaft Freiräume, in denen sich die Forscher testweise nicht an gesetzliche Regelungen halten müssen.
2 Kommentare
Der Wirtschaftsminister will Idee der Reallabore nicht auf Projekte der Energiewende beschränken. Quelle: dpa
Peter Altmaier

Der Wirtschaftsminister will Idee der Reallabore nicht auf Projekte der Energiewende beschränken.

(Foto: dpa)

Berlin Die digitale Welt hält große technologische Chancen bereit: Ob autonomes Fahren, Anwendungen der Telemedizin oder die Paketzustellung per Drohne – viele Möglichkeiten sind über das Stadium der technischen Spielerei längst hinaus. Oft fehlt aber der passende Regulierungsrahmen.

Zumindest testweise sollen Unternehmen und Forschungseinrichtungen daher die Möglichkeit bekommen, neue Technologien und Geschäftsmodelle zu erforschen, zu entwickeln und auch praktisch zu erproben. Am besten geschieht das unter realen Bedingungen, in den sogenannten „Reallaboren“.

„Wir brauchen mehr Mut zum Experimentieren und müssen mehr Testräume für Innovationen und Regulierung ermöglichen“, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) dem Handelsblatt. „Reallabore machen innovative Technologien vor Ort möglich. Und sie tragen dazu bei, dass wir auch regulatorisch dazu lernen.

Deutschland brauche Freiräume für Innovationen, damit kluge Ideen auch in Zukunft hier getestet und umgesetzt werden“, sagte der Minister.

In einem Handbuch für Reallabore, das in diesen Tagen vorgestellt werden soll, skizziert das Wirtschaftsministerium anhand von Praxisbeispielen, worum es geht und wie sich Unternehmen Reallabore zunutze machen können.

Reallabore der Energiewende

Erst Ende vergangener Woche hatte Altmaier 20 Gewinner im „Ideenwettbewerb Reallabore der Energiewende“ bekannt gegeben. Mit den „Reallaboren der Energiewende“ sollen zukunftsfähige Energietechnologien unter realen Bedingungen und im industriellen Maßstab erprobt werden.

Zentrales Thema ist CO2-armer Wasserstoff. Seine Nutzung bedeutet keine oder nur sehr geringe Treibhausgas-Emissionen. Erzeugt werden kann CO2-armer Wasserstoff beispielsweise über Elektrolyse auf Basis von Strom aus Windkraft- oder Photovoltaikanlagen. Weitere wichtige Themen der ersten Ausschreibungsrunde des Ideenwettbewerbs sind Energiespeicher und energieoptimierte Wohnquartiere.

Die 20 Gewinner des Ideenwettbewerbs werden jetzt aufgefordert, in einem nächsten Schritt konkrete Anträge zu stellen, die dann wiederum bewertet werden, erst im nächsten Schritt folgt der konkrete Förderbescheid. In den kommenden Jahren sind weitere Projekte möglich.

Das Bundeswirtschaftsministerium stellt jährlich 100 Millionen Euro an Förderung für Reallabor-Projekte bereit. Das Programm ist auf fünf Jahre angelegt. Hinzu kommen einmalig 200 Millionen Euro für die vom Kohleausstieg betroffenen Regionen.

Unter der Überschrift „Schaufenster Intelligente Energie“ (Sinteg) wurden bereits zeitliche befristete Freiräume geschaffen, um Blaupausen für technische, wirtschaftliche und regulatorische Lösungen für die künftigen Herausforderungen der Energiewende zu entwickeln.

Doch die Idee der Reallabore ist nicht auf Projekte der Energiewende beschränkt. Grundsätzlich kann jede Innovation profitieren. Das Wirtschaftsministerium stellt in seinem Handbuch den Weg von der Idee bis zur Entstehung eines Reallabors dar – von Haftungsfragen bis zu beihilferechtlichen Hürden.

Das Konzept der Reallabore trifft auf breite Zustimmung. „Reallabore sind ein richtiger und sehr wichtiger Schritt, neue Technologien zu testen“, sagt etwa Frank Thelen, Gründer und Investor. „Reallabore sind ein wichtiger Baustein, um die Experimentierkultur in unserer Gesellschaft zu stärken und dabei Transformationsprozesse besser zu verstehen und zu begleiten“, sagt Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal Instituts.

Carsten Linnemann (CDU), Chef der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) der Union, hält Reallabore für „gelebte Ordnungspolitik“. Sie stünden „für einen dringend benötigten Mentalitätswechsel“. Neue Ideen und Geschäftsmodelle sollten nicht zuerst auf Bürokratie und Bedenken stoßen, „sondern auf Neugierde und Freiräume“, fordert Linnemann. Innovative Technologien und schlanke Regulierung könnten sich im Reallabor bewähren.

Mehr: Peter Altmaier will digitale Experimentierräume schaffen, um Innovationen voranzutreiben.

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2 Kommentare zu "Forschung: In Reallaboren setzt Minister Altmaier Gesetze testweise außer Kraft"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wenn es um die Reduzierung der CO2-Emissionen geht, wäre nichts einfacher als der Ersatz der Kohlekraftwerke durch neue Kernkraftwerke, denn die sind emissionsfrei, wetterunabhängig und die neue Generation ist absolut explosionssicher !
    Der Grund für das Atomverbot ist also entfallen. Weltweit laufen über 400 Kernkraftwerke und Dutzende neue sind im Bau ! Warum halten wir trotzdem noch am Atomverbot fest ? Wäre es nicht an der Zeit, das zu überdenken ?

  • Eine sehr gute Idee, wenn diese so umgesetzt und mit genug Fördergeld untermauert wird.
    "Reallabore sind nicht auf Projekte der Energiewende beschränkt. Grundsätzlich kann jede Innovation profitieren. " Das ist gut so.
    Es geht hier endlich darum neue Ideen, von der Idee und Labor, in die Praxis zu transferieren. Es ist ein Schritt weg von der Technologie-Verhinderungspolitik, hin zu neuen Innovationen. Die Richtung stimmt, es müssen zügig weitere Schritte folgen.

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