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Forschung und Entwicklung Gescheiterte Innovationen kosten Deutschland jährlich mindestens 20 Milliarden Euro

Innovationen gelten per se als etwas Gutes – und werden vom Staat kräftig gefördert. Eine Studie zeigt jedoch, dass sie auch zu milliardenschweren Verlusten führen können.
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Erfolglose, aber vermeidbare Innovationen, die abgebrochen werden oder gar nicht zu einem neuen Produkt führen, haben die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr mindestens 20 bis 60 Milliarden Euro gekostet. Quelle: obs
Forschungslabor

Erfolglose, aber vermeidbare Innovationen, die abgebrochen werden oder gar nicht zu einem neuen Produkt führen, haben die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr mindestens 20 bis 60 Milliarden Euro gekostet.

(Foto: obs)

BerlinInnovationen sind immer gut, verhelfen zu einem Vorteil im Wettbewerb und mehren den Gewinn. Erst kürzlich bescheinigte das World Economic Forum Deutschland eine weltweit führende Innovationsfähigkeit. Die Bundesregierung fördert Innovationen jährlich mit Milliarden Euro und plant einen Steuerbonus.
Doch das Geld für neue Ideen ist nicht immer gut angelegt: Erfolglose, aber vermeidbare Innovationen, die abgebrochen werden oder gar nicht zu einem neuen Produkt führen, haben die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr mindestens 20 bis 60 Milliarden Euro gekostet, warnt eine Studie des Beratungsunternehmens Oliver Wyman auf der Basis einer Expertenbefragung.

Komplett vermeidbar sind diese Kosten natürlich nicht, so Wyman. Doch wenn es durch kluge Organisation der Innovationsaktivitäten gelingt, einen Teil davon einzusparen und stattdessen erfolgreich einzusetzen, „beträgt das wirtschaftliche Gesamtpotenzial „einem Vielfachen der Summe“, heißt es in der Studie.

Ein nennenswerter Teil wäre vermeidbar, so die Autoren: Denn „nicht selten werden insbesondere in Konzernen Innovationsideen gar nicht erst in Betracht gezogen – oder aber viel zu spät gestoppt“.

Bei Start-ups gibt es eine Daumenregel, wonach nur jedes zehnte erfolgreich ist, und 80 Prozent innerhalb von drei Jahren scheitern. Bei Innovationen in der Industrie sei die Quote zwar geringer, so die Studie, der Anteil liege aber dennoch bei zehn bis 30 Prozent.

Ursache sei vielfach ein unsystematischer Prozess: „Oft fehlen zentrale Haltepunkte und eindeutige Ziele.“ Zudem stünden die „weit verbreitete Ablehnung von Wandel“ und die Angst vor Fehlern neuen Ideen im Weg – oder die Angst, ein gescheitertes Experiment zügig zu beenden.

Auch fehle es immer wieder nicht nur am nötigen Geld, um eine Innovation systematisch zu entwickeln, sondern auch an Mitarbeitern, die das kompetent verfolgen. Schließlich gebe es für die Entscheidung, welche Projekte weiter verfolgt werden, „keine einheitliche Logik“.

Nach einer Prognose auf Basis der Daten des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hat die deutsche Wirtschaft 2018 rund 175 Milliarden für Innovationen ausgegeben. Der Löwenanteil von rund 170 Milliarden davon entfällt auf die Industrie. Dazu kommen bis zu 2,5 Milliarden für Start-ups bestehender Unternehmen – etwa im Lufthansa Innovations-Hub.

SAP, EnBW, Linde, VW oder Daimler haben ähnliche Modelle. Insgesamt haben die 120 größten Konzerne bisher mehr als 100 solcher Innovationslabore gegründet. Weitere 4,5 Milliarden Euro flossen in Form von Venture Capital, heißt es in der Studie.

Um eine kostensenkende „Fail fast, Learn fast“-Kultur zu etablieren, müsse die Unternehmensleitung mit gutem Beispiel vorangehen. Indem sie „Leuchtturmprojekte starten und sowohl Erfolge, aber auch Fehlschläge offen kommuniziert“, empfiehlt Wyman denen, die vor allem Misserfolge gern vornehm verschweigen.

Ein bewährtes Mittel, um knappe Ressourcen effektiv einzusetzen, sei ein zentraler Innovationsfonds oder eine zentrale Abteilung. Die Auswahl geeigneter Innovationsprojekte müsse vor allem zu Beginn systematisiert – und mit der Gesamtstrategie abgeglichen werden.

Mehr: Im Standortranking des World Economic Forums landet Deutschland hinter den USA und Singapur auf Rang drei. Lesen Sie hier, aus welchem Grund die Platzierung überrascht.

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