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Forschungsinvestitionen Industrie mahnt Bundesregierung zu Förderung der Digitalisierung des Gesundheitswesens

Der BDI fürchtet, dass Deutschland bei der Gesundheit die digitale Zukunft verpasst. Die Bundesregierung müsse verstärkt Innovationen fördern.
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Gesundheitswesen: BDI mahnt zu Förderung der Digitalisierung Quelle: obs
Medizinische Angestellte

Deutschland drohe, zum Forschungsstandort zweiter Wahl zu werden, befürchtet der BDI.

(Foto: obs)

BerlinDer Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat die Bundesregierung zu einer stärkeren Förderung von Innovationen im Gesundheitswesen aufgerufen. „Aktuell verliert die deutsche Gesundheitsforschung bei digitalen Zukunftstechnologien den Anschluss“, sagte Iris Plöger, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung.

Auf die Bundesrepublik würden lediglich 0,5 Prozent der weltweiten Investitionen in Digital Health entfallen, in den USA dagegen 75 Prozent. Deutschland drohe „zum Forschungsstandort zweiter Wahl zu werden“, warnte Plöger.

„Wenn die Forschungsinvestitionen durch die Bundesregierung nicht steigen, besteht die Gefahr, dass Know-how ins Ausland wandert. Dort gibt es bessere Rahmenbedingungen wie etwa steuerliche Erleichterungen für forschende Unternehmen.“

Neben einer wirksameren steuerlichen Forschungsförderung fordert der BDI in einem Positionspapier, die Potenziale der Digitalisierung und neuer Technologien in der Gesundheitswirtschaft auszuschöpfen. Dafür sei es notwendig, Gesundheitsdaten stärker für Forschungszwecke nutzbar zu machen.

Unterschiedliche Datenschutzvorgaben in den Bundesländern müssten vereinheitlicht werden. Das gelte insbesondere für Regelungen zur Datenverarbeitung in Krankenhäusern. Bei der elektronischen Patientenakte, die Krankenkassen ihren Versicherten spätestens 2021 anbieten müssen, plädiert der BDI für ein Opt-out-Modell für die Datennutzung.

Die Patientendaten dürften demnach von Wissenschaft und Wirtschaft anonymisiert zu Forschungszwecken herangezogen werden – solange der Versicherte nicht ausdrücklich widerspricht. Deutschland benötigt nach Ansicht der Industrie auch endlich ein auf einheitlichen Standards basierendes digitales Gesundheitsnetzwerk, um die Akteure von Universitäten über forschende Unternehmen bis zu Krankenkassen und Ärzten zu vernetzen.

Die Datenautobahn im deutschen Gesundheitswesen, die sogenannte Telematikinfrastruktur, nimmt nach jahrelangen Verzögerungen erst langsam Gestalt an. „Fortschritt wird in den nächsten Jahrzehnten im Gesundheitssektor vor allem datengetrieben sein“, heißt es in dem Positionspapier des BDI.

Industrie regt „Innovationscheck“ an

„Um sicherzustellen, dass Deutschland nicht nur ein Absatzmarkt für intelligente Lösungen sein wird, sondern selbst weltmarktfähige Lösungen entwickelt, muss sichergestellt sein, dass die richtigen Rahmenbedingungen für datengetriebene Formen der Behandlung und auch der Kooperation zwischen Forschungseinrichtungen möglich werden,“ fordert der Verband weiter.

Außerdem regt die Industrie einen „Innovationscheck“ in allen Gesetzgebungsverfahren an. Die Folgen von Gesetzesvorhaben für die Innovationsfähigkeit der Wirtschaft müssten im politischen Entscheidungsprozess systematisch berücksichtigt werden. Ferner müsse der Technologietransfer im Gesundheitsbereich von Universitäten in Unternehmen verbessert werden.

Die Bedeutung der Gesundheitsbranche für den Standort Deutschland hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Am Mittwoch vorgestellte Zahlen des Bundeswirtschaftsministeriums zeigen: Im Gesundheitsbereich wurden 2018 fast 370 Milliarden Euro erwirtschaftet, das sind rund zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Vor zehn Jahren lag die Bruttowertschöpfung der Gesundheitswirtschaft noch bei etwa 245 Milliarden Euro (knapp elf Prozent des BIP).

Etwas mehr als die Hälfte der Wirtschaftsleistung im Gesundheitsbereich entfällt demnach auf die medizinische Versorgung, also Krankenhäuser, Arztpraxen oder Pflegeeinrichtungen. Rund ein Viertel macht die industrielle Gesundheitswirtschaft aus, zu der Pharmaunternehmen oder die Hersteller von Medizinprodukten gehören. Das verbleibende Viertel teilt sich auf weitere Teilbereiche auf, darunter die Krankenversicherungen.

Die Gesundheitswirtschaft ist nach Angaben des Wirtschaftsministeriums im vergangenen Jahrzehnt mit 4,1 Prozent pro Jahr stärker gewachsen als die deutsche Volkswirtschaft insgesamt. Auch das Jobwachstum in der Branche liegt demnach über dem Durchschnitt: Jeder sechste Erwerbstätige in Deutschland (7,6 Millionen Menschen) arbeitet mittlerweile im Gesundheitsbereich. Das sind so viele wie im verarbeitenden Gewerbe.

„Die Gesundheitswirtschaft ist eine wichtige Stütze unserer Volkswirtschaft“, sagte Wirtschafts-Staatssekretärin Claudia Dörr-Voß bei der Vorstellung der Gesundheitswirtschaftlichen Gesamtrechnung. „In den kommenden Jahren kommt es nun vor allem darauf an, dass die Unternehmen die Chancen der Digitalisierung in diesem Bereich nutzen.“

Die Zahlen des Wirtschaftsministeriums zeigen, dass die digitale Gesundheitswirtschaft in Deutschland noch ein Nischendasein führt. Die Bruttowertschöpfung lag im vergangenen Jahr lag bei 5,8 Milliarden Euro – ein Anteil von etwa 1,5 Prozent an der gesamten Gesundheitswirtschaft. Rund 65.000 Erwerbstätige arbeiteten im Bereich Digital Health.

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