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Forschungspolitik Bundesregierung konkretisiert Pläne für Quantentechnologie – Grüne fordern mehr Tempo

Die Bundesregierung will im Januar die lange erwarteten Pläne zur Förderung der Quantentechnologie vorlegen. Die Opposition spricht schon jetzt von einer „Kapitulation“.
24.12.2020 - 16:48 Uhr Kommentieren
Die Forschungsministerin Anja Karliczek kündigte im Januar 2020 an, weitere 300 Millionen für das Quanten-Computing ausgeben zu wollen. Quelle: dpa
Anja Karliczek (CDU)

Die Forschungsministerin Anja Karliczek kündigte im Januar 2020 an, weitere 300 Millionen für das Quanten-Computing ausgeben zu wollen.

(Foto: dpa)

Berlin Deutschland hat große Ambitionen, bei der Quantentechnologie international aufzuholen. Enorme Summen von über zwei Milliarden Euro sind versprochen. Im Januar 2021 will die Regierung nun endlich gemeinsam mit Forschung und Wirtschaft genauere „Handlungsempfehlungen“ vorlegen. Das erklärte das Bundesforschungsministerium gegenüber dem Handelsblatt.

Wie genau Deutschland die Aufholjagd angegangen werden soll, erklärt das Ministerium allerdings noch nicht sehr konkret. Es gehe zunächst um „vorbereitende Maßnahmen“. Mit einer ersten Tranche an Fördermitteln von über 120 Millionen Euro will Ministerin Anja Karliczek dann auch die ersten Projekte starten.

Den Grünen geht das alles viel zu langsam. Die Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Oppositionspartei zur Quantentechnologie zeige eindeutig, „dass die Regierung drauf und dran ist, nach Künstlicher Intelligenz und der Forschungsfertigung von Batteriezellen auch die dritte Schlüsseltechnologie zu verschleppen“, so die innovationspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Anna Christmann. Die ausführliche Antwort des Forschungsministeriums auf die Fragen der Grünen liegt dem Handelsblatt vor (>> vollständiges Dokument zum Download)

Das Offensichtliche räumt die Bundesregierung ein: den „Nachholbedarf“ im Vergleich zu anderen Nationen, „insbesondere zu nordamerikanischen Unternehmen, wie zum Beispiel Google und IBM“. Allerdings versuche die Bundesregierung nicht mal, sich ambitionierte Ziele zu setzen. „Das grenzt an Kapitulation“, so Christmann. 

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    Die Quantentechnologie gilt als eine der künftigen Schlüsseltechnologien, die das Potenzial haben, für Forschung und Wirtschaft ganz neue Dimensionen zu eröffnen. Quantencomputer könnten Rechnungen und Suchanfragen ermöglichen, die bisher selbst mit Supercomputern undenkbar sind.

    Denn sie basieren nicht auf den zwei gängigen Werten Null und Eins, sondern können auch alle möglichen Werte dazwischen annehmen. Damit könnte beispielsweise auch die Klimaforschung und die Materialforschung revolutioniert werden. Quantenkommunikation soll zudem auch völlig abhörsichere Kommunikation ermöglichen. 

    Keine konkreten Pläne

    Die Bundesregierung hat daher enorme Summen zur Förderung eingeplant, um mit den Investitionen mithalten zu können, die schon heute in den USA und China auf diesem Feld getätigt werden. Für 2021 sind diese Gelder aber durch den Bundestag gesperrt, weil die Ministerien noch keinerlei konkrete Pläne vorgelegt haben, was sie damit anfangen wollen.  

    Die Summen sind gewaltig: Zusätzlich zu den mehreren Hundert Millionen Euro, die schon in den Vorjahren bereitgestellt wurden, kündigte Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) im Januar 2020 an, weitere 300 Millionen für das Quanten-Computing ausgeben zu wollen.

    Und im Juni beschloss die Koalition, im Rahmen des Konjunkturpakets sogar weitere zwei Milliarden Euro zu investieren – um damit „insbesondere ein industrielles Standbein in Hard- und Software“ und „mindestens zwei Quantencomputer aufzubauen“. 

    Bisher gibt es aber keinerlei konkrete Pläne, wie diese Ziele erreicht werden sollen, zeigt die Antwort auf die kleine Anfrage. Das Wirtschaftsministerium hatte vor einiger Zeit zwar die Parole ausgegeben, dass bis 2025 die Technologie für einen deutschen Quantencomputer bereitsteht.

    Das scheint aber nicht allzu verbindlich oder nicht Konsens zu sein in der Regierung, denn in den Ausführungen des Forschungsministeriums wird kein Termin genannt. Die Entwicklung eines Quantencomputers sei schließlich „eine enorme technologische Herausforderung. Ob der künftige Computer dann die Größe von 100 QBits habe, sei heute nicht seriös abschätzbar. Das gelte auch für die Frage, ob diese dann fehlerfrei funktionieren würden.

    Dennoch: „Nach zehn Jahren soll Deutschland mit souveräner Technologie an der Spitze des technologischen Wettbewerbs stehen“, lautet das Langfristziel. Daneben beteiligt sich Deutschland an dem auf EU-Ebene geplanten Quantencomputer. 

    Kompetenzstreiterei zwischen Ministerien

    National ist allerdings unklar, wer bei der Förderung der Zukunftstechnologie den Hut aufhat: Die Ministerien für Forschung, Wirtschaft und Finanzen seien gemeinsam federführend, heißt es in dem Papier.   

    Statt „einer Strategie mit messbaren Zielen“ herrsche also „Kompetenzstreiterei zwischen den beteiligten Ministerien“, und die Experten sein viel zu spät eingebunden worden, kritisiert Christmann. Die Expertengruppe, die eine Roadmap entwickeln soll, wurde erst Ende Oktober vom Kanzleramt eingesetzt. „So verspielen wir Deutschlands Rolle als Treiber wichtiger Zukunftsfelder.“

    Immerhin: Seit 2019 ist das Kompetenzzentrum Quantentechnologie bei der Physikalisch Technischen Bundesanstalt  (PTB) im Aufbau, das vor allem Mittelständler und Start-ups mit quantentechnologie-gestützten Messtechniken unterstützen soll. Die Fertigstellung ist aber erst für 2024 geplant, und auch nur, sofern die entsprechenden Haushaltsmittel dafür zur Verfügung stehen. 

    Kritisch sehen die Grünen auch den mangelnden Überblick der Regierung über die nötigen Professuren an Hochschulen und Forschungsinstituten, die die Quantentechnologie voranbringen sollen. Jedenfalls gibt es kein Ranking, das klarmacht, wer hier in welchen Teildisziplinen führend ist. 

    Damit Deutschland angesichts all dieser Defizite nicht völlig „den Anschluss verliert“, fordert Christmann nun Tempo und Offenheit: „Wir brauchen jetzt ein zügiges und transparentes Vorgehen mit dem Ziel eines starken deutschen und europäischen Quantennetzwerks.

    Die Ergebnisse der Expertengruppe müssen veröffentlicht, zeitnah geprüft und umgesetzt werden. Insbesondere bei der Förderung von Quantencomputern müssen wir schnell eine Schippe drauflegen, massiv die Nachwuchsförderung ausbauen und die Start-up-Förderung ausweiten. Wissenschaft und Wirtschaft sind bereit, jetzt muss die Bundesregierung endlich liefern.“

    Mehr: Gegen Kleinstaaterei ist sogar ein deutscher Quantencomputer machtlos.

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