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Frank Kracht Sassnitzer Bürgermeister gerät ins Visier von möglichen US-Sanktionen

Als Bürgermeister von Sassnitz ist Kracht Gesellschafter des Hafens von Mukran. Der spielt im Streit um die Pipeline Nord Stream 2 eine große Rolle.
23.06.2020 - 17:09 Uhr 1 Kommentar
Der Politiker der Linkspartei sieht sich bedroht. Quelle: imago
Frank Kracht

Der Politiker der Linkspartei sieht sich bedroht.

(Foto: imago)

Berlin Aus den Sätzen, die Frank Kracht durchs Telefon spricht, klingt keine Verängstigung heraus, auch keine Verärgerung. Seine Stimme vibriert nicht, sie bleibt beinahe monoton. Wenn sich überhaupt eine emotionale Regung bemerkbar macht, dann Fassungslosigkeit – nordisch-nüchtern temperiert.

Kracht, Lokalpolitiker von der Linkspartei, sieht sich bedroht. Und zwar auf eine Art, die man bisher in Deutschland für ausgeschlossen hielt: Er wähnt sich im Sanktionsvisier der Weltmacht USA. Nicht wegen irgendwelcher windiger Geschäfte. Sondern einfach, weil er ist, was er ist: Bürgermeister des Rügener Badeorts Sassnitz.

Kracht ist in eine geopolitische Konfrontation geraten, in die Auseinandersetzung zwischen Russland und den Vereinigten Staaten um die Ostseepipeline Nord Stream 2. Die USA wollen die Fertigstellung der Erdgasleitung verhindern und drohen damit, die bestehenden Sanktionen weiter zu verschärfen.

US-Präsident Donald Trump nutzte am Samstag seinen ersten Wahlkampfauftritt seit der Verhängung der Coronasperren, um gegen Nord Stream 2 zu wettern. „Wir sollen Deutschland vor Russland beschützen. Aber Deutschland zahlt Russland Milliarden Dollar für Energie, die aus einer Pipeline kommt, einer brandneuen Pipeline.“

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    Derweil bereitet der Kongress ein Sanktionsgesetz vor, das die bereits bestehenden Handelsstrafen erheblich ausweiten würde. Sollte es in Kraft treten, kann sich niemand, der direkt oder indirekt mit dem Projekt zu tun hat, mehr sicher fühlen.

    „Novum“ bei Sanktionsgesetzen

    Womit man wieder bei Frank Kracht wäre: Die beiden russischen Schiffe, die in den nächsten Monaten die letzten Röhren auf den Meeresgrund absenken und Nord Stream 2 vollenden sollen, liegen im Fährhafen von Mukran. Da dieser zu 90 Prozent der Stadt Sassnitz gehört und Kracht qua Amt Gesellschafter des Hafens ist, könnte er tatsächlich auf der Sanktionsliste landen.

    Die Bundesregierung spricht besorgt von einem „Novum“ in der Anwendung von Sanktionsgesetzen. „Mit dem vorgelegten Entwurf könnte auch verwaltungstechnisches Handeln von staatlichen Behörden im Zusammenhang mit der Fertigstellung oder dem Betrieb der Pipeline sanktionsrelevant werden“, schreibt sie in einer vertraulichen Lageeinschätzung. Erstmals könnten sich „Sanktionen auch gegen Behörden von (befreundeten) Regierungen oder gar gegen die Regierungen selbst richten“.

    Allerdings ist vieles noch unklar. Einige Experten halten es für unwahrscheinlich, dass die USA wirklich so weit gehen würden, deutsche Amtsträger zu sanktionieren. Sicher ist nur so viel: Der Kampf um Nord Stream 2 hat eine neue Eskalationsstufe erreicht.

    Kracht unterstützt die Pipeline – vor allem aus lokalen Gründen. Die Bauarbeiten hätten gut bezahlte Arbeitsplätze auf Rügen geschaffen. Für die Insel sei es wichtig, nicht allein vom Tourismus abhängig zu sein. Aber auch um Grundsätzliches geht es ihm: „Wir können uns nicht vorschreiben lassen, wer in unseren Häfen festmacht.“

    Krisengespräche wegen einer Fähre

    Eigentlich hat Kracht schon genug Sorgen. Die Feriensaison beginnt, aus ganz Deutschland werden Touristen anreisen. Entsprechend groß ist die Gefahr, dass es zu Infektionen mit dem Coronavirus kommt, das auf Rügen zwischenzeitlich schon so gut wie besiegt war.

    Und noch etwas beschäftigt den Bürgermeister: Die Fährverbindung zwischen Sassnitz und Schweden soll eingestellt werden, so hat es die Reederei Stena Line angekündigt. Kracht muss Krisengespräche führen.

    Den Konflikt um Nord Stream 2 kann der Bürgermeister nicht beeinflussen, nur passiv verfolgen. Einen besonderen Groll gegen die USA hegt Kracht nicht, auf antiamerikanische Tiraden verzichtet er – anders als viele seiner Genossen aus der Linkspartei. Kracht ist gern in den USA. Zuletzt war er im Sommer 2017 dort. Damals ging es darum, die Partnerschaft von Sassnitz und Port Washington, einer Kleinstadt im Bundesstaat Wisconsin, zu besiegeln.

    Diese Verbindungen auch künftig aufrechtzuerhalten wird schwer, das beschäftigt Kracht. „Es sollen nicht nur allgemeine Wirtschaftsstrafen, sondern auch persönliche Sanktionen ausgesprochen werden“, weiß er. „Das würde bedeuten, dass ich nicht mehr in die USA reisen könnte.“

    Mehr: Russischer Energieminister: „Die US-Sanktionen gegen Nord Stream 2 sind reiner Protektionismus“.

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    1 Kommentar zu "Frank Kracht: Sassnitzer Bürgermeister gerät ins Visier von möglichen US-Sanktionen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Herr Kracht sollte die Ohren steif halten, und wenn er durch die Sanktionen Schaden
      erleiden, sollten wir ihn entschaedigen. Ich glaube Nordstream 2 wuerde das auch
      tun ohne die Staatskasse zu belasten.

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