Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Frank-Walter Steinmeier Mit Herz und Verstand

Der SPD-Fraktionschef nimmt sich eine Auszeit, um seiner Frau eine Niere zu spenden. Vorher hat er noch Partei-Boss Gabriel die Stirn geboten. Trotz der Absatzbewegungen der SPD bei der Rente mit 67 und ungeachtet aller privaten Sorgen hält Steinmeier an seinen Grundüberzeugungen fest.
Kommentieren
Frank-Walter Steinmeier mit seiner Frau Elke Büdenbender. Der SPD-Fraktionschef will im Oktober auf die politische Bühne zurückkehren. Quelle: ap

Frank-Walter Steinmeier mit seiner Frau Elke Büdenbender. Der SPD-Fraktionschef will im Oktober auf die politische Bühne zurückkehren.

(Foto: ap)

BERLIN. Herbert Wehner, einer der schillerndsten Fraktionschefs in der Geschichte der SPD, pflegte in besonders hitzigen Debatten mit einer Frage die Gemüter zu beruhigen: „Stehen Menschenleben auf dem Spiel?“ Meist wurde es dann still.

So war es auch am Sonntagabend, als der amtierende Fraktionschef, Frank-Walter Steinmeier, der Parteispitze anvertraute, dass er sich fürs Erste aus der Politik zurückziehen werde. Seine Frau sei schwer krank. Er werde ihr eine Niere spenden. Die Debatte der vergangenen Wochen über die Rente mit 67 – all das spielte plötzlich keine Rolle mehr.

„Sie haben sicherlich Verständnis dafür, dass ich deshalb für einige Wochen nicht auf der politischen Ebene aktiv sein werde“, erklärte Steinmeier dann gestern Morgen auch offiziell in Berlin – eine halbe Stunde bevor das Präsidium der SPD zusammentrat, um den gefundenen Kompromiss zur Rente mit 67 abzunicken – einstimmig. In solchen Momenten spüre man, „wie unwichtig politische Streitereien sind“, sagte Parteichef Sigmar Gabriel im Anschluss.

Steinmeier ist krankgeschrieben. Ob er sein Gehalt weiter erhält, konnte gestern in der Fraktion niemand beantworten. In einem privaten Arbeitsverhältnis würde Steinmeier keine Entgeltfortzahlung zustehen. Das dürfte auch für sein Abgeordnetenmandat gelten, sagte Jobst Hubertus Bauer, Arbeitsrechtsexperte bei der Kanzlei Gleiss-Lutz. Aber jeder vernünftige Arbeitgeber werde hier eine großzügige Lösung finden. Allerdings zahlt die Krankenkasse bei freiwilligen Organspenden Krankengeld.

Doch all das bewegt Steinmeier derzeit am wenigsten. Er hat in dreifacher Hinsicht harte Monate hinter sich. Zunächst war da das Debakel bei der Bundestagswahl, das er als Spitzenkandidat vertreten und verdauen musste. Er griff zwar noch in der Wahlnacht nach dem Fraktionsvorsitz. Der Wechsel auf die Oppositionsbank fiel ihm als politischem Sacharbeiter aber schwer – vor allem, wenn der Mann der leisen Töne laut auftreten sollte. Hinzu kam die schwere Zeit im Privatleben. Seine Frau Elke Büdenbender leidet seit längerem an einer Nierenkrankheit, die nun eine Transplantation erforderlich macht. Etliche Untersuchungen hat der bekennende Organspender Steinmeier hinter sich gebracht, um selbst zu helfen. Die Ärzte gaben grünes Licht für eine Transplantation. Gestern noch ging Steinmeier ins Krankenhaus.

Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Frank-Walter Steinmeier - Mit Herz und Verstand

0 Kommentare zu "Frank-Walter Steinmeier: Mit Herz und Verstand"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.