Frauenquote DGB und Arbeitgeberpräsident fordern Nachbesserung

Der DGB fordert „dringend“ Korrekturen am geplanten Gesetz zu Frauenquote. Er befürchtet ein Schlupfloch für Vertreter der Aktionäre. Von Seiten der Arbeitgeber kam Kritik an einem angeblichen bürokratischen Mehraufwand.
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Ingo Kramer, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, fordert Nachbesserungen bei der Frauenquote. Auch der DGB wünscht sich eine neuerliche Prüfung. Quelle: dpa
Scharfe Kritik

Ingo Kramer, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, fordert Nachbesserungen bei der Frauenquote. Auch der DGB wünscht sich eine neuerliche Prüfung.

(Foto: dpa)

PassauVor den Beratungen im Bundestag über das Gesetz zur Frauenquote hat die deutsche Wirtschaft die Pläne kritisiert. Die Regelung müsse angesichts „zahlreicher zusätzlicher bürokratischer Belastungen“ noch einmal auf den Prüfstand, sagte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer der „Passauer Neuen Presse“ vom Freitag. Er nannte unter anderem zusätzliche Berichtspflichten und komplizierte Selbstverpflichtungen sowie aufwändige Nachwahlverfahren, wenn die Quote nicht erfüllt werde.

Die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Elke Hannack, forderte Nachbesserungen an dem Gesetz. Die Arbeitnehmer auf der einen und die Anteilseigner auf der anderen Seite müssten „getrennt betrachtet werden“, sagte sie der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vom Freitag.

Der Gesetzentwurf schreibt demnach als Regelfall nur eine Erfüllung der 30-Prozent-Quote in der Gesamtbetrachtung des Aufsichtsrats vor. Die Gewerkschaften befürchteten daher, dass die Vertreter der Aktionäre sich vor der Quote drücken könnten, weil die meisten Frauen in mitbestimmten Aufsichtsräten Arbeitnehmervertreterinnen seien, sagte Hannack. Von den gut hundert börsennotierten Gesellschaften, für die das neue Gesetz ab 2016 gelten soll, erfüllen dem DGB zufolge bereits jetzt 39 die Quotenvorgabe auf Arbeitnehmerseite, auf der Kapitalseite dagegen nur elf.

Die Dax-Aufsichtsräte mit der größten Vielfalt
900. Sitzung Bundesrat
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Der „Board Diversity Index“ (BDI) des Centrums für Strategie und höhere Führung hat die Diversität in den Aufsichtsratsgremien der Dax-30-Unternehmen unter die Lupe genommen. Die unter Leitung von Prof. Dr. Klaus Schweinsberg durchgeführte Studie kommt zu einem ernüchternden Fazit. Zwar geben sich einige Unternehmen, wie BMW Mühe, Frauen in den Aufsichtsräten zu integrieren. Allerdings verlangt richtige Diversität auch den Einbezug von Aufsichtsratsmitgliedern aus anderen fachlichen Bereichen als den volks- beziehungsweise betriebswirtschaftlichen. Ebenfalls eine Rolle spielt die Internationalität und die Altersstruktur des Aufsichtsgremiums.

Lufthansa Hauptversammlung
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Platz 15: Deutsche Lufthansa

An der Spitze des Aufsichtsrat des Lufthansa steht Wolfgang Mayrhuber. Seine Wahl hat für Kontroversen gesorgt. Denn Mayrhuber hat neben der Lufthansa fünf weitere Mandate in anderen Unternehmen. Das bekannteste weibliche Aufsichtsratsmitglieder bei der Lufthansa ist Dr. Nicola Leibinger-Kammüller, die außerdem den Vorstand bei Siemens beaufsichtigt.

GeschlechtNationalitätenAusbildungAltersklassen
acht Männer, zwei FrauenDeutschland (sechs Mal)Wirtschaftswissenschaften (fünf Mal)zwei
Österreich (ein Mal)Rechtswissenschaften (drei Mal)
Schweiz (1,5 Mal)Ingenieurswissenschaften (ein Mal)
Frankreich (0,5 Mal)Geisteswissenschaften (ein Mal)
USA (ein Mal)

Continental AG
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Platz 14: Continental

Bei Continental sind zwei Bereiche besonders schwach diversifiziert. Bezüglich der Geschlechterquote und der Nationenvielfalt hängt Continental hinterher. Stärker schlägt sich der Autozulieferer im Bereich der Häufung von Aufsichtsratsposten. Lediglich Prof. Dr. Klaus Mangold hat neben Continental noch ein weiteres Mandat bei Rotschild.

GeschlechtNationalitätenAusbildungAltersklassen
acht Männer, zwei FrauenDeutschland (8,5 Mal)Wirtschaftswissenschaften (vier Mal)vier
Österreich (1,5 Mal)Rechtswissenschaften (2,5 Mal)
Ingenieurswissenschaften (3,5 Mal)

Hauptversammlung Commerzbank
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Platz 13: Commerzbank

Vorsitzender des Aufsichtsrat der Commerzbank ist Klaus-Peter Müller (im Bild rechts neben Martin Blessing). Der 70-Jährige dürfte einen guten Durchblick bei Deutschlands zweitgrößter Bank haben. Seit 1966 arbeitet Müller für das Geldhaus. In Sachen Diversität gehört die Commerzbank allerdings nur zum Mittelfeld. Es mangelt an einer besseren Aufteilung der Posten zwischen Männern und Frauen und im Bereich der Ausbildung.

GeschlechtNationalitätenAusbildungAltersklassen
acht Männer, zwei FrauenDeutschland (acht Mal)Wirtschaftswissenschaften (7,5 Mal)vier
Österreich (ein Mal)Rechtswissenschaften (zwei Mal)
Großbritannien (ein Mal)Naturwissenschaften (0,5 Mal)

Beiersdorf Hauptversammlung
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Platz 12: Beiersdorf

Die gute Diversität im Bereich der Altersklassen kann nicht mangelnde Bandbreite in den Bereichen Nationalitäten, Ausbildung und der Geschlechterquote überdecken. Insgesamt kommt der Nivea-Hersteller nur auf einem Mittelrang.

GeschlechtNationalitätenAusbildungAltersklassen
vier Männer, zwei FrauenDeutschland (drei Mal)Wirtschaftswissenschaften (4,5 Mal)vier
Dänemark (ein Mal)Rechtswissenschaften (ein Mal)
Frankreich (zwei Mal)Ingenieurswissenschaften (0,5 Mal)

Munich Re Hauptversammlung
6 von 16

Platz 11: Münchener Rück

Bei der Münchener Rück ist vor allem die mangelnde Anwesenheit verschiedener Altersklassen im Aufsichtsrat problematisch. Ansonsten findet man dort eine gute Diversität vor. Allerdings hinterlassen zwei Aufsichtsratsmitglieder einen durchwachsenen Eindruck. Sie bewegen sich sehr nahe an der Grenze der Mandatsposten, weshalb fraglich ist, ob sie überhaupt in der Lage sind ihren Aufsichtspflichten nachzugehen. So muss Wolfgang Mayrhuber neben der Münchener Rück auch die Vorstandsentscheidungen bei BMW, Infineon, der Lufthansa, der Austrian Airlines und bei Heico Corporation beaufsichtigen. Prof. Dr. Henning Kagermann wiederum hat weitere Aufsichtsratsposten bei BMW, der Deutschen Bank, der Deutschen Post, Franz Haniel & Cie., Nokia und Wipro.

GeschlechtNationalitätenAusbildungAltersklassen
sieben Männer, drei FrauenDeutschland (6,5 Mal)Wirtschaftswissenschaften (3,5 Mal)zwei
Niederlande (ein Mal)Rechtswissenschaften (zwei Mal)
Österreich (zwei Mal)Ingenieurswissenschaften (ein Mal)
Österreich (0,5 Mal)Naturwissenschaften (3,5 Mal)

SAP
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Platz 10: SAP

Bei der Geschlechterquote gehört SAP zu den am schwächsten diversifizierten Unternehmen in Deutschland. Im neunköpfigen Aufsichtsrat sitzt lediglich eine Frau. Besser sieht es in den Kategorien Ausbildung und Altersklassen aus.

GeschlechtNationalitätenAusbildungAltersklassen
acht Männer, eine FrauDeutschland (sechs Mal)Wirtschaftswissenschaften (drei Mal)vier
Dänemark (ein Mal)Rechtswissenschaften (ein Mal)
Finnland (ein Mal)Ingenieurswissenschaften (vier Mal)
Frankreich (ein Mal)Naturwissenschaften (ein Mal)

Hannack wies zudem auf „komplexe und unterschiedliche Nominierungs- und Wahlverfahren“ für Aufsichtsräte hin. Diesen trage der Gesetzentwurf nicht genügend Rechnung. „Die Koalition muss hier dringend nachbessern“, sagte die DGB-Vizevorsitzende. Prinzipiell unterstützt der DGB die Initiative der Regierung zur Erhöhung des Frauenanteils in Führungsgremien.

Das Bundeskabinett hatte im Dezember den Gesetzentwurf zur Frauenquote verabschiedet. Dieser schreibt ab 2016 für die Aufsichtsräte von Großunternehmen eine Frauenquote von 30 Prozent vor. Sollte die Quote verfehlt werden, müssen Aufsichtsratsposten zur Strafe unbesetzt bleiben.

  • afp
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