Frauenquote Koalition will versehentliche Männerquote vermeiden

Kurz vor der Abstimmung über die geplante gesetzliche Frauenquote ab 2016 ändert die Koalition Details. Eine Passage könnte das Ziel eines höheren Frauenanteils ins Gegenteil verkehren - und den Männeranteil erhöhen.
Update: 03.03.2015 - 01:41 Uhr 2 Kommentare
Die Koalition hat ihren Gesetzesentwurf zur Frauenquote in Führungspositionen noch einmal überarbeitet. Quelle: dpa
Frauenquote

Die Koalition hat ihren Gesetzesentwurf zur Frauenquote in Führungspositionen noch einmal überarbeitet.

(Foto: dpa)

BerlinDie große Koalition hat den Gesetzentwurf für eine Frauenquote in Führungspositionen nach Kritik juristischer Gutachter geändert. CDU/CSU und SPD einigten sich am Montag darauf, das bisher angestrebte Ziel zu streichen, alle Führungsgremien im öffentlichen Dienst zu jeweils 50 Prozent mit Männern und Frauen zu besetzen, wie die stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Nadine Schön, mitteilte.

„Männerförderung soll es nur geben, wenn eine strukturelle Benachteiligung von Männern existiert“, sagte Schön. Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Carola Reimann erklärte: „Wir haben einige Paragrafen konkretisiert, das generelle Ziel der Parität bleibt aber.“

Das Gesetz aus dem Haus von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) sieht ab 2016 eine Frauenquote von mindestens 30 Prozent in den Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen mit voller Mitbestimmung der Betriebsräte vor. Der Bundestag stimmt an diesem Freitag über den Gesetzentwurf ab.

Die Dax-Aufsichtsräte mit der größten Vielfalt
900. Sitzung Bundesrat
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Der „Board Diversity Index“ (BDI) des Centrums für Strategie und höhere Führung hat die Diversität in den Aufsichtsratsgremien der Dax-30-Unternehmen unter die Lupe genommen. Die unter Leitung von Prof. Dr. Klaus Schweinsberg durchgeführte Studie kommt zu einem ernüchternden Fazit. Zwar geben sich einige Unternehmen, wie BMW Mühe, Frauen in den Aufsichtsräten zu integrieren. Allerdings verlangt richtige Diversität auch den Einbezug von Aufsichtsratsmitgliedern aus anderen fachlichen Bereichen als den volks- beziehungsweise betriebswirtschaftlichen. Ebenfalls eine Rolle spielt die Internationalität und die Altersstruktur des Aufsichtsgremiums.

Lufthansa Hauptversammlung
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Platz 15: Deutsche Lufthansa

An der Spitze des Aufsichtsrat des Lufthansa steht Wolfgang Mayrhuber. Seine Wahl hat für Kontroversen gesorgt. Denn Mayrhuber hat neben der Lufthansa fünf weitere Mandate in anderen Unternehmen. Das bekannteste weibliche Aufsichtsratsmitglieder bei der Lufthansa ist Dr. Nicola Leibinger-Kammüller, die außerdem den Vorstand bei Siemens beaufsichtigt.

GeschlechtNationalitätenAusbildungAltersklassen
acht Männer, zwei FrauenDeutschland (sechs Mal)Wirtschaftswissenschaften (fünf Mal)zwei
Österreich (ein Mal)Rechtswissenschaften (drei Mal)
Schweiz (1,5 Mal)Ingenieurswissenschaften (ein Mal)
Frankreich (0,5 Mal)Geisteswissenschaften (ein Mal)
USA (ein Mal)

Continental AG
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Platz 14: Continental

Bei Continental sind zwei Bereiche besonders schwach diversifiziert. Bezüglich der Geschlechterquote und der Nationenvielfalt hängt Continental hinterher. Stärker schlägt sich der Autozulieferer im Bereich der Häufung von Aufsichtsratsposten. Lediglich Prof. Dr. Klaus Mangold hat neben Continental noch ein weiteres Mandat bei Rotschild.

GeschlechtNationalitätenAusbildungAltersklassen
acht Männer, zwei FrauenDeutschland (8,5 Mal)Wirtschaftswissenschaften (vier Mal)vier
Österreich (1,5 Mal)Rechtswissenschaften (2,5 Mal)
Ingenieurswissenschaften (3,5 Mal)

Hauptversammlung Commerzbank
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Platz 13: Commerzbank

Vorsitzender des Aufsichtsrat der Commerzbank ist Klaus-Peter Müller (im Bild rechts neben Martin Blessing). Der 70-Jährige dürfte einen guten Durchblick bei Deutschlands zweitgrößter Bank haben. Seit 1966 arbeitet Müller für das Geldhaus. In Sachen Diversität gehört die Commerzbank allerdings nur zum Mittelfeld. Es mangelt an einer besseren Aufteilung der Posten zwischen Männern und Frauen und im Bereich der Ausbildung.

GeschlechtNationalitätenAusbildungAltersklassen
acht Männer, zwei FrauenDeutschland (acht Mal)Wirtschaftswissenschaften (7,5 Mal)vier
Österreich (ein Mal)Rechtswissenschaften (zwei Mal)
Großbritannien (ein Mal)Naturwissenschaften (0,5 Mal)

Beiersdorf Hauptversammlung
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Platz 12: Beiersdorf

Die gute Diversität im Bereich der Altersklassen kann nicht mangelnde Bandbreite in den Bereichen Nationalitäten, Ausbildung und der Geschlechterquote überdecken. Insgesamt kommt der Nivea-Hersteller nur auf einem Mittelrang.

GeschlechtNationalitätenAusbildungAltersklassen
vier Männer, zwei FrauenDeutschland (drei Mal)Wirtschaftswissenschaften (4,5 Mal)vier
Dänemark (ein Mal)Rechtswissenschaften (ein Mal)
Frankreich (zwei Mal)Ingenieurswissenschaften (0,5 Mal)

Munich Re Hauptversammlung
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Platz 11: Münchener Rück

Bei der Münchener Rück ist vor allem die mangelnde Anwesenheit verschiedener Altersklassen im Aufsichtsrat problematisch. Ansonsten findet man dort eine gute Diversität vor. Allerdings hinterlassen zwei Aufsichtsratsmitglieder einen durchwachsenen Eindruck. Sie bewegen sich sehr nahe an der Grenze der Mandatsposten, weshalb fraglich ist, ob sie überhaupt in der Lage sind ihren Aufsichtspflichten nachzugehen. So muss Wolfgang Mayrhuber neben der Münchener Rück auch die Vorstandsentscheidungen bei BMW, Infineon, der Lufthansa, der Austrian Airlines und bei Heico Corporation beaufsichtigen. Prof. Dr. Henning Kagermann wiederum hat weitere Aufsichtsratsposten bei BMW, der Deutschen Bank, der Deutschen Post, Franz Haniel & Cie., Nokia und Wipro.

GeschlechtNationalitätenAusbildungAltersklassen
sieben Männer, drei FrauenDeutschland (6,5 Mal)Wirtschaftswissenschaften (3,5 Mal)zwei
Niederlande (ein Mal)Rechtswissenschaften (zwei Mal)
Österreich (zwei Mal)Ingenieurswissenschaften (ein Mal)
Österreich (0,5 Mal)Naturwissenschaften (3,5 Mal)

SAP
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Platz 10: SAP

Bei der Geschlechterquote gehört SAP zu den am schwächsten diversifizierten Unternehmen in Deutschland. Im neunköpfigen Aufsichtsrat sitzt lediglich eine Frau. Besser sieht es in den Kategorien Ausbildung und Altersklassen aus.

GeschlechtNationalitätenAusbildungAltersklassen
acht Männer, eine FrauDeutschland (sechs Mal)Wirtschaftswissenschaften (drei Mal)vier
Dänemark (ein Mal)Rechtswissenschaften (ein Mal)
Finnland (ein Mal)Ingenieurswissenschaften (vier Mal)
Frankreich (ein Mal)Naturwissenschaften (ein Mal)

Etwas kleinere Unternehmen müssen nun nach Angaben des Familienministeriums bis zum 30. September ihre „Zielvorgabe“ für die Erhöhung des Frauenanteils in ihrer Chefetage vorlegen. 21 Monate später müssen sie dann erstmalig berichten, ob sie dieses Ziel erreicht haben.

„Der SPD war es wichtig, dass dies noch in dieser Legislaturperiode geschieht“, betonte Reimann. Sie sei überzeugt, dass durch dieses Gesetz, das die Union so lange bekämpft habe, nun doch ein „Kulturwandel in den Unternehmen stattfinden wird“.

Torsten von Roetteken, Vorsitzender Richter am Verwaltungsgericht Frankfurt, hatte bei einer öffentlichen Anhörung im Rechtsausschuss des Bundestages am vergangenen Montag Kritik an dem Vorhaben geäußert. Er bezeichnete das Ziel der paritätischen Besetzung in den Führungsgremien des öffentlichen Dienstes als „offensichtlich verfassungswidrig“ und mit EU-Recht unvereinbar.

Zu den „Stellschrauben“, an denen die Abgeordneten jetzt noch einmal gedreht haben, gehört auch eine Bestimmung, wonach Arbeitnehmer und Arbeitgeber jeweils per Mehrheitsentscheid verhindern können, dass der Frauenanteil beider Seiten im Aufsichtsrat zusammengerechnet wird.

  • dpa
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2 Kommentare zu "Frauenquote: Koalition will versehentliche Männerquote vermeiden"

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  • Die Planwirtschaft kommt immer näher

  • Quotenrepublik Deutschland. Der Abscheid von der Leistungsgesellschaft und bald werden wir die Auswirkungen spüren.
    Frauen dürften nur in Führungspositionen kommen, wenn sie zuvor mindestens zweifache Mutter sind.

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