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Freizeitwasserstraßen Verbände sehen Wassertourismus in Deutschland wegen maroder Infrastruktur bedroht

Die Tourismuswirtschaft schlägt Alarm. Legt der Bund jetzt kein Investitionsprogramm für Wasserstraßen auf, veröden deutschlandweit Erholungsregionen.
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Tourismus auf und um Nebenwasserstraßen wird für viele Regionen immer wichtiger. Quelle: dpa
Spreewald

Tourismus auf und um Nebenwasserstraßen wird für viele Regionen immer wichtiger.

(Foto: dpa)

Berlin Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), der ADAC, der Deutsche Tourismusverband (DTV) sowie sechs weitere Verbände üben scharfe Kritik am Wassertourismuskonzept von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU).

Ohne massive Investitionen in die Infrastruktur an Kanälen und Wasserstraßen drohten kurzfristig „Schließungen von Gewässern für Freizeit, Erholung und Tourismus“, heißt es in einem Schreiben der Verbände an alle Bundestagsabgeordneten, das dem Handelsblatt vorliegt. „Um den drohenden Infrastrukturkollaps zu vermeiden und Deutschland auch künftig als wassertouristische Destination erfolgreich zu positionieren, muss jetzt gehandelt werden.“

In dem Brief beklagen die Unterzeichner, darunter die DOSB-Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker, ADAC-Vizepräsident Kurt Heinen und DTV-Präsident Reinhard Meyer, das nicht, wie im Wassertourismuskonzept des Bundesverkehrsministeriums versprochen, in den Bundeshaushalt 2019 Mittel für „Projekte zum Erhalt der vorwiegend touristisch genutzten Nebenwasserstraßen“ eingestellt worden seien.

Kurzfristig sei daher ein „Sonderinvestitionsprogramm“ für die „dringlichsten“ Investitionsmaßnahmen an Schleusen, Wehren und Wasserstraßen nötig.

„Ein solches Programm muss als Akutmaßnahme drohende Schließungen von Gewässern für Freizeit, Erholung und Tourismus kurz- und mittelfristig verhindern“, heißt es in dem Schreiben. Darüber hinaus müsse bis spätestens mit dem Bundeshaushalt 2020 sichergestellt werden, dass es „zu einer auskömmlichen Finanzierung der Nebenwasserstraßen über einen eigenen Haushaltstitel kommt“.

Ihre Forderungen begründen die Verbände mit der wirtschaftlichen Bedeutung des Freizeitwasserstraßennetzes. „Ganze Regionen profitieren von dieser Wachstumsbranche, die laut einer Studie im Jahr 2016 allein an den Binnenwasserstraßen jährlich rund 4,2 Milliarden Euro Umsatz generiert und 66.000 Menschen den Lebensunterhalt sichert“, heißt es in dem Brief.

Viele davon befänden sich in strukturschwachen oder ländlichen Gebieten, in denen alternative Beschäftigungsmöglichkeiten fehlten. „Damit haben die Nebenwasserstraßen das Potenzial, sich als Impulsgeber regionaler wirtschaftlicher Entwicklung zu etablieren.“

Doch die Infrastruktur auf den Freizeitwasserstraßen verschleiße seit Jahren. „So sind bei einem Altersmittelwert der Wehre von 75 Jahren und bei den Schleusen von 105 Jahren Schleusenschließungen schon heute bittere Realität – mit erheblichen wirtschaftlichen Folgen für ganze Wasserreviere“, geben die Verbände zu bedenken.

Seit der Vorlage des Wassertourismuskonzepts im Mai 2016 sei der Investitionsstau an den Nebenwasserstraßen noch größer geworden, konstatieren die Unterzeichner des Schreibens. Und die Mittel reichten nicht aus, um dem Substanzverlust „wirkungsvoll“ zu begegnen.

Die Wasserwege sind ein wichtiger Teil des deutschen Verkehrsnetzes. Allein die Bundeswasserstraßen ziehen sich auf mehr als 7.300 Kilometern durch die Republik - drei Viertel der Strecken sind Flüsse und ein Viertel Kanäle.

Laut der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes dienen die Bundeswasserstraßen in steigendem Maße der Erholung der Bevölkerung an und auf dem Wasser. Das betrifft etwa den Wassersport mit Segel- und Motorbooten, den Kanusport, das Rudern, Surfen und sowie Wasserskilaufen und auch das Angeln, Wandern und Radwandern.

Die Behörde schätzt die Zahl von Sport- und Freizeitbooten auf eine dreiviertel Million. An besonders attraktiven Wasserstraßen habe sich ein intensiver Fremdenverkehr für Kurz- und Langzeiturlauber entwickelt. Die Fahrgastschifffahrt habe hieran einen großen Anteil. „Die Zahl von mehr als 800 Fahrgastschiffen mit rund 200.000 Plätzen belegt den hohen Stellenwert dieses Schifffahrtszweiges und des dazugehörigen Fremdenverkehrs“, schreibt die Behörde auf ihrer Webseite.

Per Binnenschiff werden auf den Bundeswasserstraßen vor allem Massengüter wie Erze, Steine und Erden, aber etwa auch Kohle und Chemieprodukte transportiert. Die verkehrsreichste Wasserstraße ist der Rhein, den viele Containerschiffe nutzen. Volkswirtschaftlich dienen die Wasserwege daneben auch anderen Zwecken - zum Beispiel der Wasserversorgung von Kraftwerken, Industrieanlagen und der Landwirtschaft sowie zur Stromerzeugung und zur Fischerei.

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