Früherer DDR-Devisenhändler Alexander Schalck-Golodkowski ist tot

Er blieb vielen als der in Erinnerung, der 1983 den Milliardenkredit für die DDR aushandelte – in harter D-Mark. Die Geldspritze bewahrte den Honecker-Staat vor dem Ruin. Nun ist Alexander Schalck-Golodkowski gestorben.
Update: 22.06.2015 - 10:56 Uhr 7 Kommentare
Der ehemalige DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski erlag dem Krebs. Quelle: dpa
Alexander Schalck-Golodkowski

Der ehemalige DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski erlag dem Krebs.

(Foto: dpa)

Berlin/Rottach-EgernDer frühere DDR-Devisenhändler und SED-Wirtschaftsfunktionär Alexander Schalck-Golodkowski ist tot. Er starb nach langer schwerer Krankheit am Sonntagabend in München, wie sein Verlag Edition Ost am Montag in Berlin auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Auch die Witwe bestätigte den Tod des 82-Jährigen. In wenigen Tagen - am 3. Juli - hätte er seinen 83. Geburtstag gefeiert. Zuerst hatte die „Bild“-Zeitung über seinen Tod berichtet.

Menschen, Mauern und Militärbewachung
File photo of the view of the border fence between Tijuana, Mexico and San Diego, California
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Grenzfestung am Tortilla-Vorhang: Auf gut 3000 Kilometern prallen die Gegensätze zwischen der Supermacht USA und dem Schwellenland Mexiko aufeinander. Die im Volksmund „Tortilla Curtain“ (Tortilla-Vorhang) genannte Grenze ist mit mehr als einer Million Überquerungen täglich die verkehrsreichste der Welt - und für die Vereinigten Staaten ein Krisengebiet direkt vor der Haustür.

REGULATION OF BORDER REMAINS KEY TO IMMIGRATION REFORM
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Mexikanische Drogenkartelle kämpfen brutal um die besten Schmuggelrouten, jedes Jahr versuchen hunderttausende Menschen illegal nach Nordamerika zu gelangen. Zwischen 2006 und 2010 errichteten die USA einen mehr als 1000 Kilometer langen Sperrzaun, der teils mit Kameras, Flutlicht und Bewegungsmeldern ausgestattet ist.

Mideast Israel Palestinians
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Sperranlage trennt Israelis und Palästinenser: Im Jahr 2002 begann Israel mit dem Bau einer Sperranlage, um sich von den Palästinensergebieten im Westjordanland abzugrenzen - zum Schutz vor Anschlägen, lautet die offizielle Erklärung. Die Palästinenser werfen Israel dagegen vor, mit der Anlage einen Teil ihrer Gebiete faktisch zu annektieren und die Ansiedlung jüdischer Familien im Westjordanland voranzutreiben.

huGO-BildID: 22033622 Israeli soldiers stand
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Die Anlage aus Betonstelen und Wachtürmen soll sich eines Tages rund 730 Kilometer lang durch das Heilige Land ziehen. Bisher sind gut 400 Kilometer gebaut. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag erklärte den Zaun im Juli 2004 für illegal und verlangte den Abriss, ebenso wie später die UN-Vollversammlung. Israel weist die Forderungen zurück.

Zypern stimmt über seine Zukunft ab
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Geteilte Hauptstadt auf Zypern: Quer durch Zyperns Hauptstadt Nikosia verläuft die sogenannte Grüne Linie, die von der UNO überwachte Pufferzone zwischen dem griechisch und dem türkisch dominierten Inselteil.

Zypern - Die Mauer von NikosiaZypern Mauer
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Zypern ist seit einem Staatstreich griechisch-zyprischer Nationalisten und einer anschließenden türkischen Militärintervention 1974 de facto geteilt. Im April 2008 wurde in der Hauptstadt zwar der bekannte Grenzübergang an der Einkaufsmeile Ledra-Straße geöffnet, Nikosia bleibt aber vorerst weiter die letzte geteilte Hauptstadt der Welt.

Nordkorea will Landesgrenze zu Südkorea schließen
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Kalter Krieg am 28. Breitengrad: Zwischen Nordkorea und Südkorea verläuft die letzte Frontlinie des Kalten Krieges. Rund zwei Millionen Soldaten stehen sich auf den beiden Seiten der vier Kilometer breiten entmilitarisierten Zone mit Zäunen und Sperranlagen gegenüber.

Schalck-Golodkowski hatte 1983 mit dem damaligen CSU-Chef Franz Josef Strauß einen Milliardenkredit für die DDR ausgehandelt. Das Geschäft in D-Mark bewahrte das sozialistische Land seinerzeit vor dem Staatsbankrott. Der gelernte Feinmechaniker war im Rang eines Staatssekretärs Chef der mächtigen „Kommerziellen Koordinierung“ (KoKo) in der DDR. Er beschaffte für das Regime von Staatschef Erich Honecker über Jahrzehnte Milliardensummen an Devisen.

In der Nacht zum 3. Dezember 1989 suchte Schalck-Golodkowski in West-Berlin Schutz vor dem zerfallenden Unrechtssystem der DDR. Nach der Wende stellte er sich der bundesdeutschen Justiz und kam für einige Wochen in Untersuchungshaft. Dem Bundesnachrichtendienst gab er sein umfangreiches Wissen über das Geschäftsgebaren der KoKo preis.

Mitte der 1990er Jahre erhielt Schalck-Golodkowski wegen illegaler Waffengeschäfte und Embargovergehens Bewährungsstrafen. Doch dank seiner jahrzehntelangen guten deutsch-deutschen Kontakte und mit Hilfe alter Freunde brachte er es auch im vereinigten Deutschland rasch wieder zu einigem Wohlstand.

Schalck-Golodkowski lebte zuletzt seit über 20 Jahren zurückgezogen mit seiner zweiten Ehefrau Sigrid in Rottach-Egern am oberbayerischen Tegernsee. Interviews verweigerte er sich seit langem beharrlich. Mit der DDR hatte er nach Aussage von Freunden längst abgeschlossen.

Der groß gewachsene Mann - seine Mitarbeiter zu DDR-Zeiten nannten ihn „dicker Alex“ - kämpfte seit Jahren gegen gesundheitliche Probleme. Einheimische sahen ihn gelegentlich auf einen Gehstock gestützt beim Spaziergang durch den Kurort.

Die letzte öffentliche Äußerung von Schalck-Golodkowski stammt aus einer Talkshow im Jahr 2000. Damals sagte er über seine Tätigkeit für die DDR: „Ick hab' nich beschafft, ick hab' erarbeitet.“ Und fügte im berlinerischen Dialekt hinzu: „Ick hab' für die DDR gekämpft, und wir haben am Ende verloren.“

  • afp
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7 Kommentare zu "Früherer DDR-Devisenhändler : Alexander Schalck-Golodkowski ist tot"

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  • Herr Meisenkaiser
    stimmt und die übrigen sind heute alle in unseren Parteien

  • Im Gegenteil: Die ganz Großen - wie eben Schalck - wurden von ihren bayrischen Freunden vor dem Zugriff der Justitz geschützt!

  • Richtig, und dieser Helfer des Kerkermeisters bekam sofort nach der Wende von seinen Freunden in Bayern am Tegernsee ein schönes Haus und Schutz vor ernsthafter Verfolgung.
    Man hat halt mit Hilfe dieses Oberverbrechers der DDR sehr gut Geld verdient am Osten. Die Geschäfte liefen gut.

    Viele werden heute aufatmen, dass dieser Verbrecher viele geheimnisse mit ins Grab genommen hat.

  • Hoenecker war bis zum seinem Sturz der Dienstälteste Kerkermeister Europas. Und Schlack Golodkowsky war sein erster Assistent. Jetzt sind wir auch von diesem Übel befreit.

  • Fazit: In Rumänien (mit Ceaușescu) hat man es damals richtig gemacht, in Deutschland nicht!

  • Dem Allmächtigen sei Dank für die Erlösung von diesem Übel.

  • DAS war der eigentliche Verbrecher - schlimmer als die Staasi. Er hat dies alles finanziert.

    Und wurde nach der Wende von seinen Freunden sofort nach Bayern an den Tegernsee gebracht.
    Und durfte dort einen schönen Lebensabend verbringen.

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