Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Führungskräftebefragung China treibt deutsche Wirtschaft bei Afrika-Engagement vor sich her – Unternehmen denken um

Deutsche Unternehmen investieren zunehmend auf dem afrikanischen Kontinent. Politische Instabilität bleibt allerdings weiterhin ein Hemmnis.
1 Kommentar
Laut Studie wird großes Potenzial in Ländern gesehen, die in den vergangenen Jahren bereits einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt haben – wie Südafrika. Quelle: dpa
Kapstadt

Laut Studie wird großes Potenzial in Ländern gesehen, die in den vergangenen Jahren bereits einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt haben – wie Südafrika.

(Foto: dpa)

Berlin Afrika rückt in den Fokus der deutschen Wirtschaft. Bisher war das Engagement von Unternehmen in der Region zwar zurückhaltend. Mit rund neun Milliarden Euro wird nur etwa ein Prozent der deutschen Direktinvestitionen im Ausland auf dem afrikanischen Kontinent getätigt – ein Bruchteil des Investitionsvolumens chinesischer Unternehmen. Doch das könnte sich ändern.

So halten es Unternehmen unter anderem aufgrund der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Europas für ratsam, Afrika verstärkt in den Fokus zu nehmen. „Das intensive chinesische Engagement in Afrika beeindruckt und stimmt viele zugleich besorgt“, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Führungskräftebefragung der Global Perspectives Initiative (GPI), durchgeführt vom Institut für Demoskopie Allensbach. „Der Eindruck dominiert, dass Europa und auch die USA diesem Engagement bisher zu wenig entgegensetzen“, zeigt die Studie.

Die GPI unterstützt die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, die die Welt bis 2030 sicherer und gerechter machen sollen. Befragt wurden für die Studie mehr als 500 Führungskräfte vor allem aus der Wirtschaft, aber auch aus Politik und Verwaltung.

Die befragten Unternehmen, die bereits heute auf dem afrikanischen Kontinent aktiv sind, sind zudem davon überzeugt, dass Afrika noch aus einem weiteren Grund stärker in den Fokus rücken sollte.

So werde Europa mit einer enormen Zuwanderung konfrontiert sein, wenn es nicht gelingt, in Afrika große, wirtschaftlich nachhaltige sowie gesunde Wachstumsregionen zu schaffen – was allerdings auch politische Stabilität der Länder voraussetzt. „Tatsächlich betrachten deutsche Unternehmen Afrika nicht mehr als Kontinent mit erheblichen Investitionsrisiken, sondern als potenziellen Zukunftsmarkt“, heißt es in der Studie.

Keine Pauschalisierungen

Die in Afrika aktiven Unternehmen betonen, dass sich die Situationen, Entwicklungen und Chancen in Afrika nicht pauschal bewerten lassen. Es gibt stabile Länder mit einer dynamischen wirtschaftlichen Entwicklung und Länder, die sich sowohl ökonomisch als auch politisch in einer schwierigeren Situation befinden.

Vor Verallgemeinerungen wird gewarnt. Großes Potenzial wird in Ländern gesehen, die in den vergangenen Jahren bereits einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt haben: Ghana, Äthiopien und Senegal, sowie in etablierten Volkswirtschaften wie Südafrika und Nigeria.

Die Befragung zeigt, dass Unternehmen skeptischer als Politiker sind und bislang noch überwiegend Risiken sehen. Gleichzeitig sehen aber auch die Unternehmen mehrheitlich erhebliche ökonomische Chancen. Große Potenziale werden in der Bauwirtschaft gesehen, in der landwirtschaftlichen Produktion, im Energiesektor und der medizinischen Versorgung.

Die Skepsis der in Afrika engagierten Unternehmen relativiert sich deutlich, sobald es um die eigene Branche geht. Diese Unternehmen bewerten die Investitionschancen für ihre Branche durchweg optimistischer als die Wirtschaft insgesamt, zeigt die Studie.

Die Mehrheit der in Afrika bereits engagierten Unternehmen sehen mehr Chancen als Risiken. Deutsche Rezepte für den Markterfolg greifen jedoch nicht automatisch auch in Afrika, heißt es. Vor allem die niedrigere Einkommenssituation müsse zu veränderten Businessmodellen führen. „Große Chancen lägen in digitalen Lösungen. Durch sie kann Afrika Nutzen schaffen und teure, manchmal aufwendige herkömmliche Lösungen 'überspringen'“, wird Uwe Raschke, Mitglied der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, zitiert.

Hauptrisiken für Investitionen

Aus Sicht der Mehrheit sind die größten Risiken und damit auch Hemmnisse für Investitionen in Afrika die politische Instabilität in einem Teil afrikanischer Staaten, Korruption und auch Rechtsunsicherheit. Die Probleme wurden vor allem im staatlichen Bereich ausgemacht, weniger in der Privatwirtschaft.

Was Unternehmen oft zu schaffen macht, sind langwierige, bürokratische Verfahren. Gerichtsprozesse gelten als ein Risiko, das es möglichst zu meiden gilt. Den Mängeln in der Infrastruktur oder dem Fachkräftemangel wird nur geringe Bedeutung zugeschrieben.

Das bisherige staatliche Engagement Deutschlands wird von vielen Führungskräften in der Wirtschaft als wichtig, aber nicht ausreichend bewertet, vor allem weil es zu eng auf bestimmte Länder oder Branchen fokussiert oder insgesamt zu klein dimensioniert sei.

„Auf Seiten der Bundesregierung ist dringend geboten, dass die derzeit neun verschiedenen Initiativen zur Wirtschaftsförderung in Afrika, an denen auch noch fünf Ministerien beteiligt sind, zusammengefügt werden“, fordert die Präsidentin der Deutschen Afrika Stiftung, Uschi Eid. Damit könnten ineffiziente Kooperationen und Doppelstrukturen auf deutscher Seite vermieden, aber auch auf afrikanischer Seite die Verwirrung verkleinert werden.

Den bisherigen Maßnahmen wird überwiegend nur begrenzte Wirkung zugeschrieben. Interviews mit Unternehmen zeigen, dass sich die Unternehmen einem starken Wettbewerb ausgesetzt sehen. Sie halten es mit Blick auf die Entwicklung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Europas für wichtig, Afrika verstärkt in den Blick zu nehmen.

Sie zweifeln zwar den nachhaltigen Nutzen des umfangreichen chinesischen Engagements in Afrika an, glauben aber auch, dass es für Europa schwierig sein wird, dem etwas entgegenzusetzen. Vermisst wird eine nachhaltige Afrika-Strategie, „die im Eigeninteresse Deutschlands und des europäischen Kontinents liegt“.

Mehr: Der Entwicklungsminister ermutigt Mittelständler, Marktchancen in Afrika zu nutzen. Im Interview spricht der Entwicklungsminister über empfehlenswerte Investitionen und Branchen.

Startseite

Mehr zu: Führungskräftebefragung - China treibt deutsche Wirtschaft bei Afrika-Engagement vor sich her – Unternehmen denken um

1 Kommentar zu "Führungskräftebefragung: China treibt deutsche Wirtschaft bei Afrika-Engagement vor sich her – Unternehmen denken um"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Unternehmer sind skeptischer als Politiker" - warum wohl? Wenn ein Unternehmer seine
    Firma in den Sand setzt, verliert er seine Existenz und kommt moeglicherweise noch vor
    Gericht und schlimmstenfalls ins Gefaengnis. Wenn ein Politiker Milliarden verschleudert,
    hat das ueberhaupt keine Konsequenzen. Rechtssicherheit ist in Afrika selten und Investoren werden oft als Kolonialisten verschrien und evtl enteignet. In Suedafrika werden
    sie oft auch ermordet. Unsere Politiker muessen darauf hin arbeit, dass die Organisation der
    Afrikanischen Staaten und die Afrikanische Entwicklungsbank Garantien fuer Rechtssicherheit erstellt. Garantien des einzelnen Staats bieten nur wenig Sicherheit, weil
    beim naechsten Regierungswechsel alles wieder infrage gestellt wird.

Serviceangebote