Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Jens Spahn, Friedrich Merz, Armin Laschet, Markus Söder (v.li.)

Vier mögliche Kanzlerkandidaten der Union.

(Foto: Jens Schicke, Dominik Butzmann, Thomas Dashuber, Dominik Asbach/)

Führungskrise In Union geht Angst vor Hängepartie um – Mögliche Kanzlerkandidaten führen bereits Gespräche

Die Kritik am Zeitplan der scheidenden CDU-Chefin wächst, eine zügige Personalentscheidung soll her. Ist die K-Frage gelöst, stellt sich aber ein anderes Problem.
11.02.2020 - 18:43 Uhr 1 Kommentar

Berlin Nach der Rücktrittsankündigung von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer wächst der Druck in der Union, die offene Führungsfrage möglichst schnell zu klären. Es bestehe „die Gefahr, dass wir uns jetzt elendiglich lange mit Personaldebatte beschäftigen“, sagte Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU).

Vor allem die CSU verlangt von ihrer Schwesterpartei schnell Klarheit. Es dürfe kein zu langes Verfahren geben, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder nach Teilnehmerangaben in einer CSU-Fraktionssitzung im Landtag in München.

Kramp-Karrenbauer hatte am Montag überraschend ihren Verzicht auf eine Kanzlerkandidatur erklärt. Auch den CDU-Vorsitz will sie abgeben, sobald ein Kanzlerkandidat gefunden ist. Wann das so weit sein könnte, ließ sie offen.

Ihr bisheriger Zeitplan sah vor, dass sich CDU und CSU im Sommer auf einen Kandidaten verständigen. Anfang Dezember sollte dieser auf dem CDU-Parteitag dann offiziell gewählt werden.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Im Präsidium hatte Kramp-Karrenbauer den Eindruck erweckt, sie wolle am bisherigen Zeitplan festhalten – sodass zunächst viele davon ausgingen, der bisherige gelte weiter. Im Präsidium sei die CDU-Chefin gebeten worden, keinen Zeitraum zu nennen, um sich nicht unter Druck zu setzen, hieß es in Parteikreisen.

    Nun kommt der Druck allerdings von innen: Viele in der CDU-Spitze wollen eine lange Hängepartie unbedingt vermeiden. „Ich glaube nicht, dass wir so lange warten, sondern wir werden das schneller entscheiden“, sagte etwa der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier.

    Als abschreckendes Beispiel wird in der Union auf die SPD verwiesen, die sich fast das gesamte vergangene Jahr mit der Suche nach einer neuen Parteispitze, also mit sich selbst beschäftigte. Das dürfe der CDU nicht passieren. Noch vor der Sommerpause, also spätestens im Juni, müsse eine Entscheidung fallen, hieß es in Parteikreisen.

    Krisenhafte Situationen bewältigt man nicht durch das Zelebrieren der Krise, sondern durch Handeln. Alexander Dobrindt, CSU

    CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt mahnte eine deutlich frühere Entscheidung an. „Parteien müssen geführt werden. Deswegen ist der Zeitplan, der da gestern in den Raum gestellt wurde, aus meiner Sicht kein Zeitplan, der eine Chance auf Umsetzung hat“, sagte Dobrindt.

    Krisenhafte Situationen bewältige man nicht „durch das Zelebrieren einer Krise, sondern nur durch Handeln“, fügte er hinzu und sprach sich dafür aus, dass die Entscheidung über den neuen CDU-Parteichef in der Parteiführung bereits in den kommenden Wochen gefällt wird. In Bayern stehen Mitte März wichtige Kommunalwahlen an. Die CSU-Spitze will nicht durch Personaldiskussionen aus Berlin belastet werden.

    Kramp-Karrenbauer und Söder würden nun schnell über das weitere Vorgehen beraten, so die Erwartung von Spitzenpolitikern der Union. Möglicherweise könnten sich die beiden bereits am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz in dieser Woche treffen, hieß es. Sie sollen das weitere Prozedere beraten. Der CSU-Chef hat wiederholt eine eigene Kanzlerkandidatur ausgeschlossen und betont, dass sein Platz in Bayern sei.

    Merz macht sich Feinde

    Parallel soll es auch bereits Gespräche zwischen den potenziellen CDU-Kanzlerkandidaten geben, Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet, Gesundheitsminister Jens Spahn und dem früheren Unionsfraktionschef Friedrich Merz. Die drei Politiker seien bereits in Kontakt, hieß es aus der CDU.

    Dass alle drei Ambitionen haben, ist bekannt. Seit der Rücktrittsankündigung von Kramp-Karrenbauer halten sich Laschet, Spahn und Merz aber öffentlich bedeckt. Die Hoffnung in der Union ist, dass sich die drei einigen, wer als Kanzlerkandidat antreten und damit auch CDU-Chef werden soll.

    Nach dem Rücktritt von Kanzlerin Angela Merkel als CDU-Chefin hatten sich Kramp-Karrenbauer, Spahn und Merz beworben. Nach mehreren Regionalkonferenzen mit der Parteibasis wählte der Parteitag Ende 2018 dann knapp Kramp-Karrenbauer zur neuen CDU-Chefin. Doch richtig zur Ruhe kam die Partei nicht.

    Die Führungsfrage blieb offen, da die Kanzlerkandidatur nicht geklärt war. Zwar machte Kramp-Karrenbauer deutlich, dass sie als Parteichefin für sich ein Zugriffsrecht reklamiert, konnte den Anspruch aber nie richtig durchsetzen. Auch Merz deutete immer mal wieder Ambitionen an.

    Wer wird Kanzlerkandidat der Union?

    Das nehmen Merz in der CDU-Spitze bis heute viele übel. So gibt es in der CDU-Führung den Wunsch, ihn als Kanzlerkandidaten zu verhindern. Hier setzt man auf Laschet. Für CSU-Chef Söder wäre Laschet ein akzeptabler gemeinsamer Kandidat für die Union.

    Und mit dem großen Landesverband Nordrhein-Westfalen im Rücken hätte er auf einem Parteitag gute Chancen, die Mehrheit der Delegierten hinter sich zu versammeln. Allerdings ist Merz an der Parteibasis sehr beliebt. Kramp-Karrenbauer betonte am Montag erneut, dass es kein Mitgliedervotum geben soll. Einen entsprechenden Beschluss hatte auch der CDU-Parteitag gerade erst in Leipzig gefasst.

    Bloß keine Hängepartie

    Der Wirtschaftsflügel, der bei der letzten Vorsitzendenwahl Merz unterstützt hatte, setzt nun auf eine gütliche Einigung zwischen den potenziellen Kandidaten. Das wurde auf einer Sitzung des Bundesvorstands der Mittelstands- und Wirtschaftsunion deutlich.

    „Im Bundesvorstand gab es viel Zustimmung für den Wunsch, dass sich die infrage kommenden Persönlichkeiten auf den aus ihrer Sicht geeigneten Kandidaten einigen und ein starkes Team bilden“, schrieb MIT-Chef Carsten Linnemann in einer internen Mail, die dem Handelsblatt vorliegt. Auch in der MIT-Sitzung sei vor „einer Hängepartie“ gewarnt worden.

    Sobald die Union aber die Kanzlerkandidatenfrage geklärt hat, stellt sich eine zweite Frage: Wie soll der neue CDU-Chef bis Herbst 2021 neben Kanzlerin Merkel bestehen? Kramp-Karrenbauer hatte die Trennung von Parteivorsitz und Kanzleramt als Schwächung der CDU und damit einen Grund für ihr Scheitern angeführt.

    Mehr: Mit ihrer Rückzugsankündigung hat Annegret Kramp-Karrenbauer die CDU in eine Führungskrise gestürzt. Was bedeutet das für die Partei und die Große Koalition?

    Startseite
    Mehr zu: Führungskrise - In Union geht Angst vor Hängepartie um – Mögliche Kanzlerkandidaten führen bereits Gespräche
    1 Kommentar zu "Führungskrise: In Union geht Angst vor Hängepartie um – Mögliche Kanzlerkandidaten führen bereits Gespräche"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Nach Kramp-Karrenbauer sollte auch die Bundeskanzlerin zurück treten, um den Weg zu einem wirklichen Neuanfang möglich zu machen. Die CDU muss wieder ein klares Profil zeigen und den Wählern sagen, wo die Reise hingeht. Die unklare Positionierung hat die Ränder erstarken lassen und die ehemals starken Volksparteien müssen Kompromisse eingehen, um an der Macht zu bleiben. Herr Laschet mag ein guter Ministerpräsident sein, aber auf internationaler Bühne, wäre er überfordert, ebenso Herr Spahn. Der Neustart könnte mit Friedrich Merz gelingen, er wollte die AfD-Wähler halbieren. Das wird gelingen, weil ein Großteil der Wähler ihren Protest zu der beliebigen Politik zum Ausdruck bringen wollten. Herr Laschet könnte das Innenministerium übernehmen, Herr Spahn den Fraktionsvorsitz. Alle Aspiranten wären eingebunden und könnten gemeinsam zeigen, dass die CDU als Volkspartei noich eine Zukunft hat.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%