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Fünfte Jahreszeit Streit um mögliche Absage von Karnevalsveranstaltungen

Politiker und Karnevalsverbände streiten um die Karnevalssaison im Winter. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) denkt über eine Absage nach.
19.08.2020 - 12:44 Uhr Kommentieren
Rund zwei Wochen vor der offiziellen Erklärung der WHO, dass eine Coronavirus-Pandemie ausgebrochen ist, zierten satirische Motive den Rosenmontagszug in Düsseldorf. Quelle: dpa
Rosenmontag in Düsseldorf

Rund zwei Wochen vor der offiziellen Erklärung der WHO, dass eine Coronavirus-Pandemie ausgebrochen ist, zierten satirische Motive den Rosenmontagszug in Düsseldorf.

(Foto: dpa)

Köln/Berlin/Düsseldorf Der Bund Deutscher Karneval hält nichts von einer pauschalen Absage von Fastnachts- und Karnevalsveranstaltungen in Deutschland wegen der Corona-Pandemie. „Jeder, der mit klarem Verstand die Situation einschätzt, ist sich darüber im Klaren, dass für 2021 die gewohnten Feier- und Veranstaltungsformen nicht vorstellbar sind“, teilte das Präsidium des Dachverbandes, der rund 2,6 Millionen Mitglieder in mehr als 5300 Vereinen und Zünften vertritt, am Mittwoch mit.

Mit viel Kreativität und Ideenreichtum seien jedoch Karnevalisten und Fastnachter in den verschiedenen Regionen derzeit dabei, Feierformen zu entwickeln, die die Gesundheitsvorgaben beachteten und bisher nicht denkbar oder technisch möglich gewesen seien. „Diese Entwicklung durch Absage/Untersagung pauschal abzuwürgen, wäre politisch nicht klug. Denn noch immer gilt auch für den Karneval: Not macht erfinderisch.“

Christoph Kuckelkorn, Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, erklärte am Mittwoch im WDR-Morgenmagazin: „Der Straßenkarneval, der Kneipenkarneval, das sind so Elemente, die wir uns nicht vorstellen können. Auch Ballveranstaltungen können wir uns nicht vorstellen.“ Anders sei es bei Karnevalssitzungen mit Hygienekonzept. Man könne ja auch mit Maske in ein Restaurant gehen und diese dann am Platz abnehmen.

Natürlich müsse der Sicherheitsabstand eingehalten werden, sagte Kuckelkorn. Alkohol sei sicherlich eine Komponente, die man berücksichtigen müsse. „Vielleicht gibt es ja auch Veranstaltungen, in denen es auch gar keinen Alkohol mehr gibt oder nur noch eingeschränkt Alkohol.“ Künstler würden vielleicht anteilsmäßig auf ihre Gage verzichten. Die Vereine müssten jetzt herausarbeiten, was der Kern des Karnevals sei und diesen klein inszenieren. „Das ist auch eine große Chance.“

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    Kuckelkorn sagte, Mitte September werde man vom Landesgesundheitsministerium NRW die vorgelegten Hygienekonzepte bewertet zurückbekommen. Dann werde sich zeigen, wie der Karnevalsbeginn am 11.11. ablaufen werde. „Nach dem 11.11. wissen wir die Auswirkungen, wissen, wie es funktioniert hat, und das sind dann die Erfahrungswerte, die wir für die Session brauchen.“

    Der Komiker und Fernsehmoderator Bernd Stelter ist gegen eine generelle Karnevalsabsage. „Karneval kann man nicht absagen, das ist Teil des Kalenders“, sagte der 59-Jährige am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. „Was man absagen kann, sind Veranstaltungen. Da muss man mal ein bisschen kreativ sein. Einfach so wie früher 10.000 Mann in die Kölnarena, alle schunkeln, bützen und singen laut, das wird sicher nicht funktionieren, das ist völlig klar.“

    Andererseits sei Karneval aber auch ein Ausdruck der Lebensfreude, „und Lebensfreude haben wir im Moment mal wirklich zu wenig“. Deswegen solle man sich schon fragen: Was kann man denn machen? „Nur einfach sagen „Es ist verboten“, reicht da nicht aus.“

    Für viele Künstler wäre eine komplett ausgefallene Karnevalssession außerdem existenzgefährdend. „Ich mach das jetzt seit 30 Jahren. Wenn das meine Existenz gefährden würde, dann hätte ich ganz viel falsch gemacht in den letzten Jahren“, sagte Stelter. „Ich werde daran nicht pleite gehen. Aber junge Kollegen, die das vielleicht erst seit ein, zwei, drei Jahren machen oder auch die ganzen Technikfirmen, für die sieht das ganz, ganz böse aus.“

    Walter-Borjans ist skeptisch, AKK fordert rasche Entscheidung

    In der Debatte um Karneval zu Corona-Zeiten hat sich SPD-Chef Norbert Walter-Borjans skeptisch geäußert. „Das, was Karneval ausmacht, gerade in den Zentren des Karnevals, das wird nicht gehen“, sagte der Rheinländer am Mittwoch im ntv-Frühstart. Er sei „tief traurig, wenn er nicht in der üblichen Form ablaufen kann“. Walter-Borjans betonte aber: „Karneval, so wie er ist, geht nicht mit 1,50-Abstand und Schutzmaske.“ Auch Veranstaltungen, wie man sie kenne, würden so nicht gehen. Am Ende sei das gar nicht kontrollierbar. Deswegen müsse man neue Formen finden.

    CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat eine rasche Entscheidung über Karnevalsfeiern in Corona-Zeiten gefordert. Es sei „sehr notwendig, dass die Verantwortlichen in den Ländern und auch im Bund mit den (Karnevals-)Verbänden reden. Denn für alle Beteiligten muss aus meiner Sicht sehr schnell Klarheit geschaffen werden“, sagte sie am Mittwoch im Fernsehsender „Welt“. Sie fügte hinzu: „Im Karneval steckt unglaublich viel Herzblut, Engagement“ – und auch viel finanzielles Engagement.

    NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann sieht derzeit ebenfalls eher nicht, dass der nächste Karneval in gewohnter Form stattfinden kann. Er wolle die Entscheidung darüber auf jeden Fall mit den Karnevalsvereinen zusammen treffen, sagte der CDU-Politiker am Mittwoch in Düsseldorf. Man solle sich damit auch ruhig noch zwei, drei Wochen Zeit lassen.

    „Ich muss Ihnen aber auch sagen, und da will ich auch gar nicht hinterm Berg halten: Wenn in drei Wochen die Inzidenz da ist, wo sie jetzt ist, bin ich schon der Meinung, dass wir dann eher zu der Frage kommen, dass Karneval so nicht geht, wie wir das kennen“, sagte Laumann. „Wir haben ja auch im Frühjahr die Schützenfeste nicht gemacht, wir machen jetzt im Herbst die Kirmes nicht.“

    Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte mit seinen Äußerungen, ob im kommenden Winter Karneval stattfinden kann, eine bundesweite Debatte angestoßen. „Ich war selbst Kinderprinz und komme aus einer Karnevalshochburg. Ich weiß also, wie wichtig Karneval für viele Millionen Deutsche ist. Aber: Ich kann mir Karneval in diesem Winter, mitten in der Pandemie schlicht nicht vorstellen. Das ist bitter, aber so ist es“, wurde Spahn von der Rheinischen Post zitiert.

    Mehr: Jens Spahn und die Narrenfreiheit

    • dpa
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