Fusion von KMW und Nexter „Eine Schwächung unserer Kernkompetenzen“

Die Panzerhersteller Krauss-Maffei Wegmann und Nexter stehen vor der Fusion. In Berlin stößt die Nachricht auf ein geteiltes Echo. In der Union fürchtet man auch Nachteile bei dem deutsch-französischen Deal.
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Die geplante Fusion von KMW und Nexter schlägt auch in der Politik hohe Wellen. Quelle: dpa
KMW-Kampfpanzer Leopard

Die geplante Fusion von KMW und Nexter schlägt auch in der Politik hohe Wellen.

(Foto: dpa)

BerlinDie geplante Fusion des deutschen Panzerbauers Krauss-Maffei Wegmann (KMW) mit seinem französischen Konkurrenten Nexter wird in Berlin unterschiedlich bewertet. In der Unions-Bundestagsfraktion sieht man nicht nur Vorteile eines solchen Deals.

„Für unser Land kommt es darauf an, in der Ausstattung unserer Streitkräfte nicht auf „black boxes“ ausländischer Partner angewiesen zu sein, sondern in Kernbereichen wie beispielsweise der Panzertruppe, der Artillerie und der Aufklärung, Spitzentechnik aus eigener Fertigung bereitzustellen“, sagte der Unions-Obmann im Auswärtigen Ausschuss, Roderich Kiesewetter (CDU), dem Handelsblatt. „Damit erscheint mir die bevorstehende Fusion eher eine Schwächung unserer Kernkompetenzen zu bedeuten, weil bisherige Kooperationen mit Frankreich, zum Beispiel im Flugzeug- und Satellitenbau, immer zu Lasten und zum Nachteil deutscher Kernfähigkeiten ausgegangen sind.“

Der Unions-Wirtschaftsexperte Joachim Pfeiffer (CDU) bezeichnete dagegen ein Zusammengehen von KMW und Nexter als „wichtigen Schritt“ hin zur notwendigen Konsolidierung der europäischen Verteidigungsindustrie. „Angesichts von Überkapazitäten in der europäischen Verteidigungsbranche bei gleichzeitig schrumpfenden Etats der Mitgliedstaaten müssen europäische Lösungen zum Erhalt dieser wichtigen Industrie gefunden werden“, sagte Pfeiffer dem Handelsblatt. Es sei daher gut, wenn Deutschland und Frankreich hier gemeinsam vorangingen.

Das Handelsblatt hatte zuvor über die Fusionspläne berichtet, die noch in dieser Woche besiegelt werden sollen. Das Verteidigungsministerium in Paris lädt zu einem Pressetermin für Mittwochnachmittag ein. Dabei gehe es um die „Unterschrift unter die Verständigung“ zwischen den beiden Unternehmen, hieß es.

Die Eigentümerfamilie Bode für KMW und der französische Staat für Nexter seien die Unterzeichner. Es soll eine Holding niederländischen Rechts mit dem vorläufigen Namen „Newco“ gegründet werden. Sie halte sämtliche Anteile der beiden Firmen. KMW ist vor allem bekannt durch den Kampfpanzer „Leopard“.

CDU-Politiker Pfeiffer hält den Zeitpunkt für eine Fusion für günstig. KMW und Nexter würden zunächst ihre derzeit vollen Auftragsbücher abarbeiten. Die entsprechenden Exporte würden dann weiterhin nach dem jeweiligen deutschen oder französischen Exportkontrollrecht genehmigt. „Darüber hinaus gilt es aber in der Perspektive, neue, gemeinsame Produkte zu entwickeln, um Synergien zu heben“, sagte der CDU-Politiker. Deren Vermarktung sollte aber nach „einheitlichen europäischen Spielregeln“ erfolgen. „Daher ist es richtig, die europäischen Regelungen zur Rüstungsexportkontrolle weiterzuentwickeln und zu harmonisieren.“

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8 Kommentare zu "Fusion von KMW und Nexter: „Eine Schwächung unserer Kernkompetenzen“"

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  • das das mit den "einheitlichen " spielregeln nicht funktioniert und reines wunschdenken ist kann man doch an andern bereichen ablesen.....

    ich bin echt fassungslos über die unendliche naivität der D verantwortlichen....

    man schaue nur die sache mit den Bauern..^^

    alles rackert sich an D ab... und die globalisierung wird verschlafen ....

    nachdem man den D nun schon den flugzeugbau abgenommen hat... (die sitze für airbus werden noch in D gebaut der rest woanders.. tolle teilung.^^)

    vor diesem hintergrund macht dann auch der Tratra um das g36 sinn....

    H u K muss auch noch kaputt gemacht werden.... und so ist D dann total von andern abhänig und kann noch weniger "bedrohlich" sein... und muss sich um so mehr fügen ^^...

    und genau darum gehts.... sry fürs 3 mal posten....

    wünsche mir immer noch eine "edit" funktion im board

  • wären wir nun wie die Amis würde man das mit dem sanften hinweis auf nationale sicherheits intressen verhindern...

  • und wie beim Hoch tief deal stehen unsere Politker schmiere...unfaßbar...

    aber so hat man die D bald kompeltt nackt und ehrlos den begehrlichkeiten der andern ausgesetzt...

  • Unfassbar.

    Wer nach den Geschehnissen um EADS, Hoechst/Aventis oder einer torpedierten Übernahme von Alstom durch Siemens sich immer noch freiwillig mit den Franzosen fusioniert, der ist einfach nur ein naiver Technokrat und trotz aller 'realistischer Synergiegewinn' ein Realitätsverweigerer erster Güte.

    Aber nachdem unsere gesamte politische Führung eh primär eine Politik zum 'Gefallen der Anderen' gestaltet, anstatt zum Wohle der sie beauftragenden Bürgerschaft, infiziert sich eben auch die Wirtschaft mit solch erbärmlicher Selbstverleugnung.

    Selber Schuld.

  • Das mit Hoechst wollte ich auch schreiben, wird wieder so laufen.

  • Deutschland wird weiter ausverkauft. Das hat ja Schröder, der Genosse der Bosse, begonnen
    Wenn wir duch unser Lad gehen würden, würden wir uns wundern, denn wir würden feststellen, dass uns kaum noch was gehört.
    Selbst Wohungsbestände und Alenheime sind in ausländ. Hand.
    Unser Politiker sind nur noch Verbrecher

  • Tatsächlich spricht vieles dafür, daß nach der Fusion -findet sie denn statt- die deutschen Kernkomptenzen zugunsten der französichen geschwächt werden, wie nicht nur frühere Fusionen wie Airbus und Alström, sondern ein Blick auf die Unternehmensdaten zeigt. Nexter hat mehr Umsatz und Personalals KMW, die zudem ein Familinunternehmen sind und nicht wie Nexter den Staat hinter sich hat. Die Lage von KMW könnte seit langem erheblich besser sein, wenn etwa die deutschen Ausfuhrgenehmigungsverfahren weniger restriktiv gehandhabt würden und somit Milliardenaufträge an die Konkurrenz verloren gingen, die sich im Zweifelsfall wenig darum schert, ob der Käufer in einem "Krisengebiet" zu hause ist oder nicht. Fänden solche Exporte dennoch nach einer Fusion statt (womit zu rechnen ist), hätte die Bundsregierung diesem Traditionsunternehmen gleich zwei mal ein Bein gestellt, denn der Löwenanteil der Gewinne aus solchen Geschäften gingen, naturelment, nach Frankreich.

  • Für Frankreich ist das knallharte Industriepolitik. Während Deutsche in den Kategorien von Effizienz und Nutzen für das neue Ganze denken, wollen Franzosen das neue Ganze beherrschen. (S. HOECHST) und Vorteile für den eigenen Teil suchen. Und mit den Blaupausen für den LEOPARD II haben sie diese. Das wird KM mittelfristig nicht überleben. Wie strategisch Frankreich denkt, sieht man heute nach fünfzehn Jahren Währungsunion.

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