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G36-Nachfolger Etappensieg für Heckler & Koch: Verteidigungsministerium stoppt Sturmgewehr-Auftrag für Haenel

Die kleine Rüstungsfirma Haenel sollte das neue Sturmgewehr der Bundeswehr bauen. Nun rudert das Ministerium zurück. Der Grund: ein möglicher Patentverstoß.
09.10.2020 Update: 09.10.2020 - 18:49 Uhr 2 Kommentare
In Thüringen sollten 120.000 Sturmgewehre gebaut werden. Jetzt ist fraglich, ob es noch dazu kommt. Quelle: dpa
Drei Firmen, ein Gebäude

In Thüringen sollten 120.000 Sturmgewehre gebaut werden. Jetzt ist fraglich, ob es noch dazu kommt.

(Foto: dpa)

Berlin, Düsseldorf Das Vergabeverfahren für das neue Sturmgewehr der Bundeswehr droht im Chaos zu versinken. Das Bundesverteidigungsministerium hat die geplante Vergabe an die C.G. Haenel GmbH aus Suhl in Thüringen am Freitag gestoppt. Grund dafür ist eine mögliche Patentrechtsverletzung, teilte das Ministerium dem Haushaltsausschuss des Bundestags mit.

Interne Prüfungen hätten zu dem Ergebnis geführt, „dass eine entsprechende Patentrechtsverletzung durch den Bieter C.G. Haenel zulasten des Bieters H&K nicht auszuschließen ist“, heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums. Die Vergabestelle des Bundes werde die Entscheidung nun „unter Berücksichtigung aller Aspekte“ neu bewerten.

Das Ministerium hatte Mitte September entschieden, den Auftrag für 120.000 neue Sturmgewehre an Haenel zu vergeben. Die Suhler galten zwar als extremer Außenseiter, haben sich mit ihrem Sturmgewehr MK556 aber letztlich durchgesetzt – unter anderem gegen das HK416 von H&K.

Der bisherige Haus- und Hoflieferant der Bundeswehr hatte daraufhin einen Antrag auf ein Nachprüfungsverfahren gestellt, das nun zu einem vorläufigen Erfolg führte. Entsprechend begrüßte H&K die Kehrtwende des Ministeriums. Das Unternehmen sei seit 60 Jahren ein zuverlässiger Ausrüstungspartner der Bundeswehr, teilte ein Sprecher mit. Insofern sei H&K dem Ministerium „ausgesprochen dankbar“ dafür, die Vergabeentscheidung „vor dem Hintergrund unserer Rügepunkte noch einmal überprüfen zu wollen“.

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    Gegen welche Patente Haenel möglicherweise verstoßen haben soll, ist noch unklar. Ein Branchenkenner, der auch das HK416 mitentwickelt hat, nannte das Haenel-Gewehr eine „leicht modifizierte Kopie des HK416“. Die Waffe aus Oberndorf habe geschützte technische Merkmale, die auch patentiert seien. Dabei könne es beispielsweise um die interne Schlagbolzensicherung im Verschlussträger oder das Gassystem gehen.

    Das Ministerium wollte die Bundeswehr mit dem MK 556 vom Thüringer Waffenhersteller C.G. Haenel ausrüsten. Quelle: dpa
    Umstrittenes Sturmgewehr

    Das Ministerium wollte die Bundeswehr mit dem MK 556 vom Thüringer Waffenhersteller C.G. Haenel ausrüsten.

    (Foto: dpa)

    Fest steht: H&K ist, was das Know-how und Personal angeht, eng mit dem Underdog aus Suhl verflochten. Denn hinter Haenel stehen Männer, die ihr Handwerk einst beim heutigen Widersacher perfektionierten – so wie Haenel-Chef Olaf Sauer, der früher das Qualitätsmanagement der Oberndorfer leitete.

    „Bei ihm lief alles zusammen. Er kennt die Entwicklungen, er kennt die Infrastruktur, er weiß, was wichtig für ein militärisches Produkt ist, sagte ein Wegbegleiter dem Handelsblatt. Sauer habe dieses Know-how „intravenös aufgesogen“.

    H&K schickte Sauer 2003 nach Suhl, um als Geschäftsführer die jüngst übernommene Jagd- und Sportwaffen GmbH auf Vordermann zu bringen. Männer wie Klaus Münst und Lutz Morgenroth, die sich als Entwickler für H&K verdient gemacht hatten, folgten ihm nach Thüringen. In Patentdatenbanken stehen ihre Namen neben Abzugsvorrichtungen, Selbstladebüchsen und Halterungen für Zielfernrohre.

    Sauer belebte die Traditionsmarken Haenel und Merkel wieder und knüpfte laut einem Insider auf Waffenmessen in den Vereinigten Arabischen Emiraten Kontakte zur Herrscherfamilie von Kronprinz Muhammad bin Zayid Al Nahyan. 2007 übernahm Caracal International LLC aus den Emiraten die Merkel-Gruppe. Sauer soll den Deal selbst eingefädelt haben. Fortan war er Abu Dhabis Mann in der thüringischen Provinz.

    Gerade an den Gesellschaftern aus dem Nahen Osten hatte sich nach der ursprünglichen Ministeriumswahl viel Kritik entzündet. Caracal gehört zum staatlichen Waffenkonzern Edge, den Abu Dhabis Kronprinz aus zwei Dutzend staatlichen Beteiligungen geformt hat. Edge soll die Emirate unabhängig von ausländischen Waffen machen. Ein erstes Produkt war das Sturmgewehr CAR816, mit dem Caracal die Truppen des Emirats ausgerüstet hat.

    Das weckt Argwohn. Die „FAZ“ fragte suggestiv-besorgt: „Sind die Handvoll Leute von C. G. Haenel der wirkliche Entwickler, oder schießt die Bundeswehr demnächst mit einer eventuell modifizierten und etikettierten Version des Sultangewehrs CAR816?” Die Antwort gibt einer, der das Sultangewehr entwickelt hat: „Nein, sagt er, „das Wüstengewehr entstammt der Waffenfamilie des US-Sturmgewehrs Colt M4 und ist nicht der Vorgänger des MK556 für die Bundeswehr.

    Haenels letzter militärischer Erfolg war das Scharfschützengewehr G29, von dem das Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr 2016 etwas mehr als 100 Stück bestellte. Dass der Hersteller aus Suhl, der bislang nicht über nennenswerte Produktionshallen verfügt, nun 120.000 Sturmgewehre liefern sollte, sahen Beobachter skeptisch. Kritiker bezweifelten, dass das Unternehmen den Auftrag überhaupt stemmen könnte.

    Haenel hat bislang lediglich Probemuster in kleiner Stückzahl produziert. Sollten sie den Auftrag doch noch retten, bräuchten sie eine Infrastruktur, die auf Masse ausgelegt ist. Für den Aufbau der Produktionsanlagen könnte nach Handelsblatt-Recherchen ausgerechnet eine Firma in Oberndorf wichtig werden, die früher zu H&K gehörte: die BWO-Elektronik GmbH, ein Spezialist für die Steuerung von Maschinen – wie man sie etwa in der Waffenproduktion braucht.

    Haenel und Heckler & Koch: Mehr als nur Rivalen

    Anfang der 1990er hieß sie noch Heckler & Koch Maschinen- und Anlagenbau GmbH und verfügte laut Firmenchronik über „das Know-how, das Fertigungs- und Entwicklungsteam sowie die Produktionsanlagen. Dann trennte sich H&K in einem Management-Buy-out von der BWO.

    Olaf Sauer hat noch immer ein Haus in Oberndorf. So entging dem 60-Jährigen wohl nicht, dass der BWO-Geschäftsführer 2012 in Rente ging. Sauer kaufte den Industrieausrüster, der fortan als Tochter von Merkel zum Caracal-Reich gehörte. In einer Mitteilung ließ das Unternehmen wissen, der neue Eigner aus Abu Dhabi erhoffe sich von dem Deal Synergien für die industrielle Entwicklung seiner Produktionsstätten.

    Für H&K dürfte sich das rückblickend wie eine Kampfansage lesen. Zwar hat die BWO nur 15 Mitarbeiter. Doch ihre Expertise für Werkzeugmaschinen und Industrieroboter könnte Haenel helfen, die notwendige Infrastruktur hochzuziehen.

    Denkbar ist auch, dass Sauer dank BWO abschätzen konnte, welche Preise H&K bei der Ausschreibung der Bundeswehr aufrief. In jedem Fall zeigt der Fall der BWO, wie eng die beiden Kleinwaffenschmieden verbunden sind.

    Bei Haenel war am Freitagabend niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Vor einigen Tagen hatte Olaf Sauer kategorisch ausgeschlossen, Fragen zum Vergabeverfahren zu beantworten. Über seine Assistentin ließ er mitteilen: „Da wir uns in einem laufenden Verfahren befinden, bitten wir um Ihr Verständnis, dass darüber hinaus keine weiteren Informationen veröffentlicht werden.“

    Mehr: C.G. Haenel soll neues Sturmgewehr liefern – und sticht Heckler & Koch aus.

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    2 Kommentare zu "G36-Nachfolger: Etappensieg für Heckler & Koch: Verteidigungsministerium stoppt Sturmgewehr-Auftrag für Haenel"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ich hätte ja nun erwartet, dass ein Foristr etwas Kluges über Wehrbeschaffung sagt oder über Sturmgewehre oder über Patente bei Waffen.
      Stattdessen ein trollmäßiger Stehsatz.

    • Man müßte lachen über unseren Regierungskarnevalsverein wenn es nicht so traurig wäre. Was funktioniert bei diesen Schauspielern eigentlich noch? Die können weder Masken bestellen noch einen Bahnhof oder Flughafen bauen und jetzt noch nicht einmal eine hieb-und stichfeste Spezifikation für die Bestellung von ein paar Gewehren schreiben. Deutschland schafft sich ab! "Wir schaffen das!"

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