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Gastkommentar „Das Märkte-Chaos ist geradezu aberwitzig“

Die Kursstürze sind drastisch und schrecken die Politik auf. Doch Top-Ökonom Michael Hüther zweifelt an der Sinnhaftigkeit der Reaktionen. Er kann dem Chaos sogar etwas Positives abgewinnen.
  • Michael Hüther
20 Kommentare
Michael Hüther. Quelle: dapd

Michael Hüther.

(Foto: dapd)

Der Kursrutsch an den internationalen Börsen ist nicht durch ein besonderes Vorkommnis oder neue Informationen zu erklären, sondern einzig dadurch, dass sich an den Finanzmärkten neue Bewertungen bekannter Fakten durchsetzen. Es ist ja geradezu aberwitzig, dass in dem Maße, in dem die Staaten das Schuldenproblem angehen und Maßnahmen auf den Weg bringen, die Märkte und die Ratingagenturen solche dramatischen Reaktionen zeigen. Wer jetzt argumentiert, dass die Kapitalmärkte (und die Ratingagenturen) informationseffizient seien, der ist entweder blind oder naiv.

Denn die Schuldenkrise hat doch auch damit zu tun, dass die Märkte zuvor – im Falle Griechenlands seit 2001 – nicht genau hingeschaut haben und unabhängig von der Entwicklung der Auslandsverschuldung des Staates und der Schuldenstandsquote eine positive Stimmung hatten, wie die niedrigen Spreads der griechischen Staatsanleihen zur Bundesanleihe bis in den Herbst 2009 dokumentieren.

Finanzmärkte sind nicht in dem Maße informationseffizient, dass sie fortlaufend risikoadäquate Preise stellen, vielmehr sanktionieren sie sprunghaft über die Einschränkung der bereitgestellten Liquidität. Nun scheint auch der Letzte aufgewacht zu sein.

Das Szenario einer Weltwirtschaftskrise erscheint mir wenig plausibel, da erstens kein schockartiges Event wirkt – wie im Falle der Lehman Insolvenz – und zugleich alle Staaten mehr oder weniger angemessen das Schuldenproblem angehen. Zweitens hat sich in den Jahren 2009 und 2010 gezeigt,  wie wenig die Industrie in ihrer Finanzierung durch Finanzmärkte und Banken beschränkt wurde. Drittens ist derzeit auch noch nicht zu erkennen, dass die Bankensysteme in gleicher Weise wie vor drei Jahren destabilisiert werden. Die Risikovorsorge hat sich verbessert, die Robustheit tendenziell ebenfalls.

Entscheidend ist letztlich, in welchem Maße sich die Unternehmen in ihrem Investitionsverhalten verunsichern lassen. Dafür haben wir bisher keine Hinweise. Die Megatrends im globalen Strukturwandel jedenfalls tragen und sprechen für einen stabilen Investitionstrend.

Die Frage bleibt, was kann politisch getan werden. Wenig hilfreich ist der Versuch von Barroso, den Märkten hinterher zu laufen. Politik signalisiert damit, dass sie die eigenen Beschlüssen von Ende Juli als unzureichend bewertet. Man muss auch mal schweigen können! Vielmehr sollte die Ernsthaftigkeit der Sanierungsbemühungen für die öffentlichen Haushalte betont werden, immerhin steht selbst Griechenland für 2012 vor einem kleinen Primärüberschuss. Ob Marktinterventionen der Zentralbanken helfen, wage ich zu bezweifeln. Ruhige und verlässliche Kommunikation sollte die Fakten betonen. Vielleicht sind die Kurskorrekturen auch gar nicht so schlecht, die Aktien sind billig, es sind Kaufkurse!“

Michael Hüther ist Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln (IW).

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20 Kommentare zu "Gastkommentar: „Das Märkte-Chaos ist geradezu aberwitzig“"

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  • an die Redakteure vom Handelsblatt:

    FRAGT DOCH MAL PROF. HANKEL ZU DIESEM THEMA! Kontakt gibt es unter www.dr-hankel.de

    Seine derzeitige Einschätzung würden bestimmt viele gerne lesen!

  • @Atinak

    Ich stimme Ihnen 100%ig zu. Man sollte auch noch erwähnen, dass man in Deutschland mittlerweile keine Rechtssicherheit mehr hat. Die Gesetze werden schneller gewechselt als bei manchen die Unterhosen.

    Als kleiner oder mittelständischer Unternehmer hat man in Deutschland mittlerweile keine Lust mehr!

  • @ Moika & Jens: Ihr armen Wichte!

  • Die Frage ist einfach zu beantworten: Weil es fürs Kinderkriegen inzwischen mehr Geld gibt als fürs Arbeiten, und weil es sich von der Sozialhilfe mit all ihren Extras - Anschaffungsgeld, Wohnung umsonst etc. - trefflich leben lässt. Und die Banken hatte ich mit erwähnt. Dass aber in diesem moroden Staat überhaupt noch was läuft, verdanken wir den Unternehmen, die sich trotz des wirtschaftsfeindlichen Klimas, einer erwürgenden Gesetzesflut, unsäglichen Lohnnebenkosten, eines starren Kündigungsschutzes, der keinerlei Flexibilität erlaubt etc. noch über Wasser halten. Mit linker Plattfußideologie kommen wir nicht weiter, da reicht ein Blick auf den "realen Sozialismus" (es gab mal eine DDR, die uns in diesen Mist reingerissen hat, denn seither hat uns Europa endgültig an den Eiern - schon vergessen?). Was wir brauchen, sind mehr Transparenz an den Finanzmärkten, klare Spielregeln, weniger Bürokratie und erheblich weniger Steuern und Abgaben.

  • Ein Kommentar, der sich von der medialen Omnipestilenz vieler anderer Ökonomen erfrischend deutlich unterscheidet, denn er würdigt gerade auch die realen Reformprozesse einer großen heterogenen und innovativen Wirtschaftszone.
    Vielen Dank, Herr Hüther!

  • Hüther hat recht, wenn er den Märkten "informationseffizienz" abspricht.

    Was ist ein Markt? Die Gesamtheit der Anbieter, der Käufer oder Verkäufer (Anleger). Mehr nicht.

    Wir sehen jetzt wieder einmal exemplarisch, das Angstkäufe und Verkäufe, teilweise panikartig, die Märkte bestimmen. Panik und Angst aber sind, wie wir wissen, ganz miserable Ratgeber. Z.Zt. werden die Märkte nicht von wirtschaftlichen Kriterien - mangelnde informationseffizienz also - sondern einzig von der Psychologie beherrscht, die die meisten der Markteilnehmer irrational handeln läßt.

    Hüther hat recht.

  • Wann hört das unsägliche "Main-Stream-Media" Gesülze endlich auf.Ihr bezeichnet seit Jahren Leute als "Top-Ökonomen" als
    "Experten", die nicht einmal einen blassen Schimmer von "Geldtheorie" haben.
    Wann hört das unerträgliche Verbreiten von Schwachsinn endlich auf?
    Wenn das Gebäude des "Handelsblattes" in Flammen steht und die Schreiberlinge an den Laternen hängen???
    Es ist doch möglich eine zumindest klare Beschreibung der Situation zu geben und es gibt Tausende , die geistig über dem Niveau der "Top-Ökonomen" liegen.
    Wann darf das "Handelsblatt" vernünftige Artikel publizieren???

  • Willkommen auf dem Weg in die Realität! Die weltweiten Kursrückgänge waren längst überfällig, denn die jetzt vorgebrachten Risiken bestehen schon seit mehreren Monaten. Die Forderungen von Barroso bzw. Rehn sind zwar logisch und konsequent, um die EU weitere Monate am Leben zu erhalten. Jedoch auf nationaler Ebene müsste spätestens jetzt der Druck der Bevölkerung wachsen, um weitere Bürgschaften auf Kosten der Steuerzahler zu verhindern. Alle Reden von Griechenland, Portugal, Italien, Spanien....und die Haushaltsprobleme der osteuropäischen Mitgliedstaaten sind nicht weniger dramatisch. EU ade.

  • Der Autor will einen "stabilen Investitionstrend" erkennen und hat offensichtlich als Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft nicht verstanden, das der Kauf eines Unternehmensanteils eine Investition darstellt. Bei solchen Experten wundert einen gar nichts mehr...

  • Textauszug::::::. Es ist ja geradezu aberwitzig, dass in dem Maße, in dem die Staaten das Schuldenproblem angehen und Maßnahmen auf den Weg bringen, die Märkte und die Ratingagenturen solche dramatischen Reaktionen zeigen.:::::: Meine Güte ist der Mann eine Traumnuss. Das Politische und Finanzpersonal versucht hier Probleme zu lösen , welche gerade durch dieses Personal ausgelöst wurden. Die Lösung der Politiker besteht immer in dem was politisch machbar ist. Mehrheiten beschließen etwas , selbst wenn es Irrsinn ist, so wird der Irrsin der Mehrheit dann eben zur Regel. Probleme werden mit Geld zugeschissen. Die späteren Generationen bezahlen. Wer solche Volksvertreter und Finanzjongleure im Staat hat braucht keine Feinde mehr. PUNKT

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