Gastkommentar zu Hartz IV Billige Arbeitskräfte als Medizin

Hartz IV hat den Arbeitsmarkt flexibilisiert. „Hartz-IV-Rebellin“ Inge Hannemann findet dennoch: Die Arbeitsmarktreform ist kein Grund zu feiern. Denn sie entrechtet, entmündigt und leitet zur politischen Passivität an.
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Mit dem grauen Alltag der Hartz-IV-Empfänger haben diese bunten Buchstaben nur wenig gemein. Quelle: dpa

Mit dem grauen Alltag der Hartz-IV-Empfänger haben diese bunten Buchstaben nur wenig gemein.

(Foto: dpa)

HamburgKeine Reform hat bis heute mehr politische Brisanz und Diskurs erfahren wie das „Vierte Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“, im Volksmund als „Hartz IV“ bekannt. Das im Ausland hoch geschätzte Schröder’sche Reformpaket feiert Jubiläum. Ein gewaltiges Programm nahm vor zehn Jahren Einzug bis in die intimsten Sphären der Leistungsberechtigten und deren Familien.

Zwölf Monate trennen die Menschen eines physiologischen, lohnabhängigen Arbeitslosengeldes in die verhasste Stigmatisierung des „faulen und schmarotzenden Hartzers“. So versuchen zahlreiche Studien, Argumente und Statistiken bis dato die Auswirkungen von Hartz IV in Gewinner und Verlierer aufzuteilen.

Inge Hannemann. Quelle: dpa

Inge Hannemann.

(Foto: dpa)

Waren die Hartz-IV-Gesetze ein Erfolg? Kritiker verlieren sich in die Brandmarkung des Neoliberalismus, während Befürworter der Reform angesichts der steigenden Zahl der Erwerbstätigen Erfolg zusprechen.

Beides mag richtig sein, sofern man es außer Acht lässt, die tatsächlichen Zahlen anzuschauen. Die Zahl der atypischen Arbeitsverhältnisse und befristeten Arbeitsplätze stieg linear zum Arbeitnehmer, der immer weniger verdient für die gleiche Arbeit. Der Grundsatz in den Jobcentern lautet, dass es allemal besser sei, für wenig oder weniger Geld zu arbeiten, als Stammgast in der hiesigen Behörde zu bleiben.

Selbstverständlich immer im Sinne des Steuerzahlers, der schließlich ein Anrecht darauf hat, dass seine zwei Euro monatliche Steuer sinnvoll verwendet werden. Dass er selbst vielleicht im unteren Einkommensbereich befristet tätig ist und somit den prekären Arbeitsmarkt fördert, spielt in diesem Moment keine Rolle mehr.

Es gibt keinen Grund zum Feiern
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6 Kommentare zu "Gastkommentar zu Hartz IV: Billige Arbeitskräfte als Medizin"

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  • Na ja, ich meine, WIR sind einfach zu still !!!

    Diese Deregulierung im Arbeitsrecht verfolgt verschiedene fragwürdige, miese Ziele !

    Ein Beispiel: Die Geburtenstarken Jahrgänge (heute 50+) haben auf den Arbeitsmarkt fast keine Chancen mehr !
    Nach 15 Monaten erfolgt HartzIV !

    ABER, es werden keine Rentenbeiträge mehr bezahlt.
    Das heißt, unverschuldet und politische gewollte Rentenkürzung!
    Altersarmut vorprogramiert !

    Sollte ein Eigenheim vorhanden sein und die Kinder sind aus dem Haus, kommt die nächste politische Schikane.

    Wehe, die Wohnfläche ist über 90 qm !
    Selbst bei einem sehr niedrigen Tilgungszins, kleiner als 100€, wird erst mal n u r ein Darlehn vorab akzeptiert !

    Wieviel Eigenheime werden unter 110 qm gebaut ? Sehr wenige !

    Das heißt, unsere Lobby-"Volksvertreter" haben die Parameter so tief angesetzt, das fast jeder betroffen ist, der dieses Leid erfährt !!!

    Wer zieht daraus Vorteile ? Wer ist daran interessiert, das man sein Eigenheim verliert ?

    Ein Arbeitnehmer, der den maximalen Rentenbeitrag einzahlt, das sind ca. 12.000 € im Jahr, der erhält für diesen Jahresbeitrag eine Anrechnung im Monat von unter 50,00 € Rente in Zukunft !

    Ein junger Arbeitnehmer mit einem Brutto-Einkommen von bis 2500€ im Monat, erhält nicht viel mehr als einer, der nie gearbeitet hat!
    Ein Abgeordneter, der 0,00 € Beiträge einzahlt erhält ......, unfassbar !

    Die Riester-Rente ist eine widerliche Volksverars..ung !

    Wie bekloppt sind WIR !!!

    Man hat den Bock (wie Herrn Hartz, Ex-VW-Vorstandsmitglied- Personal) zum Gärtner gemacht !

    NUR, mit diesen miesen Machenschaften werden leider viele, die sich nicht wehren, zum Lohnsklaven , ohne Lebensqualität !!!

    Es bleibt nicht still in unserem Land, da bin ich mir sicher, leider !!!

  • Ein sehr guter Artikel und vor allem so wahr
    Hartz IV ist keien Zirde und darauf braucht die Politik nicht stolz sein

  • Schon das Menschenrecht ( für ALLE Staaten gültig ! ) gibt an das auch "Arme" Menschen annähernd die gleiche Teilhabe an der Geseelschaft haben MÜSSEN wie der Durchschnittliche Deutsch ! Heute finden wir bereits im Niedriglohnbereich ( der 8,50Euro Job ist ! ) keine entsprechende Teilhabe mehr = Verstoss gegen das Menschenrecht ! Da kann man mit recht sagen : ein Bedürftiger ist in D ganz ganz weit weg von dieser Teilhabe ... er kann sich zwar ernähren aber wenn man sogar in das Minimum der Existenz mit Sanktionen eingreifen darf mit ZWANG ( Bedürftige MÜSSEN jede noch so schlechte Arbeit annehmen ! ) dann ist das ganz weit weg von Menschenrechten . So unterteilt man Bedürftigkeit in "bessere Bedürftige" + "schlechtere Bedürftige" wenn sie sich dem ZWANG der Jobcenter entgegenstellen :-( Die These das man Arbeitssuchende FORDERN muss klappt nur wenn man auch GENUG Arbeitsplätze bereitstellen kann aber selbst wenn diese Arbeitsplätze da wären ( sind sie NICHT !! ) sollte eben sichergestellt sein das man von dem Lohn auch tatsächliche Teilhabe am "durchschnittlichen deutschen Leben" möglich ist > solange dies NICHT möglich ist ist ein Gesetz das ZWANG ausübt Verrat an der Sozialdemokratie ...

  • die politische Passivität ist doch gewollt.

    Man möchte keine mündigen Bürger. Man möchte Bürger mit einer unterschwelligen zukunftsangst. Nur solche Bürger wählen (wenn überhaupt) die etablierten Parteien. Denn Änderungen sind immer mit Risiko verbunden. Wenn das Volk eh schon eine gewisse Angst vor der Zukunft hat wird es vor zusätzlichen Risiken scheuen. Ein bißchen nach dem Motto: "Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach."

    Und dann kommt da plötzlich so etwas wie PEGIDA. Und es ist genau die denkende Mittelschicht die dort spazieren geht. Warum im Osten? Ganz einfach - dort gibt es weniger Zukunftsangst - mehr Risikobereitschaft. Gerade der heutige Mittelstand hat gelernt, dass sich das Risiko einer Veränderung lohnt. Im Westen sieht es da anders aus. Wir haben in langen, langen Jahren gelernt, dass sich Demonstrationen nicht lohnen. Wir verändern damit nichts. Die Atomkraft wurde nicht abgeschaltet wegen der vielen Demos sondern wegen eines Mückenstichs auf Frau Merkels Arm.
    Alles phychologisch erklärbar. Deshalb demonstrieren im Westen eher die Leute die gerne randalieren. Die paar die noch denken können sitzen daheim und fürchten sich vor dem Tzunami (in der Wirtschaft) der in den nächsten 5 - 20 Jahren kommt - wenn nicht schon früher ...

  • "Langfristige Lebensplanungen weichen dem finanziellen Überlebenskampf. (...) Die Folge daraus ist ein System voller innerer Widersprüche, welches die Menschen entrechtet, entmündigt und zur politischen Passivität anleitet. "


    Das ist wohl der eigentliche Sinn von HARTZ4. Denn wer abhängig von staatlicher Alimentation ist und von Tag zu Tag denken muß, der muckt nicht auf, sondern kuscht.

  • Guter Artikel!

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