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LNG-Terminals in Zhoushan (China)

LNG (Liquefied Natural Gas) ist verflüssigtes Erdgas.

(Foto: Reuters)

Gasversorgung LNG-Terminal in Sicht – Bewerber Brunsbüttel findet neuen Kunden

Mit politischem Rückenwind versuchen drei Standorte, das Rennen um ein LNG-Terminal für sich zu entscheiden. Beim Netzanschluss ist die Bundesregierung gefordert.
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BerlinLange strömte verflüssigtes Erdgas (Liquefied Natural Gas, kurz LNG) an Deutschland vorbei. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) setzt alles daran, diesen Zustand zu beenden. Auch Deutschland soll ein eigenes LNG-Terminal bekommen, die drei Standorte Brunsbüttel, Stade und Wilhelmshaven werben um den Zuschlag. Um die Bedeutung des Themas zu unterstreichen, lädt Altmaier am Dienstag zu einer prominent besetzten LNG-Konferenz in sein Ministerium ein.

Passend zu der Konferenz kann nun das Konsortium, das im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel ein LNG-Terminal plant, einen Erfolg verkünden: Man habe einen Vorvertrag „mit einem wichtigen Teilnehmer des LNG-Marktes erzielt“, sagte Daan Vos, Geschäftsführer von Oiltanking West, dem Handelsblatt, ohne den Namen des Vertragspartners zu nennen. „Es geht um die langfristige Nutzung eines beträchtlichen Teils der Kapazität unseres zukünftigen Terminals“, sagte Vos.

Es gebe ein „bemerkenswert hohes Interesse sowohl im deutschen als auch im europäischen und weltweiten Markt“. Bereits im September hatte der RWE-Konzern einen Vorvertrag mit dem Brunsbütteler Konsortium über die Buchung von LNG-Kapazitäten geschlossen.

Oiltanking ist gemeinsam mit der Nederlandse Gasunie und dem niederländischen Gas- und Öllogistik-Unternehmen Vopak Anteilseigner der German LNG Terminal GmbH, die das Projekt in Brunsbüttel vorantreibt. Oiltanking wiederum gehört zur Marquard & Bahls AG.

Entscheidung noch 2019

Die Anteilseigner wollen noch im März den Genehmigungsantrag für das LNG-Terminal stellen, möglichst 2019 soll auch die finale Investitionsentscheidung fallen. Ende 2022 könnte das Terminal in Betrieb gehen. Den jüngsten Planungen zufolge soll das Terminal acht Milliarden Kubikmeter Gas verarbeiten können. Das ist mehr, als nach ersten Projektentwürfen vorgesehen war. Acht Milliarden Kubikmeter entsprechen in etwa zehn Prozent des deutschen Erdgasmarktes des Jahres 2016.

Die Botschaft, die die Anteilseigner der German LNG Terminal GmbH passend zur Konferenz im Wirtschaftsministerium aussenden wollen, ist klar: „Seht her, in Brunsbüttel geht es voran!“

Unterstützt wird das Konsortium von der schleswig-holsteinischen Landesregierung. „Die weiter steigende Auslastung und die Beantragung einer höheren Gesamtkapazität für das Terminal in Brunsbüttel sind hocherfreulich und zeigen eindrucksvoll, dass ein LNG-Import-Terminal in Deutschland auf ein überaus positives kommerzielles Umfeld trifft“, sagte der schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) dem Handelsblatt.

Doch das Projekt in Brunsbüttel ist nicht ohne Konkurrenz. Auch Wilhelmshaven sieht sich im Wettbewerb der Standorte weit vorn. Erste Überlegungen für ein LNG-Terminal gab es hier schon vor über einem Jahrzehnt, damals vorangetrieben von Eon. Sie wurden später aber zu den Akten gelegt.

Heute hat Uniper das Thema wieder aufgegriffen. Das Düsseldorfer Unternehmen, in dem die Aktivitäten von Eon im Geschäft mit Kohle-, Gas- und Wasserkraftwerken aufgegangen sind, will den Weg bereiten für ein schwimmendes Terminal mit einer Kapazität von zehn Milliarden Kubikmeter Gas. Uniper hat eher die Position eines Mittlers.

Betreiben und finanzieren will das Vorhaben der japanische Konzern MOL. Die Anlage könnte „in der zweiten Jahreshälfte 2022“ in Betrieb gehen, heißt es bei Uniper. Ende Januar erklärte Uniper, man habe mit Exxon-Mobil einen Vorvertrag über die langfristige Buchung eines „erheblichen Teils“ der Kapazitäten des geplanten Terminals abgeschlossen. Als dritter Standort ist Stade im Rennen.

Grafik

LNG steht bei Bundeswirtschaftsminister Altmaier weit oben auf der Tagesordnung. Altmaier will insbesondere den USA signalisieren, dass Deutschland nicht allein auf Pipeline-Gas aus Russland, Norwegen und den Niederlanden setzt, sondern überdies offen ist für LNG-Importe aus den USA und anderen Ländern.

Bei der LNG-Konferenz am Dienstag sitzen die Amerikaner gleich mit am Tisch: Die beiden US-amerikanischen LNG-Verbände Center for Liquefied Natural Gas (CLNG) und LNG Allies sind ebenso geladen wie Dan Brouillette, stellvertretender US-Energieminister. Außerdem dabei: Fatih Birol, Chef der Internationalen Energie-Agentur (IEA), sowie die Vertreter der deutschen LNG-Projekte.

„Die Diversifizierung der Energieversorgung ist ein wichtiges Anliegen, und LNG-Importe können dazu einen Beitrag leisten“, heißt es dazu aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Der EU-Markt sei „grundsätzlich offen für LNG-Importe, das betrifft natürlich auch Importe aus den USA“. Aber sie würden nur Abnehmer finden, „wenn sie zu wettbewerbsfähigen Preisen angeboten werden“.

Die potenziellen Investoren für LNG-Terminals in Deutschland verbinden‧ den Termin im Bundeswirtschaftsministerium mit einem konkreten Wunsch: Sie wollen eine Korrektur der Pläne der Bundesnetzagentur. Nach Auffassung der Netzagentur fällt die Leitungsanbindung eines LNG-Terminals nicht in den Pflichtenkreis des Fernleitungsnetzbetreibers. Die Kosten für Bau und Nutzung der Anbindungsleitung könnten daher nicht über die Netzentgelte abgewälzt werden.

Die Terminal-Investoren müssen die Anbindungsleitung selbst bezahlen.

Altmaier hatte allerdings zuletzt signalisiert, dass er das Thema mit der Bundesnetzagentur besprechen wolle. Die Bundesregierung sei gefordert, „in der Frage der Anbindung des Terminals an das deutsche Ferngasnetz eine überzeugende Lösung zu finden, die eine Gleichbehandlung mit Pipelinegas sicherstellt“, sagte der schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Buchholz. Endgültige Investitionsentscheidungen würden vorher nicht fallen.

Lange war LNG für Deutschland kein Thema. Deutschland ist seit Jahrzehnten über Pipelines aus Russland, Norwegen und den Niederlanden bestens mit Erdgas versorgt. Allerdings stellen die Niederländer die Erdgasförderung 2030 ein, bereits ab 2023 wird die Produktion drastisch gedrosselt. Gleichzeitig wird die Gasnachfrage in Deutschland zumindest stabil bleiben. Allein der Kohleausstieg wird es unumgänglich machen, verstärkt Gaskraftwerke einzusetzen.

LNG ist teurer als Erdgas, das via Pipeline nach Deutschland kommt. Das liegt an dem aufwendigen Verfahren der Verflüssigung: Erdgas muss auf minus 160 Grad Celsius abgekühlt werden, um es zu verflüssigen. Dafür hat LNG dann nur noch den 600. Teil des Volumens von Erdgas in gasförmigem Zustand und kann mit Tankschiffen über die Weltmeere transportiert werden.

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