Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Gasversorgung Wie Polen den Bau von Nord Stream 2 ausbremsen will

Polen steht der geplanten Gaspipeline Nord Stream 2 von jeher sehr kritisch gegenüber. Nun kündigt das polnische Kartellamt ein Verfahren gegen das Projekt an.
11 Kommentare
Ein Mitarbeiter prüft tonnenschwere Rohre für die zukünftige Ostsee-Erdgastrasse Nord Stream 2 auf einen Lagerplatz im Hafen. Quelle: dpa
Nord Stream 2

Ein Mitarbeiter prüft tonnenschwere Rohre für die zukünftige Ostsee-Erdgastrasse Nord Stream 2 auf einen Lagerplatz im Hafen.

(Foto: dpa)

Berlin, Düsseldorf, WienDie Informationen der polnischen Kartellbehörde fiel dürftig aus: Man werde ein Verfahren gegen den russischen Gaskonzern Gazprom sowie die fünf an der Finanzierung von Nord Stream 2 beteiligten europäischen Unternehmen – Shell, Wintershall, Uniper, OMV und Engie – einleiten, teilte die Behörde am Mittwoch mit. Nach Einschätzung der Behörde verstößt das Projekt gegen polnisches Kartellrecht.

Aus Sicht Polens würde die Pipeline den Wettbewerb auf dem polnischen Gasmarkt behindern und Gazproms Verhandlungsposition gegenüber polnischen Gaskunden enorm steigern. Russland ist Polens wichtigster Erdgaslieferant. Die Polen wollen aber unabhängiger von russischem Erdgas werden. Sie verfügen mittlerweile über ein LNG-Terminal, über das sie beispielsweise verflüssigtes Erdgas aus den USA beziehen können.

Die europäischen Unternehmen, die sich an der Finanzierung von Nord Stream 2 beteiligen, waren ursprünglich gemeinsam mit Gazprom Teilhaber der Nord-Stream-2-Projektgesellschaft. Nicht zuletzt auf Betreiben Polens zogen die Unternehmen sich jedoch aus der Projektgesellschaft zurück und beschränkten sich darauf, das Projekt mitzufinanzieren. Doch das geht aus Sicht der polnischen Kartellbehörden nicht weit genug.

Bei Wintershall hieß es, man habe ein Schreiben der polnischen Kartellbehörde erhalten und prüfe dies. In Kreisen der beteiligten Unternehmen hieß es, die Ankündigung der polnischen Kartellbehörde liege im Rahmen des Erwartbaren. Uniper bestätigte dem Handelsblatt ebenfalls das Kartellverfahren. Man wolle den Sachverhalt prüfen.

„Wir halten weiterhin an unseren vertraglichen Verpflichtungen gegenüber Nord Stream 2 fest, von dessen energiepolitischer Sinnhaftigkeit für Deutschland und Europa wir vor dem Hintergrund der rückläufigen Erdgasproduktion in Europa überzeugt sind“, so ein Sprecher. „Dies ist ein Projekt für die nächsten Dekaden und damit immer auch ein Stück unabhängig von den aktuellen Entwicklungen. Deshalb gehen wir bei Uniper fest davon aus, dass das Projekt Nord Stream 2 auch realisiert wird.“

Der Ölkonzern OMV zeigt sich von den Vorbehalten unbeeindruckt. In der Wiener Konzernzentrale geht man fest von der Verwirklichung von Nord Stream 2 aus. OMV hat bereits 405 Millionen in die neue Ostsee-Pipeline investiert. OMV-Chef Rainer Seele gilt als enger Verbündeter des russischen Energieriesen Gazprom.

Zudem ist er Präsident der Deutsch-Russischen Industrie- und Handelskammer und verfügt über exzellente Verbindungen in den Kreml. Bei OMV betont man, dass sich Nord Stream 2 gegen kein einzelnes Land richte. Es fördere die Versorgungssicherheit.

Die Österreicher verweisen auf die große Verlässlichkeit der Russen. OMV kann sich auf die Rückdeckung der österreichischen Regierung verlassen. Denn die Alpenrepublik ist der größte Einzelaktionär des Öl- und Gaskonzerns. Den konkreten Vorgang bei den Kartellbehörden wollte keines der Unternehmen kommentieren.

Nord Stream 2 ist die Erweiterung der bereits bestehenden Nord-Stream-Erdgas-Pipeline, die Erdgas vom russischen Wyborg bis an die deutsche Ostseeküste leitet. Die Kapazitäten auf der Pipelinetrasse würden sich mit Nord Stream 2 verdoppeln.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Gasversorgung - Wie Polen den Bau von Nord Stream 2 ausbremsen will

11 Kommentare zu "Gasversorgung: Wie Polen den Bau von Nord Stream 2 ausbremsen will"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Es gibt kein Land das durch eigennütziges Verhalten auffällt wie Polen. Es wird Zeit die €5 Mrd. Strukturhilfe der EU für dieses Land zu streichen!

  • ja Herr Kabus,gibt es was schöneres, als ohne Gegenleistung Geld zu kassieren?? aber unverschämt ist es, auch noch zu glauben, dass man ein Recht darauf hat !!
    Genau so was haben wie auch in Deutschland!!
    Alle unsere kommunen kassiern für jede verbrauchte Killowattstunde Strom - vom örtlichen EVU auf Ihrem Boden, min. 1,3 cent !! Gegenleistung : Die Kommunalen Grundstücke und Strassen für die Stromdurchleitung von Strom zu gestatten !!

    Ohne eigene Leistung kassiern unsere Städte Millionenbeträge p r o JAHR !! vom örtlichen EVU...feine Sache für unsere chronisch klammen Kommunen...

  • Wenn sich Polen, wie im Artikel dargestellt, unabhängiger von russischem Erdgas machen wollen, dann sollen die doch ihr Gas von den USA beziehen.

    Alternativ können die es auch so wie die Ukraine machen:

    Die Ukraine leitet Gas nach Deutschland, kassiert die Transitgebühren und kauft von uns verbilligt Erdgas.

    Aber das wollen weder Polen und die Ukraine nicht: Beim Kauf von Gas in Deutschland auf die Einnahme der Transitgebühren verzichten.

  • Immer her mit LNG-Terminals UND Pipelines. Jeweils privat finanziert. Konkurrenz belebt das Geschäft.
    Klar, dass die Polen / Ukrainer aber auch die USA (LNG) das nicht wollen. Die haben jeweils andere Interessen.

  • Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Nachdem hier ja schon schön für Russland getrollt wurde, die EU hat mit der Kritik an Nordstream 2 vollkommen recht es macht keinen Sinn sich von russischem Gas abhängig zu machen . Wie man das Gegenteil davon tut haben die Letten eindeutig gezeigt : http://www.taz.de/!5029983/

    Auch Europa täte gute daran so zu aggieren anstatt sich in die Abhängigkeit eines Diktators zu begeben der Kriege in Osteuropa führt, die Krim annektiert hat und britische Staatsbürger bei einem Giftgasanschlag auf einen ehemaligen Spion verlezt hat.

    Wenn man sich in eine Rohstoffabhängigkeit begiebt sind die USA sicherlich das geringere Übel, die finanzieren mit dem verkauften Rohstoff auch keinen Einmarsch in die Ukraine oder den Schlächter Assad.

  • Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Der Neid der Besitzlosen bringt immer wieder neue Stilblüten hervor. Russland verfügt über die Ressourcen, die BRD benötigt diese Ressourcen zu einem angemessenen Preis und ein oder mehrere Zwischenhändler wollen daran partizipieren, ohne eigene Leistung, außer zur Verfügung gestelltes Gelände, zur Durchleitungsrohrinstallation. Miete sozusagen. Wenn diese Miete willkürlich zu hoch erpresst werden soll, daß marktwirtschaftliche Überlegungen kostensparender sind, darf man sich nicht wundern, wenn eine Rohrerweiterungskapazität die wesentlich günstigere Überlegung ist. Eine Frechheit ist, dies aus Trotz, nicht akzeptieren zu wollen. Polen, Ukraine und alle anderen Partiziparteure, versucht mit euren Ressourcen und Fähigkeiten ein Gleichgewicht zu schaffen. Dann funktioniert Wirtschaft. Wenn dies nicht möglich ist, schraubt eure Wünsche zurück!

  • Den Glauben, dass diese augenblickliche Regierung für das Wohl des deutschen Volkes tätig ist, hab' ich schon seit 2 Wahlperioden endgültig verloren. Der "Umbau" Deutschlands wird immer mehr zur Realität.

  • Bislang verlaufen die Pipelines die das russische Erdgas nach Westeuropa bringen über die Ukraine, bzw. Weissrussland und Polen. Die genannten Staaten erhalten hohe Durchleitungsgebühren zu Lasten Gazproms und der westeuropäischen Verbraucher. Mit der Pipeline die direkt von Wiburg (einst Finnland) über die Ostsee nach Deutschland führt werden diese Durchleitungsgebühren vermieden. Das ist der Grund dass die Pipeline in Polen und den anderen Transitländern auf Widerstand stösst.

    Die Alternative wäre das Erdgas soweit möglich zu substituieren. Dazu böte es sich an die Braunkohle von den rein (öko)religiös motivierten Auflagen und CO2 Zertifikaten zu entlasten, die umweltfreundlichen Kernkraftwerke wieder in Betrieb zu nehmen. Dies entspräche der Politk Deutschlands der 70er und 80er Jahre als man noch die Interessen des eigenen Landes vertreten hat, Kernenergie und Kohle

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%