Gauck-Coup der FDP Ein Totgesagter meldet sich zurück

Die FDP liegt auf der Intensivstation, doch im Präsidentenpoker mit der Union geben die Liberalen ein überraschendes Lebenszeichen ab. Der Preis ist eine vergiftete Stimmung in der Koalition. Die CDU sinnt auf Rache.
40 Kommentare

Berlin/DüsseldorfNur Minuten nach dem großen Sieg steht er vor dem Kanzleramt und grinst. Dann sagt er einen Satz, der tief in das Seelenleben der FDP blicken lässt. „Entscheidend ist, dass es gelungen ist, durchzusetzen, was wir wollten.“ Man muss sich diesen leicht verschachtelten Satz Philipp Röslers auf der Zunge zergehen lassen, und zwar Wort für Wort: „DURCHZUSETZEN, WAS WIR WOLLTEN“.  Röslers unbedachtes Statement, gesprochen kurz nach der offiziellen Verkündigung der Kandidatur von Joachim Gauck für das Präsidentenamt, verrät, wie sehr die FDP diesen Erfolg wollte.

Verzweifelt haben die Partei und ihr Vorsitzender in den vergangenen Wochen und Monaten nach einer guten Nachrichte gelechzt. Die Sehnsucht danach war offenbar so groß, dass die Liberalen alles auf eine Karte setzten. Sie waren bereit, eine handfeste Koalitionskrise mit ungewissem Ausgang zu riskieren, nur um endlich wieder in die Offensive zu kommen.

Die Möglichkeit dafür bot sich der FDP unverhofft. Bis zuletzt hatten sie zähneknirschend zu Christian Wulff halten müssen, war der Bundespräsident doch auch mit ihren Stimmen ins Amt gewählt worden. Seinen Rücktritt müssen die Liberalen als Befreiung erlebt haben. Auch deshalb dürften sie sich darüber geärgert haben, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel ihnen bei der Suche nach einem Nachfolger eine Statistenrolle zugedacht hatte und den parteiübergreifenden Kompromiss anstrebte. Wäre es zu einer Einigung zwischen CDU und SPD gekommen, die Liberalen hätten keine andere Möglichkeit gehabt als sie abzunicken.

Joachim Gauck (vorne) und Philipp Rösler bei der Pressekonferenz im Kanzleramt: Durchsetzen was wir wollten. Quelle: dpa

Joachim Gauck (vorne) und Philipp Rösler bei der Pressekonferenz im Kanzleramt: Durchsetzen was wir wollten.

(Foto: dpa)

Für Merkel waren nach der Absage ihres Favoriten Andreas Voßkuhle mehrere Kandidaten denkbar. Mit dem früheren Umweltminister Klaus Töpfer hätte sie gut leben können, genauso wie mit dem ehemaligen Vorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber. Nur gegen Gauck sperrte sich die Kanzlerin bis zuletzt. Sie wollte nicht auch noch öffentlich eingestehen, was ohnehin schon jeder weiß: Dass es ein Fehler war, bei der letzten Präsidentenwahl Wahl Christian Wulff gegen den Oppositionskandidaten Joachim Gauck durchzusetzen, und dass niemand anderes als die Kanzlerin persönlich die Verantwortung dafür trägt.

Keine Rücksicht auf Merkel
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Gauck-Coup der FDP - Ein Totgesagter meldet sich zurück

40 Kommentare zu "Gauck-Coup der FDP: Ein Totgesagter meldet sich zurück"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Noch ruhen meine Augen auf den Wahlen zur französischen Präsidentschaft und dort auf dem Gegenspieler des Gnomen, eben der Sozialist Hollande. Gewiß, er hat gute Cancen in Frankreich die Wahlen zu gewinnen, dann gute Nacht Angelah, der legt sich nämlich nicht gleich in anderer Leits Unterkunft.

  • @radiputz, Sie sprechen mir heut aus der Seele.
    Die Dame trifft zwei gigantische Fehlentsscheidungen, findet in ihrem abgekastelten Beraterkuckucksheim keinen Zugang zur Stimmung der Bevoelkerung, vergeigt mit inkompetenten EU Aufsichtsbehoerden, kriminellen Banken hunderte von MRD Euro und die Michels freuen sich ueber die eiserne Lady.

    Die gr Privatbanken wackeln taeglich Merkels Entengang, so schwach sind sie auf der Brust. Die Emporikibank ist Tochter eine franz. Grossbank. Was glauben Sie steht da uns noch bevor..?

    Es geht nur noch mit Politsatire....
    Soll mir später hier keiner sagen, wir haetten es nicht gewusst.

  • Die Umfragewerte für die FDP werden nach diesem Kantersieg deutlich steigen: von 2 % auf vielleicht 3 %. In gut 2 Jahren werden sie in keinem Parlament mehr vertreten sein - und das ist auch gut so!

  • Glaube ich auch nicht. Wulff hätte sich nur kurz vor dem letzten Niederschlag äußern müssen, dass er so etwas wie eine Verschwörung vermutet, weil er unter Umständen nicht bereit ist, zu unterzeichnen und der Teufel wäre losgewesen, mit allen Konsequenzen auf den Finanzmärkten und allem drum und dran, völlig unmöglich und ausgeschlossen. "Das Ding läuft durch" mit allen kurz und mittelfristigen Fogeerscheinungen. Jeder BP wird unterzeichnen oder er wird dazu gebracht mit welchen Mitteln auch immer. Aber er wird schon aus eigener "Einsicht" ins Unvermeidliche unterschreiben möge er Skrupel haben soviel er will.
    Das ist Realismus.

  • rapid hat recht, jetzt aber rapidamento etwas witziger und lockerer im HB und nicht so verbiestert...
    macht Witze, die Zeitläufte sind witzig wie selten...
    Zwei gepurzelte BP´s während einer Kanzlerschaft gabs noch nie...

  • Wenn der asiatische Offizier aus der FDP entfernt ist, macht es wieder Sinn über die Zukunft der FDP zu dikutieren.

  • Die schwäbische Übersetzung zur Umsetzung liberaler Befindlichkeiten im Zuge von schwargelber Koalitionen. Funktionierte dort hervorragend, meist zum Leidwesen der Kirchgänger.

  • @LiberalerWaehler - Die Retourkutsche könnte eine Kabinettsumbildung in der Wunschkoalition sein, irgendjemand bliebe auf der Strecke, der ohnehin nur in der Landschaft steht. Könnte es sein, daß die Kanzlerin das Kabinett "aus Kostengründen" verkleinert? Aus Liebe wird Hass und aus Hass Wut. Dahingehend ist alles möglich. Warum soll es in der Politik im zwischenmenschlichen Bereich anders sein? Irgendwas wird kommen, so in der Richtung, je schneller, je eher hat die Koalition fertig. Danke.

  • wohl letzte Lockerungen vor high noon , wie....?

    (Wo schwirren die Euros, ich will sie fangen!)

  • ...damit es was zu lachen gibt und nicht alles in Langeweile und Trübsal versinkt.

    Hugh ich habe gesprochen, der große Häuptling
    Winnetou

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%