Geburt, Kindergeld und Elterngeld Willkommen im Land der Bürokratie!

Ein Kind kommt zur Welt. Doch der deutsche Staat empfängt es mit überbordender Bürokratie. Anträge, Urkunde und Bescheide: Das Erlebnisprotokoll eines jungen Vaters.
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Herzlich Willkommen in Deutschland: Neugeborene werden mit überbordender Bürokratie empfangen, die Eltern dürfen es ausbaden.

Herzlich Willkommen in Deutschland: Neugeborene werden mit überbordender Bürokratie empfangen, die Eltern dürfen es ausbaden.

DüsseldorfMit der Geburt beginnt der Lauf des Lebens – und der Lauf durch die Amtsstuben. Frischgebackenen Eltern macht es der deutsche Staat heutzutage ziemlich leicht? Denkste!

Die Anmeldung des Neugeborenen, Anträge auf Mutterschaftsgeld, Kindergeld, Elternzeit und Elterngeld – was mir nach der Geburt unserer Tochter bevorstand, hatte ich im Vorhinein in Erfahrung gebracht. Nicht vorbereitet war ich auf die Bürokratie, die mich dabei erwartete. Ich traf auf desillusionierte Beamte und einen rückständigen Amtsapparat, der seine Arbeitsabläufe in den vergangenen Jahrzehnten offenbar kein bisschen verändert hat. Auch wenn es zu guter Letzt doch irgendwie gut ging: das war alles äußerst aufwendig.

Verwaltungsakt 1: im Krankenhaus

Tobias Döring ist Redakteur bei Handelsblatt Online Quelle: Frank Beer für Handelsblatt

Tobias Döring ist Redakteur bei Handelsblatt Online

(Foto: Frank Beer für Handelsblatt)

Nach der Geburt melde ich dem Krankenhaus, dass unsere Tochter geboren wurde – und vor allem, dass wir die Eltern sind. Vom Kreißsaal sind diese Infos noch nicht an die Anmeldung gelangt. Immerhin geht es sonst unkompliziert, die gute Frau will aber nicht unsere Personalausweise sehen, sondern die Hochzeitsurkunde. Diese kopiert, den Namen der Tochter notiert und ab geht der Datensatz zum Standesamt. Elektronisch, nicht postalisch – darüber bin ich schon überrascht. Und das erst recht nach den folgenden Bürokratie-Erlebnissen.

Verwaltungsakt 2: im Standesamt

Am „Folgetag“ liegt die Geburtsmeldung im Standesamt meiner Stadt vor – die IT-Schnittstellen arbeiten offenbar langsam. Was der Beamtin jedoch fehlt, sind unsere Geburtsurkunden. Damit habe ich nicht gerechnet, schließlich habe ich doch unsere Hochzeitsurkunde mitgebracht. Und diese hatten wir schließlich nur bekommen, weil wir bei der Anmeldung der Hochzeit beglaubigte Geburtsurkunden der Standesämter unserer Geburtsstädte vorgelegt hatten. Das Standesamt misstraut also seinen eigenen Mitarbeitern beziehungsweise wird vom Gesetzgeber dazu gezwungen.

Alles Zetern hilft nichts: Eltern anrufen, Familienbücher abholen. Ein zweiter Gang zum Standesamt muss her – diesmal mit Erfolg. Nun ja, mit einem Anfangserfolg, denn obwohl ich diesmal die Geburtsurkunden vorlege, kann ich die Geburtsurkunde unserer Tochter noch nicht mit nach Hause nehmen. „Ich rufe Sie dann im Laufe der nächste Woche an“, sagt die Beamtin. Es ist Donnerstag, fünf Tage nach der Geburt. „Wahrscheinlich muss der Amtsleiter persönlich unterschreiben“, denke ich mir nicht ohne Frust. Am Montag ist es dann soweit: der Anruf. Am Dienstag erhalte ich schließlich vier Urkunden, eine darf ich behalten (Kosten: 10 Euro), drei „zweckgebundene“ muss ich verteilen. Zeit für den nächsten Verwaltungsakt.

Acht Wochen Bearbeitungszeit – und Bürokratie lebenslang
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14 Kommentare zu "Geburt, Kindergeld und Elterngeld: Willkommen im Land der Bürokratie!"

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  • Steckt hinter der ganzen Bürokratie – so, wie sie jetzt ist und wie ich sie als Angestellte im ÖD tagtäglich erlebe – eigentlich irgendein „tieferer Sinn“, den der gemeine Bürger aufgrund seiner vermeintlich beschränkten Intelligenz bloß nicht zu erkennen imstande ist, oder ist sie nicht doch in erster Linie dem Bedürfnis der „Obrigkeit“ geschuldet, „ihren“ Untertanen klar zu machen, wo ihr Platz ist (und wer das Sagen hat)??!

    Rein prophylaktisch, für den Fall, dass mal einer aus dem Fußvolk auf die Idee kommen sollte, allzu laut darüber nachzudenken, ob der weitaus größte Teil davon wirklich sein muss (statt sich pflichtschuldig aufs Meckern zu beschränken), und ob es nicht auch anders und vor allem wesentlich effizienter (= besser) ginge – und das für jedermann und in jeder Hinsicht! - wenn „man“ (jaja, wer??) einfach mal versuchen würde, die lieben Bürger zum Mitdenken zu animieren??!

    Wir haben wahrhaftig Wichtigeres zu tun als unsere Zeit mit solchen kontraproduktiven, weil die Wirtschaft abwürgenden „Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen“ totzuschlagen!!!

  • Wie heißt es doch so schön?
    "Von der Wiege bis zur Bahre, Formulare-Formulare"

  • Kleiner Trost für Herrn Döring: Wehen tun mehr weh :-)

    Im Übrigen werden die Zuständigkeiten für das Elterngeld wohl wirklich unterschiedlich gehandhabt. Bei mir war nichts "städtisch", sondern eine Stelle der Landesbehörde. Während meine Schwangerschaft hatte ich doch etwas Zeit, mich über diese Formalitäten vorab zu informieren. Infos gibt es auchh online haufenweise, war also nach der Geburt nichts mehr Überraschendes dabei.

    Natürlich könnte man der Elterngeldstelle einfachhaltshalber sein Einverständnis übermitteln, zwecks Einkommen auf die Daten bei der Finanzbehörde zurückzugreifen. Will ich das? Nö!

    Am besten wir geben unsere Daten nur noch online an, damit die dann vernetzten Behörden wie sie es brauchen oder einfach so, diese nutzen und damit was anstellen können. Fehler und Missbrauch inklusive.

    Herr Döring, herzlichen Glückwunsch - jedenfalls zur Geburt Ihrer Tochter!

  • Lieber Kohl,
    es geht sicher nicht um Undankbarkeit gegenüber der (Rück-)verteilung unserer Steuern an uns Bürger. Meine Frustration ist motiviert durch die Diskrepanz zwischen den Möglichkeiten effizienten Handelns in einer digitalisierten Welt des 21. Jahrhunderts und der Realität in der deutschen Bürokratie. Für Eltern sind, wie Sie sicher wissen, die ersten Tage nach einer Geburt nicht unbedingt stressfreie Zeit, die zum Laufen von Pontius zu Pilatus als Vertreib der Langeweile einlädt.
    In den Bereichen, die im (wirtschaftlichen) Eigeninteresse der Behörden liegen, klappt vieles sofort und digital. Nur die jährlich 2 Mio. Betroffenen (knapp 700Tsd. Geburten plus je 2 Eltern)profitieren nicht vom mit viel Tam-Tam beschlossenen E-Government-Gesetz.
    Um es kurz zu machen, als Bürger erwarte ich Professionalität in Politik und Verwaltung (schließlich wollen die ja auch Geld dafür, und nicht zu knapp) auf ähnlichem Niveau wie in der Wirtschaft.

  • Ehrlich gesagt, finde ich alles nicht so dramatisch und den Kommentar übertrieben. Vieles ist doch leicht zu erklären, wenn man sich die Mühe macht die Hintergründe zu vertehen. Ich arbeite übrigens nicht für den Staat, versuche aber das ein oder andere aus einem andere Blickwinkel zu sehen und bin selbst Vater.
    Warum muss man z.B. die Untersuchungen beim Kinderarzt absolvieren? Erstens, weil es Eltern gibt, die zu faul dafür sind. Und zweistens, vor allem damit Kindesmisshandlung auch frühzeiig erkannt werden kann. Oder: Warum muss man der Krankenkasse eine Meldung schicken? Natürlich damit diese überhaupt bescheid weiß (es gibt viele Krankenkassen) und damit man deren Leistungen (=u.a. Geld) in Anspruch nehmen kann Warum muss man sich beim Standesamt melden? Damit die Stadt auch hier Leistungen erhalten kann (u.a. Länderfinanzausgleich), die auch oder gerade dem Bürger zu gute kommen. Man kann es natürlich wie in den USA machen, da gibt es keine Meldepflicht, aber da floriert z.B. das Geschäft mit dem Identitätsklau (für Leistungen des Staates, Kreditkartenbetrug, Leistungen der Krankenversicherung, etc.) Wollen wir amerikansiche Verhältnisse? Oder noch schlimmere Bedingungen? Wenn es keine "geordneten" Verhältnisse mehr gibt, dann brennt hier aber das Forum.
    Beim Elterngeld ist es ähnlich, es ist eine Geld-Leistung, die man erhält. Natürlich muss die Stadt dann prüfen, wie vorher der Verdienst war. Der Erfolg dieser Maßnahme bedingt dann die lange Bearbeitungszeit. Wollen wir mehr Steuern zahlen, damit mehr Mitarbeiter auf dem Amt sind?

    Natürlich kann man das ein oder andere verbessern, aber sie kosten auch Geld (z.B. eine einheitliche IT-Infrastruktur für die Verwaltung oder mehr Mitarbeiter), das vom Steuerzahler, also uns kommt. Oder schraubt man seine Ansprüche herunter und ist "dankbar" für all die Leistungen, die Kinder selbstverständlich in Deutschland erhalten?

  • Ist ja schön und gut, aber versuchen Sie das gleiche Spiel mal wenn Sie nicht verheiratet sind. Da haben Sie als Mann aber richtig Spaß mit Bürokratie, die vielleicht sogar ab und an willig oder in der Lage wäre etwas zu tun, aber der deutsche Rechtszwang der Ehe Ihnen überall das Leben schwer macht. Wenn da nicht im Vorfeld schon durch den Bürokratiedschungel von Vollmachten, Anträgen auf gemeinsames Sorgerecht usw. gehen, können Sie den beschriebenen Weg maximal teilweise überhaupt gehen.
    Die Menschen sind halt mittlerweile für den Staat da und nicht umgekehrt!

  • Sozialismus und Staatsdirigismus sind in Deutschland auf allen Feldern auf dem Vormarsch, leider!

  • Noch besser sind dann die Nachfragen nach der Geburt. Das Krankenhaus hätte diverse Sachen bzgl. der Untersuchungen nicht gemeldet. Ist natürlich super, dass man uns dazu gefragt hatte und nicht das Krankenhaus, in dem wie auch bei den Ämtern alles nach Anno dunnemal abläuft. So durfte ich 3 Mal bei der Aufnahme des Kindes meine Adresse sagen, da die Software das wohl an unterschiedlichen Stellen 3 Mal erhebt und der Mitarbeiter sich das nicht die 5 Minuten merken kann. Da man die Bürokratie ja schon von der Hochzeit kennt, sollte es aber für die Eltern kein Problem sein - es sei denn sie haben noch nicht geheiratet. Ich kann ohnehin bereits ein Buch schreiben, da unser Kind behindert ist und da sind viele Anträge (natürlich auf Papier) an der Tagesordnung. Dafür bekommt man dann z.B. Geld für familienentlastenden Dienst. Allerdings bekommmt man niemanden, der das für das Geld machen will - lauter so Schoten. Hauptsache es liegt irgendwo Papier und ein paar Beamte sind von der Straße weg. Auf Griechenland brauchen wir allerdings so nicht schimpfen...

  • Verzeihung bitte,

    aber ich möchte nicht, dass in deutschen Kindergärten und Schulen der Ausländeranteil überwiegt und man sich nach deren Kultur richten muss.

    Und ich verzichte hier auf Beispiele aus der Praxis, da ja bekanntlich alles bestens ist.

    Das ist nicht unsachlich, sondern mein Recht auf freie Meinungsäußerung. Auch, wenn es den guten Menschen im Forum nicht in den Kram passt.

  • Steuer Ident Nummer. Die bekommt jeder mit Geburt verpasst. Ist wie eine Hundemarke. Hat nichts mit der Steuernummer gemein.

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