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Corona-Epidemie

Die Ministerien von Jens Spahn (l.) und Horst Seehofer haben den Krisenstab eingerichtet.

(Foto: Reuters)

Gefahr der Pandemie Weitere 21 Corona-Infizierte in Deutschland – Bund rüstet gegen das Virus auf

In NRW und Baden-Württemberg gibt es weitere Infektionen. Auch Hamburg und Hessen melden erstmals eine Coronavirus-Erkrankung. Gesundheits- und das Innenministerium richten einen Krisenstab ein.
27.02.2020 Update: 27.02.2020 - 23:58 Uhr Kommentieren

Berlin, Düsseldorf Das Coronavirus, im Fachjargon Sars-CoV-2 genannt, breitet sich in Deutschland aus – inzwischen so schnell, dass die Bundesregierung einen Krisenstab einsetzt. Die Lage habe sich „deutlich verschärft“, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) in Berlin. Jetzt müsse alles dafür getan werden, die Verbreitung des Virus einzudämmen und zu verlangsamen.

Der Krisenstab habe deshalb zwei Aufgaben, betonte Seehofer: „Infektionsketten in Deutschland unterbinden. Und Infektionsketten nach Deutschland in den Griff bekommen.“

Grenzschließungen oder die Abriegelung von Städten seien rechtlich möglich, „aber aus unserer Sicht – Stand heute – nicht notwendig“, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). In den vergangenen Wochen war es gelungen, jeden Infektionsfall in Deutschland zu isolieren. Doch das wird angesichts der raschen Ausbreitung zunehmend schwierig und möglicherweise bald unmöglich.

Eine Befürchtung, die sich am Abend verstärkte: Im Kreis Heinsberg wurden 14 neue Fälle bestätigt, teilte das Gesundheitsministerium in Düsseldorf mit. Damit seien in NRW nun insgesamt 20 Personen infiziert. Und in Baden-Württemberg haben sich nach Angaben des Sozialministeriums in Stuttgart vier weitere Menschen mit dem neuartigen Virus infiziert. Damit ist die Zahl der bestätigten Infektionen in dem Bundesland auf acht gestiegen. In Bayern gab es ebenfalls einen neuen Fall. Auch Hamburg und Hessen meldeten am späten Abend jeweils eine nachgewiesene Erkrankung.

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    Ausnahmezustand in Heinsberg

    Es ist Donnerstagmorgen neun Uhr, als der Heinsberger Landrat Stephan Pusch das Wort an seine Mitbürger richtet. Pusch, weißes Hemd ohne Sakko, sitzt an einem runden Holztisch in der Verwaltung der nordrhein-westfälischen Kreisstadt. In seiner Stadt herrscht Ausnahmezustand.

    Der CDU-Politiker hat nicht viel geschlafen in den vergangenen Tagen. Immer wieder muss er nach Düsseldorf, um sich mit dem Innen- und Gesundheitsministerium zu beraten. Nun aber spricht Pusch per Videobotschaft zu den Heinsberger Bürgern.

    Der Landrat hat schlechte Nachrichten: Neben dem Ehepaar, das mit dem Coronavirus infiziert ist, wurden am Vorabend drei weitere Menschen in Heinsberg positiv getestet. Pusch spricht über die Karnevalssitzung, auf der neben den Infizierten etwa 300 Menschen gefeiert haben. Und davon, dass es jeden in Heinsberg hätte treffen können. „Bis vor ein paar Tagen war das Coronavirus für uns alle noch unheimlich weit weg“, sagt er. Nun sind Schätzungen der Behörden rund 1000 Menschen in Heinsberg unter häuslicher Quarantäne.

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    An dieser Freitag soll der neue Krisenstab des Bundes darüber beraten, ob Großveranstaltungen wie Fußballspiele abgesagt werden sollten. Auch die für Ende April angesetzte Hannover Messe steht auf der Kippe. Ob sie stattfinden soll, werde Mitte März entschieden, erfuhr das Handelsblatt aus Regierungskreisen. Das Risiko bei einer solch großen Industriemesse mit Vertretern und Ausstellern auch aus vom Coronavirus betroffenen Regionen sei groß.

    „Auch die Verkehrswege nehmen wir in den Blick“, sagte Innenminister Seehofer. Im ersten Schritt sollen Fluggäste und Schiffspassagiere sogenannte Aussteigerkarten ausfüllen, damit die Behörden sie kontaktieren können, sollte sich herausstellen, dass ein Infizierter unter den Mitreisenden war.

    Gleiches soll so schnell wie möglich für Bus- und Bahnfahrten eingeführt werden. Auch mit der Verfügbarkeit von Schutzausrüstung wie Handschuhen und Atemmasken will sich der Krisenstab befassen. Es drohen Engpässe, da viele Länder ihre Bestände aufstocken wollen und mit China einer der Hauptlieferanten ausfällt.

    Das Virus, an dem in China schon mehr als 2700 Menschen starben, wurde inzwischen auf allen Kontinenten nachgewiesen. In Europa sind die nördlichen Regionen Italiens das Hauptverbreitungsgebiet. Im Nahen Osten ist es der Iran. Die USA kündigten an, aus humanitären Gründen ihre Sanktionen gegen Teheran zu lockern.

    Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Coronavirus-Ausbreitung „das Potenzial einer Pandemie“. Kein Land solle annehmen, dass dort keine Fälle auftreten, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus.

    Mittlerweile ist die Zahl der täglichen Neuinfektionen außerhalb Chinas größer als in China. In Südkorea allein wurden am Donnerstag mehr als 500 neue Fälle bekannt. In China selbst kamen 433 Fälle hinzu.

    In Japan beschloss die Regierung, alle Grund- und weiterführenden Schulen im Land bis Ende März geschlossen zu halten. Angesichts der Angst vor Ansteckungen erlaubt Saudi-Arabien Ausländern keine Anreisen mehr zu den wichtigen islamischen Pilgerstätten Mekka und Medina.

    Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kündigte eine „Informationsoffensive“ an. Mit Zeitungsanzeigen und Radiospots sollen Urlaubsrückkehrer sensibilisiert werden. Krankenkassen sollen künftig die Kosten für Tests übernehmen.

    Es gelte, die richtige Balance zu finden: einerseits eine „hohe Aufmerksamkeit“ für das Infektionsrisiko zu erzeugen, andererseits aber keine Panik zu schüren. In der Regel verläuft die Viruserkrankung mild bis mittelschwer, Lebensgefahr besteht nur für Patienten, die an Vorerkrankungen leiden. Doch das ist angesichts der rasanten Verbreitung des Virus kein Grund zur Entwarnung. Spahn spricht von einer „beginnenden Epidemie“.

    Die könnte auch der Wirtschaft zu schaffen machen. Die Bundesregierung erwägt deshalb nach Handelsblatt-Informationen Stützungsmaßnahmen für Unternehmen, falls die Epidemie die deutsche Wirtschaft stark treffen sollte. „Wir prüfen derzeit verschiedene Szenarien und Hilfen für die Wirtschaft“, hieß es in Regierungskreisen. Je nachdem, wie stark das Virus sich verbreite, gebe es unterschiedliche Möglichkeiten zum Gegensteuern.

    Hilfe für die Unternehmen

    Ein Plan mit möglichen Maßnahmen, an dem im Finanz- und Wirtschaftsministerium gearbeitet wird, soll in wenigen Tagen vorliegen. Auch die EU-Kommission erwägt nach den Worten von Wirtschaftskommissar Thierry Breton Hilfen für Branchen, die besonders von der Ausbreitung des Coronavirus betroffen sind. Dazu gehörten die Tourismus- und die Autoindustrie.

    Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hatte am Donnerstag ein koordiniertes wirtschaftspolitisches Vorgehen der Bundesregierung angemahnt. „Die Corona-Epidemie ist ein Stresstest für die Wirtschaft, den einige Lieferketten mit starkem China-Fokus derzeit nicht bestehen“, sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang.

    „Die Auswirkungen des Virus sind in der globalen Wirtschaft und der exportorientierten deutschen Industrie deutlich zu registrieren.“ Die mehr als 5000 deutschen Unternehmen in China seien derzeit in Beschaffung, Produktion und Absatz stark eingeschränkt.

    Coronavirus: „Keinesfalls panisch werden und alles verkaufen”

    Neben klassischen konjunkturellen Stützungsmaßnahmen wie Steuersenkungen prüft die Bundesregierung vor allem, wie sie einzelnen Unternehmen helfen kann, die besonders vom Virus betroffen sind. In der Vergangenheit hatte die Bundesregierung bereits einen Fonds für Flutschäden eingerichtet, an den sich auch Unternehmen wenden konnten. Ebenso hatte die Landwirtschaft 2018 wegen anhaltender Dürre gesonderte Hilfen erhalten. 

    Ökonomen halten im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen des Virus wenig von einem klassischen Konjunkturprogramm und Steuersenkungen. Denn der Corona-Schock trifft nicht die Nachfrage-, sondern die Angebotsseite der Wirtschaft. „Kranke Arbeitskräfte und Zulieferungen fallen aus, dagegen hilft kein Konjunkturprogramm“, sagte RWI-Konjunkturchef Roland Döhrn dem Handelsblatt.

    IfW-Konjunkturchef Stefan Kooths sieht das genauso: „Güter, die sich nicht produzieren lassen, kann auch der Staat nicht ersetzen.“ Flächendeckende Steuersenkungen würden daran nichts ändern. „Die einzig sinnvolle Maßnahme ist die Förderung der Kurzarbeit, wenn wegen fehlender Zulieferungen Fabriken stillstehen sollten“, sagte Döhrn.

    Entsprechend schränken Regierungsvertreter ein, die Bundesregierung könne die wirtschaftlichen Folgen einer Epidemie allenfalls abfedern. „Die Störung globaler Wertschöpfungsketten wird man auch mit konjunkturellen Maßnahmen nicht in den Griff bekommen können“, hieß es. Wenn Unternehmen von ihren Zulieferern keine Vorprodukte mehr bekämen, könne die Bundesregierung daran nichts ändern.

    Mehr: Einschnitte wegen des Coronavirus: Bundesregierung bereitet Hilfe für Unternehmen vor

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