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Gemeinschaftsforschung Der innovative Mittelstand bleibt bei der Förderung auf der Strecke

Größere Unternehmen und Digitalisierungsinitiativen erhalten viel Geld vom Wirtschaftsministerium. Für forschende Mittelständer bleibt wenig übrig.
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Die 850 Pfähle für das Wüstengebäude haben Maschinen aus dem bayerischen Schrobenhausen in den Wüstenboden gerammt. Quelle: Reuters
Das Burj Khalifa

Die 850 Pfähle für das Wüstengebäude haben Maschinen aus dem bayerischen Schrobenhausen in den Wüstenboden gerammt.

(Foto: Reuters)

BerlinDer Burj Khalifa in Dubai ist das höchste Gebäude der Welt: 163 Etagen, 828 Meter hoch. Der Wolkenkratzer steht auf 850 Pfählen mit einem Durchmesser von ein bis eineinhalb Metern, die bis 50 Meter tief im Boden gründen. Die Pfähle haben Maschinen aus dem bayerischen Schrobenhausen in den Wüstenboden gerammt.

Die dortige Bauer Maschinen GmbH ist Weltmarktführer – ermöglicht hat das auch die Forschungsförderung des Bundes. Denn „nur dank einem Projekt der industriellen Gemeinschaftsforschung konnten wir den Dieselverbrauch unserer Maschinen pro Pfahl drastisch um fast ein Viertel, 120 Liter, senken“, erzählt Geschäftsführer Sebastian Bauer. „Das hilft uns nun auch gegen die mächtige Konkurrenz aus China, die Peking massiv fördert.“

Allein wäre auch sein Unternehmen, trotz immerhin gut 1.000 Mitarbeitern, die nötige Forschung nicht angegangen: „Schließlich haben wir nur einen einzigen hauptamtlichen Forscher“, so Bauer. Und als Gemeinschaftsprojekt kämen die Erkenntnisse auch anderen Spezialmaschinenbauern zugute.

Mit dem Beispiel aus der eigenen Branche illustriert Bauer, wie segensreich Innovationsförderung für den Mittelstand sein kann. Doch die GroKo lässt den forschenden Mittelstand auf längst versprochene Mittel warten.

Generell steht Innovation zwar hoch im Kurs: Drei Milliarden Euro sollen in Künstliche Intelligenz fließen, fünf Milliarden in den Digitalpakt Schule, eine neue Agentur für Sprung-Innovationen ist geplant, und der seit Jahren versprochene Steuerbonus – die Zeiten für innovative Unternehmen sind gut. Dennoch herrscht bei forschenden Mittelständlern Enttäuschung.

Denn seit drei Jahren verspricht das Wirtschaftsministerium, die Mittel für die „industrielle Gemeinschaftsforschung“ kräftig auf 200 Millionen Euro pro Jahr aufzustocken – eine im Vergleich zu den Milliardenvorhaben eher geringe Summe.

Eckpunkte dazu aus der letzten Legislatur hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) noch vor Kurzem bekräftigt. Doch im Haushalt stehen wieder nur wie im Vorjahr 169 Millionen – also real eine Kürzung. Kurzfristig war sogar ein Abschlag geplant.

Innovationspotenzial verschenkt

Das kann nicht sein, erklärt Sebastian Bauer, seit Kurzem Präsident der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ (AiF). „Herr Altmaier lässt ein riesiges Innovationspotenzial links liegen“, meint der bayerische Unternehmer, dessen Maschinen rund um den Globus eingesetzt werden.

„Wenn wir unser weltweit einzigartiges System zur Unterstützung forschender Mittelständler austrocknen lassen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn die Innovationskraft der kleinen und mittleren Unternehmen immer weiter zurückgeht“, warnt Bauer. „Der Bund investiert Milliarden in Hightech und Digitalisierung, was wir sehr begrüßen, aber es gibt noch sehr viel mehr Technologiefelder, in denen der innovative Mittelstand ebenfalls sehr stark ist und die volkswirtschaftlich bedeutsam sind.“

Die Industrielle Gemeinschaftsforschung (IgF), die die AiF mit Bundesmitteln organisiert, unterscheidet sich von anderen Forschungsförderungen: Die Unternehmen organisieren sich branchenweit und definieren gemeinsam, welche Forschung sie brauchen.

Das Geld fließt dann ausschließlich an Forscher in Hochschulen oder Einrichtungen wie Fraunhofer-Institute, die im Auftrag der Mittelständler arbeiten. Die Mittelständler müssen zudem Eigenleistungen einbringen und organisieren die Programme auf eigene Kosten.

Die Firmen selbst erhalten kein Geld, und die Ergebnisse kommen immer einer ganzen Branche zugute. Das System funktioniere seit 1954. „So gut, dass es die japanische Politik gern kopieren würde, allerdings noch nicht auf die nötige Eigeninitiative der dortigen Unternehmen bauen kann“, berichtet Bauer.

Warnungen vor der nachlassenden Innovationskraft des deutschen Mittelstands sind fast schon Routine: Nach Erhebungen der KfW ist der Anteil der innovativen Unternehmen unter den kleinen und mittleren im Laufe eines Jahrzehnts von 43 auf nur noch 22 Prozent zurückgegangen.

Die Summe der Ausgaben für Forschung und Entwicklung der Unternehmen mit bis zu 499 Mitarbeitern ist zwar absolut leicht um 14 Prozent gestiegen – gemessen an ihrem Umsatz aber gesunken. Zum Vergleich: Die Investitionen der größeren Unternehmen dagegen sind in zehn Jahren um satte 50 Prozent gestiegen.

Zu wenige Investitionen

Der deutsche Mittelstand schöpft auch das Potenzial der Digitalisierung längst nicht aus, zeigt eine Studie der KfW. Demnach hat in den vergangenen drei Jahren nur jedes vierte kleine oder mittlere Unternehmen in den Einsatz digitaler Technologien investiert. Daher ist es auch ein explizites Ziel der Hightech-Strategie der Bundesregierung, dass „wieder mehr Mittelständler am Innovationsgeschehen teilnehmen“.

Iris Plöger aus der BDI-Hauptgeschäftsführung fordert daher eine „langfristige und auskömmliche Förderung der transferorientierten Programme, insbesondere auch der industriellen Gemeinschaftsforschung“. „Die IGF muss auf 200 Millionen Euro aufgestockt werden, um mehr Innovation im Mittelstand zu ermöglichen“, verlangt auch Anja Hajduk, Vizechefin der Grünen-Bundestagsfraktion.

Die abermals ausgefallene Erhöhung der IGF-Mittel zeige jedoch, dass es der Regierung „scheinbar nicht am Herzen liegt, jetzt in die Zukunft der deutschen Wirtschaft zu investieren“. Das Wirtschaftsministerium lobt zwar, es gelinge der Industriellen Gemeinschaftsforschung „immer wieder erfolgreich, den Transfer von Ideen in den Markt zu unterstützen“.

Auf die versprochene Etaterhöhung geht das Haus von Altmaier in einer schriftlichen Antwort jedoch nicht ein. Es verweist lediglich darauf, dass es die Mittel doch schon 2017 um 30 auf 169 Millionen erhöht habe. Dieses Niveau werde man bis 2022 sicherstellen – eine Erhöhung fällt wohl aus.

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