Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Generation Corona Familienministerium will Milliarde aus dem Aufholpaket schnell ausgeben

Kinderfreizeitbonus, Sprach-Kitas, Schulsozialarbeit: So wollen Bund und Länder die Langzeitfolgen der Corona-Pandemie für Kinder und Jugendliche abmildern.
14.06.2021 - 17:36 Uhr Kommentieren
Das Bundesfamilienministerium will unterstützen, dass Kinder und Jugendliche ihr soziales Leben wiederbekommen, Freunde treffen, Sport treiben und Freizeitangebote nutzen können. Quelle: dpa
Kinder beim Spielen

Das Bundesfamilienministerium will unterstützen, dass Kinder und Jugendliche ihr soziales Leben wiederbekommen, Freunde treffen, Sport treiben und Freizeitangebote nutzen können.

(Foto: dpa)

Das Bundesfamilienministerium will die Gelder aus dem „Aktionsprogramm Aufholen nach Corona“ möglichst zügig für Kinder und Jugendliche zur Verfügung stellen. Dafür sollen in erster Linie bestehende Programm aufgestockt werden.

„Wir nutzen unser bundesweites Netz von Partnern, weil es anders überhaupt nicht möglich wäre, so viele Mittel in so kurzer Zeit konkret vor Ort einzusetzen“, sagte Staatssekretärin Juliane Seifert am Montag in Berlin. Es handele sich um „bewährte und stabile“ Programme.

Für das Aufholpaket stellt die Bundesregierung insgesamt zwei Milliarden Euro für Kinder und Jugendliche und deren Familien zur Verfügung. Eine Milliarde Euro fließt dabei über das Bildungsministerium in Nachhilfe- und Förderprogramme für Schüler mit Lernrückständen. Eine weitere Milliarde Euro vergibt das Familienministerium für frühkindliche Bildung, Schulsozialarbeit und für den Freizeitbereich.

Die ersten Angebote würden ab dem Sommer konkret, teilte Seifert mit. Es handele sich aber nicht um „Kurzfristmaßnahmen“, denn das Aufholprogramm laufe bis Ende 2022. „Kinder und Jugendliche haben das letzte Jahr unter sehr schwierigen Bedingungen verbracht“, betonte die Staatssekretärin. Viele litten unter Zukunftsängsten und Einsamkeit. Einige hätten Probleme, in den Alltag zurückzufinden.

„Es geht nicht nur darum, dass Schüler den versäumten Lernstoff nachholen“, sagte Seifert. „Sie sollen ihr soziales Leben wiederbekommen, Freunde treffen, Sport treiben und Freizeitangebote nutzen können.“

Staatssekretärin: Nicht seriös, vom „Tropfen auf den heißen Stein“ zu sprechen

Als erstes Element des Corona-Aufholpakets hatte der Bundestag am vergangenen Freitag bereits den Kinderfreizeitbonus beschlossen. Familien mit geringem Einkommen bekommen ab August eine Extrazahlung von 100 Euro pro Kind vom Staat. Der Bonus kann für Ferien-, Sport- oder Freizeitaktivitäten ausgegeben werden.

Die Zahlung geht an Familien, die auf Hartz IV angewiesen sind, Anspruch auf Wohngeld oder den Kinderzuschlag haben oder Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beziehen. Im Gesetzentwurf wird von rund 2,7 Millionen Kindern ausgegangen. Die meisten Familien müssen keinen gesonderten Antrag stellen und bekommen den Bonus automatisch.

Um 100 Millionen Euro bis Ende 2022 aufgestockt wird zum Beispiel auch das Bundesprogramm „Sprach-Kitas“, mit dem sprachliche Bildung in der Kindertagesbetreuung gefördert wird. Mit den Mitteln sollen bis zu 1000 neue zusätzliche Fachkräfte gefördert werden.

Das Antragsverfahren läuft seit dem 7. Juni. „Damit können die neuen Fachkräfte pünktlich zum Start des neuen Kitajahres beginnen“, versprach Staatssekretärin Seifert. Es sei überprüft worden, dass es ausreichend Erzieher gebe, die Fachkräfte für Sprachförderung werden könnten.

Für die Verstärkung der Schulsozialarbeit stellt der Bund nach Angaben des Familienministeriums den Ländern 220 Millionen Euro bereit. Dies geschieht über eine Änderung des Finanzausgleichsgesetzes. Dazu wurden Bund-Länder-Vereinbarungen abgeschlossen, in denen die Länder darlegen, wofür sie das Geld ausgeben wollen.

Staatssekretärin Seifert unterstrich, dass es um Bereiche gehe, bei denen es eine „hohe Zuständigkeit“ der Länder gebe. Es liege an der besonderen Situation durch Corona, dass sich der Bund entschlossen habe, noch zusätzliche Mittel bereitzustellen.

Zu den insgesamt zwei Milliarden Euro des Bundes müsse also aufaddiert werden, was die Länder finanziell leisteten. Allein für die Kinder- und Jugendhilfe investiere die öffentliche Hand 51 Milliarden Euro jährlich – unabhängig von Corona. Von einem „Tropfen auf den heißen Stein“ zu sprechen sei darum „nicht seriös“.

FDP fordert bundesweite und wissenschaftlich begleitete Bestandsaufnahme

Nach Ansicht der FDP-Bundestagsfraktion fehlt indes eine grundsätzliche Bestandsaufnahme der Pandemieauswirkungen auf Kinder und Jugendliche. Die „Folgen der Corona-Einschränkungen auf Entwicklungs- und Bildungschancen sowie die psychische und physische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen müssen von der Politik endlich ernst genommen werden“, heißt es in dem Antrag „Unverzüglich handeln“, den die Fraktion beschlossen hat und der dem Handelsblatt vorliegt.

Darin heißt es weiter, Kinder und Jugendliche hätten sich seit Beginn der Pandemie immer wieder Stigmatisierungen ausgesetzt gesehen. Wahlweise seien sie als „Virenschleudern“ oder rücksichtslose „Partygänger“ betitelt worden. Nun sei von einer „verlorenen Generation Corona“ die Rede.

Die FDP-Fraktion fordert in dem Antrag, der im Bundestag eingebracht werden soll, eine „bundesweite und wissenschaftlich begleitete Bestandsaufnahme“ zur psychischen und physischen Gesundheit der Kinder und Jugendlichen sowie zu ihrem Entwicklungs- und Lernstand.

Zugleich sollen „Best-Practice-Beispiele der strukturellen und inhaltlichen Innovation“ aus der Praxis der Bildungs- und der Kinder- und Jugendarbeit identifiziert werden.

Der kinder- und jugendpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Matthias Seestern-Pauly, warf der Bundesregierung vor, ihre Familienpolitik sei in der Coronakrise „zum Erliegen gekommen“. Er forderte schnelle Unterstützung: „Wir dürfen die junge Generation jetzt nicht durch Untätigkeit im Stich lassen.“

Mehr: Die langfristigen Kosten durch Corona in Deutschland sind Ökonomen zufolge extrem hoch

Startseite
Mehr zu: Generation Corona - Familienministerium will Milliarde aus dem Aufholpaket schnell ausgeben
0 Kommentare zu "Generation Corona: Familienministerium will Milliarde aus dem Aufholpaket schnell ausgeben"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%