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Georg Thiel im Interview Destatis plant tägliches Konjunktur-Update: „Quantensprung für die deutsche Statistik“

Das Statistische Bundesamt will bald täglich Informationen zur deutschen Konjunktur veröffentlichen. Der Präsident des Amtes erklärt, wie das funktionieren soll.
08.04.2020 - 11:47 Uhr 1 Kommentar
Der Präsident des Statistischen Bundesamtes betont die Bedeutung guter Statistik in der Coronakrise. Quelle: Destatis
Georg Thiel

Der Präsident des Statistischen Bundesamtes betont die Bedeutung guter Statistik in der Coronakrise.

(Foto: Destatis)

Das Statistische Bundesamt will sich in der Coronakrise  vor allem auf die Bereitstellung solcher Statistiken konzentrieren, die Rückschlüsse auf die Konjunktur zulassen. „Andere Statistiken sind für uns erst einmal nachrangig“, sagte Präsident Georg Thiel im Handelsblatt-Interview.

Um früher die wirtschaftliche Lage in der amtlichen Statistik abzubilden, will das Amt ab Ostern täglich seinen schnellsten Konjunkturindikator aktualisieren. „Wir hoffen, dass man auf dieser Grundlage schnell die konjunkturelle Entwicklung verfolgen kann. Das wäre ein Quantensprung für die deutsche Statistik“, erläuterte Thiel.

Der Indikator, den die Statistiker heranziehen, ist der sogenannte Lkw-Maut-Fahrleistungsindex. Der Indikator macht sich zunutze, dass zwischen wirtschaftlicher Aktivität und Verkehrsleistungen ein enger Zusammenhang besteht und der Lkw-Verkehr zur Mauterhebung sehr genau erfasst wird. Die Daten können schon neun Tage nach ihrer Erhebung veröffentlicht werden und werden in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Güterverkehr bereitgestellt. Andere Konjunkturstatistiken haben meistens eine Verzögerung von mehreren Wochen.

„Wir haben diesen Indikator ein paar Jahre lang neben dem Produktionsindex laufen lassen, um zu sehen, wie verlässlich er war“, erklärte Thiel. „Und ich kann Ihnen sagen, es war eine Punktlandung.“

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    Unklar sei, ob dieser Zusammenhang auch für eine Krisenzeit wie diese gelte. „Ich glaube aber, dieser Indikator könnte als eine Art Temperaturmesser dienen, ob die Wirtschaft wieder ins Laufen kommt“, sagte Thiel.

    Grafik

    Lesen Sie hier das komplette Interview:

    Herr Thiel, in Deutschland steht das öffentliche Leben nahezu still, die wirtschaftlichen Negativprognosen überschlagen sich. Welche Aufgabe kommt der amtlichen Statistik in dieser Situation zu?
    Wir müssen gerade in diesen Krisenzeiten Konjunkturstatistiken, wie zum Beispiel das Bruttoinlandsprodukt, weiter valide und in hoher Qualität liefern. Das ist natürlich angesichts der aktuellen Kommunikationsbehinderungen und wirtschaftlicher Probleme einiger Unternehmen eine sehr schwere Aufgabe.

    Welche Probleme meinen Sie genau?
    Wir haben Bereiche, in denen Unternehmen einfach nicht mehr melden. Da versuchen wir anzurufen, um zu erklären, wie wichtig auch in dieser Ausnahmesituation eine Meldung an uns ist, um die aktuelle wirtschaftliche Lage abzubilden. Unsere Aufgabe besteht darin, gerade in dieser Krise, dass die Konjunkturstatistiken so aktuell wie möglich rauskommen. Andere Statistiken sind für uns erst einmal nachrangig. Der Fokus liegt klar auf den Konjunkturstatistiken.

    Wie viele Unternehmen melden denn aktuell nicht mehr? Welche Wirtschaftsbereiche sind besonders betroffen?
    Im Außenhandel haben uns derzeit mehr als 100 Firmen signalisiert, dass sie ihre Zahlen für März möglicherweise nicht fristgerecht bis Mitte April liefern können. Das betrifft insbesondere Unternehmen in der Automobilindustrie und im Maschinenbau. Wir reden aber von einem sehr geringen Anteil des Gesamtvolumens an Ein- und Ausfuhren, für die wir unter Umständen keine termingerechte Meldung bekommen. Und dies betrifft ausschließlich den Intrahandel, also den Handel im EU-Binnenmarkt. Im Handel mit Nicht-EU-Staaten bekommen wir die Meldungen von den Zollbehörden. Wir stehen mit vielen Unternehmen in Kontakt und versuchen, sie bei der Meldungsabgabe zu unterstützen. Die weit überwiegende Zahl der Firmen setzt alles daran, die Meldefristen zu halten.

    Werden die Konjunkturstatistiken nun früher veröffentlicht? Immerhin haben diese meist einen Nachlauf von mindestens fünf Wochen. Wie aussagekräftig sind solche Daten während einer Krise dann noch?
    Die erste Aufgabe ist, dass wir überhaupt veröffentlichen können. Der Dateneingang ist unser größtes Problem. Klar – Unternehmen sollten von Bürokratie befreit werden, aber Statistik ist keine unnütze Bürokratie. Deshalb sollte jeder die Zeit für die Meldung zu Statistiken aufbringen. Das kommt uns am Ende allen zugute: Nur wenn wir die Lage kennen, können Hilfen für in Not geratene Unternehmen sinnvoll gestaltet werden. Wir suchen ständig nach Wegen, die Konjunkturstatistiken zu beschleunigen. Aber die Qualität darf dabei nicht auf der Stecke bleiben. Im Übrigen planen wir für das zweite Quartal, das Bruttoinlandsprodukt zwei Wochen früher als bisher zu veröffentlichen, nämlich bereits 30 Tage nach Quartalsende.

    Was kann das Statistische Bundesamt jetzt beitragen, da verlässliche und aktuelle Daten über den Zustand der deutschen Wirtschaft so sehr gebraucht werden?
    Unser allerschnellster Konjunkturindikator ist der sogenannte Lkw-Maut-Fahrleistungsindex. Er kann bereits neun Tage nach Monatsende veröffentlicht werden. Ganz einfach erklärt: Dieser Indikator bildet ab, was auf den Straßen an Lkws fährt. Damit lassen sich Rückschlüsse darauf ziehen, wie hoch der Produktionsindex ausfallen wird. Wir werden diesen Indikator ab Ostern täglich auswerten und veröffentlichen. Wir hoffen, dass man auf dieser Grundlage schnell die konjunkturelle Entwicklung verfolgen kann. Das wäre ein Quantensprung für die deutsche Statistik.

    Wie verlässlich ist denn ein solcher Indikator, der gar nicht mehr die eigentliche Produktion misst, sondern sich am Verkehr orientiert?
    Wir haben diesen Indikator ein paar Jahre lang neben dem Produktionsindex laufen lassen, um zu sehen, wie verlässlich er war. Und ich kann Ihnen sagen, es war eine Punktlandung. Aber wir wissen nicht, ob der Zusammenhang auch in Krisenzeiten gilt. Es könnte ja sein, dass durch die hohe Nachfrage nach Toilettenpapier jetzt mehr Traffic auf der Straße ist. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass damit auch eine erhöhte Produktion verbunden ist. Ich glaube aber, dieser Indikator könnte als eine Art Temperaturmesser dienen, ob die Wirtschaft wieder ins Laufen kommt.

    Gibt es noch andere Statistiken, die aufgrund von Corona jetzt früher veröffentlicht werden sollen?
    Bei all unseren rund 350 Statistiken, die irgendeinen Corona-Bezug haben, versuchen wir, mehr Aktualität reinzubringen. Ein Beispiel: Auch bei der Sterbestatistik sind wir bemüht, diese in den nächsten Tagen täglich in Deutschland zu aktualisieren. Bislang wurde diese Zahl einmal im Jahr in der Bevölkerungsstatistik bekanntgegeben. Das soll keine Konkurrenz zum Robert Koch-Institut sein. Ich glaube aber, das ist eine ganz wichtige Zahl, um auch eine Relation mit vorangegangenen Jahren darzustellen.

    Genauigkeit ist für die Statistik ein hohes Gut. Verschiebt sich der Fokus während der Coronakrise auf die frühzeitige Veröffentlichung und zulasten der Genauigkeit?
    Natürlich wird es jetzt mit den vielen Meldungsausfällen zu weiteren Revisionen kommen, so viel kann ich schon sagen. Das ist die eine Grenze. Die andere Grenze ist aber: Ab wann wird eine amtliche Statistik zu Fake News? Wo kommt der Punkt, an dem wir sagen, das veröffentlichen wir besser nicht, weil das nicht verlässlich ist?

    Welche Kriterien legen Sie da an?
    Wenn man zu viele ergänzende Schätzungen für eine Statistik machen muss und diese nicht mehr funktionieren, weil man keine Erfahrungswerte mit der Situation hat, dann sind wir in einem Bereich, in dem wir nicht mehr veröffentlichen können. Darauf achten meine Fachleute sehr. Ich kann Ihnen versichern: Wir setzen alles daran, dass die amtliche Statistik für die Entscheidungsfindung auch in der Krise noch ein Wert ist, bei dem man nicht auf Sand, sondern auf einem starken Felsen baut.

    Mehr: Alles über die aktuellen Entwicklungen in der Coronakrise lesen Sie in unserem Newsblog.

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    1 Kommentar zu "Georg Thiel im Interview: Destatis plant tägliches Konjunktur-Update: „Quantensprung für die deutsche Statistik“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Das kapiere ich gar nicht. Ein Quantensprung ist die kleinstmögliche Änderung. Und wenn diese anscheinend neue LKW-Statistik nur eine solche ist: warum hat man sie dann überhaupt eingeführt, und warum berichtet das Handelsblatt auch noch darüber? Um zu zeigen, wie irrelevant die Tätigkeit von diesem Institut tatsächlich ist oder zu sein scheint?
      Oder steckt da was anderes dahinter - vermutlich würde nicht nur ich mich über eine Erläuterung freuen.

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