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Gerhard Schröder Wie bei den Stachelschweinen

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„Sie ahnen gar nicht, wie recht Sie haben.“
„Hol' mir mal 'ne Flasche Bier, sonst streik ich hier“
Gerhard Schröder wird 70
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Ich will da rein“, ruft der junge Abgeordnete Schröder nach einem Kneipenabend und rüttelt am Zaun des Kanzleramts in Bonn. 1998 wird sein Traum wahr. Rot-Grün gewinnt die Wahl und Schröder wird Kanzler.

(Foto: dpa)
Gerhard Schröder trinkt Bier
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Hol' mir mal 'ne Flasche Bier, sonst streik ich hier“: Sprüche wie dieser bei einer Autogrammstunde werden zum Markenzeichen seiner Volkstümlichkeit. Schröder verkörpert eine klassische Aufsteigergeschichte.

(Foto: dpa)
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Der „Basta-Kanzler“: Als Politiker, der auch mal ein Machtwort spricht, macht sich Schröder einen Namen. Dieser Stil kommt aber nicht überall gut an – schon gar nicht beim linken Flügel der SPD.

(Foto: Imago)
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Im Kosovo-Krieg beteiligt sich Deutschland 1999 an den Nato-Luftangriffen gegen Serbien. Es ist der erste Militäreinsatz der Bundesrepublik nach Ende des Zweiten Weltkriegs.

(Foto: Imago)
Wahlkampf Peer Steinbrück
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Der Atomausstieg wird zur innenpolitischen Bewährungsprobe für Rot-Grün. 2001 setzt die Regierung den Ausstieg innerhalb von rund 20 Jahren durch einen Kompromiss mit der Energiewirtschaft durch.

(Foto: dpa)
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Nach den Terroranschlägen vom 11. September versichert Schröder den USA die uneingeschränkte Solidarität Deutschlands. In der Folge schickt die Regierung Bundeswehrsoldaten nach Afghanistan.

(Foto: AFP)
150 Jahre SPD
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Nein zum Irak-Krieg: Als die USA anderthalb Jahre später den Irak angreifen, verweigert Schröder jedoch eine Beteiligung Deutschlands.

(Foto: dpa)

Entspannt zeigt sich der Mann aus Hannover beim Thema Donald Trump, den er an diesem Abend nur den „gegenwärtigen Präsidenten“ nennt. Er hoffe auf Institutionen und Berater, die ihn einhegen, so Schröder. Auch über Ronald Reagan habe sich einst jeder mokiert („dieser Schauspieler!“), am Ende jedoch sei aus ihm ein in der Außenpolitik erfolgreicher US-Präsident geworden.

Im Übrigen lästert der Ex-Kanzler über Reisebeschränkungen und steuert eine persönliche Anekdote bei. So habe er für einen geplanten Vortrag in New York ein Visum gebraucht, doch dafür hätte er im US-Konsulat Auskunft über den Inhalt seiner Rede und die Bezahlung geben müssen.

Grund: Schröder war als Ehrenvorsitzender des Nah- und Mittelost-Vereins mehrmals im Iran gewesen. Der Sozialdemokrat mied also den anberaumten Termin und verzichtete auf New York, wo die Redneragentur „Harry Walker“ sitzt, die ihn gegen stattliches Honorar vermittelt. Das alles sei aber nicht durch Trump, sondern sei in der Ära von Barack Obama angeordnet worden, brachte er in Erfahrung.

Alles in allem zeigt sich Schröder in München über mehr als eine Stunde tatsächlich als jemand, der den „ Schulz-Effekt“ vollkommen vergessen lässt. Klar, er ist 73, doch in diesem Alter war auch Helmut Schmidt noch einmal für ein Comeback als Kanzler gehandelt worden. „Unser Elder Statesman“, wie ihn Diplomat Michael Steiner an diesem Europa-Tag auf offener Bühne lobt, geht selbst inzwischen einigermaßen fröhlich mit seinen alten Titeln um. Als er in München wieder und wieder als „Herr Bundeskanzler“ umschmeichelt wird, platzt es aus ihm heraus: „Lassen wir es bei Schröder! Es hat sich ausgekanzlert.“

Und doch ist er, bei aller Koketterie, derzeit so präsent wie in früheren Jahren. Die Leute fragen: Wo ist Schulz? und erleben: Hier ist Schröder. Er reist zu Unternehmern nach Bielefeld, adelt die Feier zu 150 Jahre Unterbezirk Wiesbaden, er gibt Interview auf Interview und empfiehlt etwa aktuell im „Münchner Merkur“ Ampelkoalitionen aus SPD, FDP und Grünen, er ist in einer großen TV-Dokumentation zu sehen und übernimmt zuhauf Aufsichtsratsmandate. So schaut er inzwischen bei Nord Stream, Hannover 96 und Martin Herrenknecht nach dem Rechten.

In München hat ihn Rechtsanwalt Stavros Konstantinidis, in Verbindung mit Sponsoren, zu den Unternehmern der IHK geholt: „Wir haben gute Verbindungen.“ Die beiden trinken öfter Rotwein zusammen, keinen griechischen, wie Schröder anmerkt. Seinen Zuhörern in München hinterlässt er noch ein Lob der politischen Führung, die wichtige Reformen ohne Rücksicht auf Wahlerfolge angehe, also quasi ein Selbstlob seiner „Agenda 2010“.

Das sei eine schmerzhafte, aber unausweichliche Reform gewesen, „auch wenn sie mich den Job gekostet hat“. Die bei einer Fragerunde im Saal deshalb gespendeten Lobeshymnen quittiert Schröder mit gespielter Ironie: „Danke für die Lorbeeren. Sie ahnen gar nicht, wie recht Sie haben.“ Und einen Fragesteller, der sich als SPD-Kandidat für den Bundestag präsentiert, bescheidet der Altkanzler in aller erhabenen Unabhängigkeit feixend: „Das muss ja nicht sein.“

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Mehr zu: Gerhard Schröder - Wie bei den Stachelschweinen

11 Kommentare zu "Gerhard Schröder: Wie bei den Stachelschweinen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Auch sprachlich genial! "Wie Stachelschweine sich lieben" sollten Frankreich und Deutschland zusammen arbeiten. Da muss man eine Sekunde drüber nachdenken, um die Eleganz des Bildes zu begreifen. Sehr vorsichtig alles was piekst und stört glatt anlegen - und dann wirds sehr schön und sehr produktiv, weil man es ja eigentlich haben möchte und es völlig natürlich ist. Bravo Gerd! Ein Tierfreund!

  • Ach ja, der Gerd. So übel ist der Kerl eigentlich nicht. Dass in Deutschland heute die Arbeitslosigkeit hab so hoch wie in Frankreich ist, dass wir Export-Weltmeister sind, der Euro eine weltweite Hart-Währung ist (in der übrigens auch die Iraner ihr Öl bezahlt haben wollen, nicht in Dollar) und dass wir eine schwarze Null im Haushalt schreiben verdanken wir seiner umsichtigen Politik.

    Man sollte nicht nur blind draufhauen auf ihn. Macron wird vielleicht Frankreich nun genauso nach vorne bringen, und gemeinsam mit Deutschland ganz Europa zur neuen Supermacht machen.

  • @Herr Hofmann Mark, 10.05.2017, 14:38 Uhr

    Jedenfalls bin ich, im Gegensatz zu Ihnen, im Niveau nicht so tief gesunken, dass ich hier fremde Leute duze.

    Sowas ist bei uns normalerweise nur in Schule und Kindergarten üblich.

  • Nachtrag zu Herr Grutte Pier 10.05.2017, 10:57 Uhr

    Eines muss zur Ehrenrettung von Schräder aber festgehalten werden.
    Er sagte schon früh über Raute-Merkel: "Sie kann es nicht"

    Da hat er Recht behalten !!!

  • Werte Mitbürger ist es eigentlich nicht völlig egal von wem wir mittlerweile verraten belogen und betrogen werden?

  • ein Artikel, der den €uro bereits in der Einleitung als "Weltwährung" lobpreist, kann nicht ernst genommen werden.

    Schröder hat die werteschaffenden Arbeiter und Angestellten verraten.

    Auf seine "Ratschläge", wie auf seine Partei und deren "Retter", den EU-Bonzen St. Martin Schulz, kann man daher verzichten.

  • Gerhard Schröder, der die soziale Marktwirtschaft an DAX-Vorständen verraten hat, erhält wieder große Zustimmung. Das Loblied der Zeitungsgruppe HB und deren Schwesterfirmen i sagt "ALLES"!, oder???

  • Würde Gerhard Schröder in letzter Minute durch die SPD als Kanzlerkandidat nominiert, ginge Merkel sang- und klanglos unter.

  • "Herr Klaus Samer10.05.2017, 08:15 Uhr
    Putins Schoßhund nochmal als Kanzler der Bundesrepublik Deutschland ? Da kann man sich ja auch direkt der GUS anschließen und aus der NATO austrete"

    @Samer
    was wäre daran schlimm?

  • Muß Gazprom-Gerd Schröder sich zu allem und jedem äußern und muß man ihm wirklich zuhören?

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