Gerichtsurteil Neue Münchener Startbahn darf gebaut werden

Der Flughafen München hat Rechtssicherheit für seine neue Startbahn. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof weist die Klagen ab, die Gegner singen aus Protest die Bayernhymne. Gebaut wird trotzdem vorerst nicht.
Update: 19.02.2014 - 12:37 Uhr 20 Kommentare
Eine Lufthansa-Maschine hebt in München ab: Die dritte Startbahn des Flughafens darf nach einem Gerichtsurteil gebaut werden. Quelle: dapd

Eine Lufthansa-Maschine hebt in München ab: Die dritte Startbahn des Flughafens darf nach einem Gerichtsurteil gebaut werden.

(Foto: dapd)

MünchenDie umstrittene dritte Startbahn am Münchner Flughafen darf aus rechtlicher Sicht gebaut werden. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (VGH) wies am Mittwoch alle 17 Klagen gegen das Milliardenprojekt ab, das nach einem Bürgerentscheid in München 2012 derzeit allerdings auf Eis liegt. Dem seit Jahren umkämpften Projekt stünden weder Umweltschutz- noch Lärmgründe entgegen, sagte der Vorsitzende Richter Erwin Allesch. „Die Planungsbehörde hat ihre Befugnisse und ihren Ermessensspielraum nicht überschritten.“

Allerdings konnte Allesch über fast 20 Minuten seine Ausführungen nicht beenden. An die 300 Startbahngegner im Gerichtssaal quittierten ihre Niederlage mit lauten Buhrufen und dem Absingen der Bayernhymne. Es kam zu tumultartigen Szenen. Schließlich ließ der Richter den Saal räumen. Nur Prozessbeteiligte und Medienvertreter durften bleiben.

Mehrere Kommunen, der Bund Naturschutz in Bayern (BN) und Privatleute hatten gegen die vom Freistaat 2011 erteilte Baugenehmigung für die vier Kilometer lange Startbahn nahe Freising geklagt. Auf der Piste können stündlich 30 Flugzeuge starten oder landen. Der Prozess hatte sich mit 46 Verhandlungstagen fast ein Jahr lang hingezogen.

Der Flughafenverband ADV begrüßte das Urteil in einer ersten Stellungnahme. Die Entscheidung des VGH sei gleichzeitig „ein gutes Zeichen für alle Flughäfen in unserem Land“, sagte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. „Die bedarfsgerechte Entwicklung der Flughafeninfrastruktur in Deutschland muss auch weiterhin möglich sein.“ Die Startbahngegner halten das Projekt für überflüssig, weil die Zahl der Starts und Landungen auf Deutschlands zweitgrößtem Airport in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen sei. Tatsächlich gibt es weniger Flugbewegungen, weil die Maschinen immer größer werden und oft bis auf den letzten Platz ausgelastet sind.

Bürgerinitiativen wollen Nichtzulassungsbeschwerde einlegen
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20 Kommentare zu "Gerichtsurteil: Neue Münchener Startbahn darf gebaut werden"

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  • Ich wohne in der Nähe der A 44.

    Beschwere mich aber nicht, da eine Autobahn nunmal eine Geräuschquelle ist und ich das akzeptiere.

    Ich wundere mich oft über die Sichtweise meiner Mitmenschen: beschweren sich über die LKW auf der Bundesstraße, wollen andererseits aber stets jedwede Ware zu jeder Uhrzeit, stets frisch und in ausreichendem Maße zur Verfügung gestellt bekommen.

    Man sollte euch in den Allerwertesten treten, ihr Wohlstandsverseuchten Kleinhirne.

  • @ Fredi
    Achtung!
    stimmt, besonders Bio-Kartiffeln aus Israel, Bio-Gemuese aus Rumaenien od. Bulgarien, Deutschland produziert naemlich nicht genuegend von dem Bio-Zeug!!

  • @ Rene Helmut Schmidt sagte, damals Kanzler, "jeder wil die Autobahn, sie soll aber an Nachbars Haus vorbeifuehren". Das Interesse der Allgmeinheit muss, wie in anderen Laendern, vor spiessbuergerlichen kleinen persoenlichen Interessen Vorrang haben. Da muessten aber die Versicherungen die "Rechtschutzversicherungen" abschaffen! Seit H.Schmidt hat sich halt nix geaendert.

  • Jeder will möglichst vor Ort direkt nach Mallorca fliegen können und zum Shoppen nach London. Aber eine Start- und Landebahn geht gar nicht.
    Jeder will in 10 Minuten in der "City" sein, aber bloß keine Straßen und Zuggleise.
    Die Bürgerinitiativen blockieren alles! Infrastruktur? Ja, nur bitte keine Baustellen. Irrsinn.

  • @ Kritiker nochmals Bravo. Der grosse Wunsch einiger oder vieler griesgraemiger Eigenbroetler in Deutschland = Interesse Weniger, vor Allgemeininteresse.
    Uebrigens, Laermbelaestigung war ab 1950, Beginn d. Wiederaufbaus/Wirschaftswunder wesentlich groesser, eigene Erfahrung! Erst als Wohlstand aufkaum und die Gruenen Argumente finden mussten, um gewaehlt zu werden, kamen Parolen wie: Laerm macht krank usw. richtiger Laerm ja, aber keine alltaeglichen notwendigen Geraeusche, viele wollen sich halt so richtig aergern koennen.Vielleicht handelt es sich da um eine neue Freizeitbeschaeftigung?

  • Haben Sie überhaupt nur einen Schimmer, worum es bei dieser Startbahn geht?

    Die wird nur gebraucht, um München als Drehkreuz auszubauen. Die Münchner haben nichts davon (außer den massiven Nachteilen), nur die Flughafenbetreiber verdienen dabei. Und Kumpel Seehofer darf sich über Zuwendungen freuen.

    Und München ist ein Selbstläufer, hält kaum mit der eigenen Dynamik schritt.

  • Der Bürgerentscheid ist sehr klar ausgefallen.

    Die Münchner und die umliegenden Gemeinden wollen die zusätzliche Startbahn definitiv nicht.

    Sollte sich Seehofer darüber hinwegsetzen, braucht er sich in München nicht mehr sehen zu lassen.

  • @ Kritiker

    Zitat : komischweiße können 19.000 Menschen in Donauwörth direkt und 30.000 Menschen mit Umland sehr gut mit dem Fluglärm leben. Können Sie mir das erklären?

    - das kann ich Ihnen natürlich nicht erklären !

    Ich kann Ihnen aber erklären, dass Sie Ihre Behauptung erfunden haben !

    Es gibt keine Menschen mit gesundem Menschenverstand, die mit Fluglärm "Glücklich" leben können !

    Es sei denn , die sind schon so geschädigt, dass Ihnen ihre Umgebung gleich ist.

    Und ich vermute auch, dass Ihnen selbst Ihr lärmbelastender Job auch auf den Keks geht...so wie Leuten, die gezwungen sind, beruflich Presslufthämmer zu schwingen, Verkehrslärm zu ertragen, etc. !

    Sie sind glücklich mit Ihrem Job und sind bereit die Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen....Ihre Sache !

    Menschen mit Lärm zu überziehen, wenn es Ausweichmöglichkeiten in anderen Regionen gibt ( Nordseeküste, Pfälzer Wald, etc. ), ist ein VERBRECHEN !

    Und wenn Sie Ahnung haben, so sollten Sie doch wissen, dass den Münchnern die vorhandenen Kapazitäten absolut ausreichend sind !

    Die Cargoflüge kann auch das Industriearme Ostfriesland vollziehen ! Die hätten dann paar Arbeitsplätze mehr und würden die Bayerische Touristengegend vom überflüssigen Fluglärm befreien !

  • @Betroffener:

    Ihrer Unterstellung ich sei ahnungslos eines gesagt:

    Ich arbeite im bayerischen Donauwörth bei der Firma Eurocopter(Airbus Helicopters). Mein Büro geht direkt zum Flugfeld. Ich habe in der Arbeit 10 Stunden Fluglärm und zuhause dann weiteren Fluglärm durch unsere Testflüge. Durch dieses notwendige Übel sichern wir über 6000 Menschen gut bezahlte Arbeitsplätze. Wir haben hier im Landkreis eine Arbeitslosenquote von 2,4 % (vor dem Winter 1,8 %). Bitte erzählen Sie mir nichts von Fluglärm, Umweltbelastung, gesundheitlichen Schäden etc. Wir leben hier sehr gut und gesund mit Fluglärm. Hier gibt es keine überhöhten Krebsraten, Burn-outs, hörgeschädigten, sonstige Krankheiten. Was wir aber auch in Donauwörth haben, sind nahezu kostenlose Kindergartenplätze, sehr gut ausgestattete Schulen, in die meine beiden Kinder gehen, keine Schlaglöcher in den Straßen, einen sauberen Stadtpark, etc.

    Ich kenne außer ein paar grünen Ideologen auch niemanden, ich betone niemanden, der hier wegen des Fluglärms protestiert, komischweiße können 19.000 Menschen in Donauwörth direkt und 30.000 Menschen mit Umland sehr gut mit dem Fluglärm leben. Können Sie mir das erklären? Offensichtlich haben Sie ja soviel Ahnung.

  • Super ! Die Gerichtsentscheidung ist absolut richtig und zu begrüßen !
    Wir können doch nicht die Hände in den Schoß legen und uns auf unserem Wohlstand ausruhen, wie es uns die ständigen Verhinderer und Nein-Sager zu egal welchem Projekt in unserem Land suggerieren (sind ohnehin mehrheitlich Renter denen die Zukunft egal ist).
    Wir müssen schauen dass die Wirtschaft auch in Zukunft die Überschüsse liefert die wir für unseren Wohlstand brauchen, das kann sie aber nur wenn sie auch Wettbewerbsfähig ist und wachsen kann – dazu gehört dann natürlich auch eine wachsende Infrastruktur wie der Flughafen!

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