Gesamtmetall zum Tarifstreit „24-Stunden-Streiks sind verantwortungslos“

Nach dem Abbruch der Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie steht der deutsche Industriebranche ein massiver Warnstreik bevor. Ökonomen rechnen mit heftigen Auswirkungen.
Update: 29.01.2018 - 14:22 Uhr 10 Kommentare
IG Metall: Ganztägige Streiks ab Mittwoch Quelle: dpa
Fünf vor zwölf

Die IG-Metall kündigte an, bundesweit in mehr als 250 großen und kleinen Betrieben zu 24-Stunden-Streiks von Mittwoch bis Freitag aufzurufen.

(Foto: dpa)

BerlinNach dem Abbruch der Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie warnen die Arbeitgeber vor negativen Folgen von Ganz-Tages-Streiks. „Es entstehen Riesenschäden, weil alle Firmen in den langen Lieferketten betroffen sind“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Gesamtmetall, Oliver Zander, am Montag in Berlin. „Deshalb sind 24-Stunden-Streiks verantwortungslos und gefährden Arbeitsplätze.“

Bei der IG Metall laufen ungeachtet der Aussagen der Arbeitgeber die Vorbereitung für die Streiks auf Hochtouren. „Ab Mitte der Woche gehen die Beschäftigten aus rund 70 Betrieben in NRW in den ganztägigen Warnstreik“, kündigte der Chef des mächtigen Landesverbandes, Knut Giesler. Die Namen der Betriebe nannte der Gewerkschafter nicht.

In den vergangenen Wochen hatte es in Nordrhein-Westfalen unter anderem Warnstreiks in Werken von Ford und Daimler oder Miele gegeben. Die IG Metall NRW ist nach eigenen Angaben mit rund 525.000 Mitgliedern der größte Bezirk der Gewerkschaft. IG-Metall-Chef Jörg Hofmann hatte angekündigt, bundesweit würden die Mitglieder in mehr als 250 großen und kleinen Betrieben zu Tagesstreiks von Mittwoch bis Freitag aufgerufen.

Die Arbeitsniederlegungen seien „völlig unnötig und rechtswidrig, weil der geforderte Teillohnausgleich diskriminierend und rechtswidrig ist“, so Arbeitgebervertreter Zander. Deshalb müsse die IG Metall für Schäden der Streiks aufkommen. Gesamtmetall hatte angekündigt, ab Montag juristische Schritte einzulegen.

Die Arbeitgeber seien aber an einer Lösung des Konfliktes interessiert. „Wir wollen weiterhin einen für beide Seiten tragfähigen Kompromiss“, betonte Zander. „Wichtig ist auch, dass die Unternehmen zukünftig genug Arbeitszeitvolumen haben, um produzieren zu können.“ Laut Ifo-Institut berichten 29 Prozent der Unternehmen davon, dass der Fachkräftemangel ein Produktionshindernis sei.

Im Pilotbezirk Baden-Württemberg war die fünfte Verhandlungsrunde am Samstag abgebrochen worden. Den größten Streit gab es über zwei Bonusurlaubstage für Teilzeitbeschäftigte, die wegen familiärer Verpflichtungen kürzer treten und Schichtarbeiter, die verkürzen wollen.

Aber auch beim Gesamtvolumen kamen die Tarifparteien nicht zusammen: Die Arbeitgeber bezifferten ihr Angebot über eine Laufzeit von 27 Monaten auf 6,8 Prozent mehr Lohn, was aufs Jahr umgerechnet rund drei Prozent wären. Die Gewerkschaft forderte für ein Jahr sechs Prozent.

Ökonomen warnen vor Streikfolgen

Nach Ansicht von Ökonomen könnte der Streik die Firmen heftig treffen. „Die Betriebe sitzen auf einem enormen Auftragsbestand, gleichzeitig ist die Auslastung sehr hoch“, sagte der Deutschland-Chefvolkswirt der Bank UniCredit, Andreas Rees. „Arbeitsausfälle können deshalb nicht so schnell und zügig wettgemacht werden, wie das normalerweise der Fall ist. Dadurch kann das Produktionswachstum zeitweise gedämpft werden.“ Je länger der Arbeitskampf dauere, desto größer werde dieses Problem.

Ähnlich schätzt das Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer ein: „Die Unternehmen sind wegen der guten Konjunktur sehr gut ausgelastet, weshalb sie Produktionsausfälle nur schwer aufholen können.“ Dem Ifo-Institut zufolge liegt die Kapazitätsauslastung in der Autoindustrie bei mehr als 93 Prozent, normal sind etwa 88 Prozent. Krämer sieht noch ein anderes Problem auf viele Firmen zukommen. „Anders als früher haben sie heute kaum noch Vorprodukte auf Lager, sondern hängen von pünktlichen Zulieferungen ab“, erklärte der Ökonom. „Streiks bei einzelnen Zulieferern wirken sich deshalb heute viel stärker auf andere Unternehmen aus.“ Werde die Lieferkette unterbrochen, stünden heute viel schneller die Bänder still.

Nach dem Abbruch der Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie steht die wichtigste deutsche Industriebranche vor einer Woche massiver Warnstreiks.

  • rtr
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10 Kommentare zu "Gesamtmetall zum Tarifstreit: „24-Stunden-Streiks sind verantwortungslos“"

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  • Es ist Zeit, dass mal bei den Selbstgefälligen kracht. Übrigens die Zahl derer die 45 Jahre arbeiten und dann vom Sozialamt leben nimmt drastisch zu. Dumpinglöhne und satte Gewinne, waren nie sozial und werden es auch nicht sein. Nur geringe Weiter-Bildung unterstützt noch ein marodes System, das sich selbst schon überlebt hat. Für die Arbeitgeber ist es Zeit die Hosen runterzulassen, ihr Wegducken und Wegschauen muss ein Ende haben. Wenn wir eine stabile und gesunde Gesellschaft haben wollen, dann für Alle und nicht nur für einige Wenige. Wer von Vernunft und beide Seiten können sich eine Auseinandersetzung nicht leisten spricht, ergo schreibt, kann nur Blind sein. Ein Blick immer halb Europas reicht und dort finden wir viele positive Gegebenheiten. Wer nur den nationalen Blick hat, lebt geistig in einer längst vergangenen Zeit. Der Konkurrenzkampf um die Besten und Guten hat schon lange angefangen. Facharbeiter gehen aus Deutschland und sie gehen gerne. Es ist einfach nicht anzusehen, was hier von Unternehmern, Manager und Co. abgezogen wird. Es wird Zeit die Schlafenden zu wecken und die Dössenden hoch zutreiben. Wer die Zukunft gestalten will, braucht das Morgen und nicht das Gestern. "70% Dienst nach Vorschrift" sind nicht für die Unternehmen sondern dagegen, das heißt nicht 84% kämpfen für die Zukunft und das Unternehmen, sondern 86% lehnen dieses System ab. Die Auswirkungen können gar nicht schlimm genug sein. Die Kosten sind noch nicht mal eine Hungerstunde, gegen die die Jahre des fetten Fressens deutscher Unternehmen. Den Deutschen geht es im Moment nicht so gut, weil sie gut sondern weil sie schlecht sind. Sie rechnen nur was sie verdienen und nicht was sie hätten verdienen können. Der 2. Sektor der VWL ist gestern, im 3. Sektor heißt es Dienstleitungswüste Deutschland und im 4. Sektor Know how keine Spur. Trotzdem wird weiter kreativlos, ideenlos, gedankenlos und/oder Hirntod weiter gewurstelt. Platz 10 in der Weltwirtschaft ist angemessen.

  • Streik, daß ich nicht lache, die in Bälde arbeitslosen dürfen sich wieder mal an die glühenden Mülleimer stellen, dann ihren Sieg feiern und einige Zeit später die Stütze in Empfang nehmen. Der Hosenanzug ist eben großzügig, wenn es um Verlagerungen nach Asien geht- Jeder Mülleimer glüht still, wenn der Hosenanzug es will,

  • @ x y
    "Im Kapitalismus darf es auch nicht vorkommen, dass unfähige Menschen in Managerpositionen Million verdienen während die Unternehmen rote Zahlen schreiben."

    Wir leben nicht im Kapitalismus, wir leben in einem KORPORATISMUS.
    In dem Bundesland, in dem ich wohne, ist das erste Wort, das kleine Kinder in der Regel sprechen lernen, nicht "Mama" oder "Papa", sondern KLÜNGEL.
    Da werden Positionen nicht nach Fähigkeiten besetzt, sondern nach dem richtigen Parteibuch.
    Und wenn sie die Gelddruckerei der Notenbanken ansprechen: die Existenz von Zentralbanken ist ein Garant dafür, dass das Blut der Wirtschaft, das Geld, eben nicht marktwirtschaftlich ist, sondern planwirtschaftlich. Die Zentralbanken sind nämlich die 1:1-Umsetzung einer zentralen (im wahrsten Sinne des Wortes!!) Forderung aus dem Kommunistischen Manifest von Marx / Engels:
    "5) Centralisation des Kredits in den Händen des Staats durch eine Nationalbank mit Staatskapital und ausschließlichem Monopol."
    https://de.wikisource.org/wiki/Manifest_der_Kommunistischen_Partei_(1848)

  • @Herr Helmut Metz Sie predigen den Kapitalismus übersehen aber die Gelddruckerei der Notenbanken.

    Im Kapitalismus darf es auch nicht vorkommen, dass unfähige Menschen in Managerpositionen Million verdienen während die Unternehmen rote Zahlen schreiben.

    Die Gewinner vom Niedriglohnsektorland Deutschland sind sicherlich nicht nur Gewerkschaftler. Die verdienen am wenigsten von allen Profiteuren. Die großen Profiteure sind Fondsmanager, Lobbyisten, Politiker, Banker, Manager in den Großkonzernen oder grundsätzlich stark investierte Aktionäre die keinen Tag arbeiten müssen und weniger Steuern zahlen als die die als "verantwortungslos" bezeichnet werden, wenn sie nur mit den Gedanken spielen ein paar Stunden zu streiken auch wenn die "Veranwortungslosen" die eigentliche Profite erst möglich machen.

    So einen Murks können Sie in der Atlantikbrücke oder ähnlichen Vereinen predigen.

  • Die brutale Wahrheit ist, dass Gewerkschaftler fast immer reine Ideologen sind und von Ökonomie keinen blassen Schimmer haben:
    "Wenn Gewerkschaftsfunktionäre ihre Lieblingsparolen wie Peitschen schwingen: "Der Mensch ist keine Ware" und "Arbeit ist kein Gut wie jedes andere", dann mögen sie dies tun und dafür den Glorienschein des edlen Menschenfreundes ernten; die ökonomischen Gesetze schert das keinen Deut, sie gelten trotzdem unvermindert weiter. (...)
    Niemals kann oder konnte eine Gewerkschaft Löhne und Gehälter dauerhaft über die Marktkonditionen hinaus erhöhen. Die Löhne real (...) erhöhen kann nur der PRODUKTIVITÄTSZUWACHS im Einklang mit dem Wettbewerb - kurz also: der Markt; niemand sonst. (...)
    Zwar können die Löhne und Gehälter in einem Betrieb oder einer Branche oder in der Gesamtwirtschaft kurzfristig mit machtpolitischen Mitteln [etwa mit der Geiselhaft von Millionen von Pendlern, die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind; der Kommentator] über das Marktniveau hinaufgetrieben werden, aber schon auf mittlere Sicht hat dies Ertrags-, Produktivitäts- und Wettbewerbsverluste der betroffenen Unternehmen zur Folge - und damit Freisetzung von Arbeitskräften." (Roland Baader: Geld, Gold und Gottspieler, Gräfelfing: Resch, 2004, S. 202ff.)
    Die einzigen tatsächliche Profiteure sind also die Gewerkschaftsfunktionäre, deren einträgliche Jobs nur dann gesichert sind, wenn sie genügend Mitglieder rekrutieren können, die ihnen die Kassen füllen.

  • „24-Stunden-Streiks sind verantwortungslos“

    Streiken darf man in einer "Demokratie" nicht.

    Selbst 1 Nanosekunde ist verantwortungslos.

  • Ökonomen rechnen also mit heftigen Auswirkungen. "Gott sei Dank", dass ein Streik heftige Auswirkungen hat. Sonst könnten die Arbeitgeber mit den Arbeitnehmer ja noch besser Schlitten fahren, als sie es eh schon machen.

    Seit 3 Jahrzehnten werden Arbeitnehmerrechte immer weiter eingedampft. Eine stärkere Sozialdemokratie, die dieser Entwicklung etwas entgegensetzt ist nicht am Horizont zu sehen. Die reibt sich gerade in Diskussionen um irgendwelche Nichtigkeiten auf, wie z.B. eine Handvoll nachziehender Flüchtlinge oder ein Burkaverbot für die 30 Frauen in Deutschland, die ein solches Kleidungsstück tragen.

  • „Es entstehen Riesenschäden, weil alle Firmen in den langen Lieferketten betroffen sind“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Gesamtmetall, Oliver Zander, am Montag in Berlin. „Deshalb sind 24-Stunden-Streiks verantwortungslos und gefährden Arbeitsplätze.“
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    Das sind die seit Jahrzehnten hinlänglich bekannten Sprüche der Arbeitgeberseite. Bei einer boomenden Wirtschaft, die an der Grenze ihrer Kapazitäten angekommen ist und prächtige Ergebnisse nach Steuern erzielt, da muss sich etwas bewegen. Ein Abschluss mit 27-monatiger Laufzeit und umgerechnet 3 % pro Jahr ist halt noch zu wenig.

    Und dann noch der Spruch von Herrn Zander "Die Arbeitsniederlegungen seien „völlig unnötig und rechtswidrig, weil der geforderte Teillohnausgleich diskriminierend und rechtswidrig ist“. Mir ist nur bekannt, dass Verhandlungsergebnisse rechtswidrig sein können. Haben wir hier Verhandlungsergebnisse? Nein! Also mal wieder das übliche Spiel der Gesamtmetalltruppe.

  • Wer heute noch streikt, ist morgen schon vollkommen überflüssig. Das geht schneller, als man denkt!

  • Die Arbeitgeber bzw. die Kapitalseite in Deutschland täte gut daran, die Verteilung der Wirtschaftsleistung in Form von Arbeitseinkommen mal wieder ein bisschen gerechter zu gestalten. Die Reallohnentwicklung der letzten 25 Jahre ist mehr als dürftig und damit muss endlich Schluss sein. Die Wirtschaft wächst, Unternehmen machen Rekordgewinne, erhöhen Dividenden, geben Unsummen für Übernahmen aus oder kaufen Aktien zurück, weil sie nicht wissen wohin mit dem Geld. Nur bei Arbeitnehmern kommt alledem schon lange nichts mehr an. Hier fängt Gerechtigkeit an. Dann kann man sich auch hinterher die Umverteilung über den Staat wieder sparen.

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