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Geschäfte mit Wirecard-Aktien Chef der Wirtschaftsprüfer-Behörde Apas freigestellt

Ralf Bose stolpert über den Handel mit Wirecard-Aktien während der Untersuchung gegen den Abschlussprüfer EY. Politiker fordern weitere Konsequenzen.
14.12.2020 Update: 14.12.2020 - 16:43 Uhr 2 Kommentare
Apas-Chef Ralf Bose handelte selbst mit den Aktien des Zahlungsdienstleisters. Quelle: dpa
Wirecard-Gebäude in Aschheim

Apas-Chef Ralf Bose handelte selbst mit den Aktien des Zahlungsdienstleisters.

(Foto: dpa)

Frankfurt Der Chef der Wirtschaftsprüfer-Aufsicht Apas, Ralf Bose, ist nach Geschäften mit Wirecard-Aktien freigestellt worden. Dadurch solle die Integrität der Apas bis zur schlussendlichen Aufklärung des Sachverhalts sichergestellt werden, teilte das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) am Montag mit. Die Apas ist beim Bafa angesiedelt.

Bose ist der oberste Aufseher über die Abschlussprüfer in Deutschland und leitet derzeit ein Aufsichtsverfahren gegen den langjährigen Wirecard-Prüfer EY. Die Apas hat Ende September wegen des Verdachts auf Straftaten bei der Prüfung Anzeige gegen EY erstattet. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sind angelaufen.

Die Vorfälle bei Wirecard und EY werden derzeit von einem Untersuchungsausschuss des Bundestages aufgearbeitet. Auf der Sitzung am vergangenen Donnerstag war der Apas-Chef geladen, um über die Rolle der Prüferaufsicht in dem Bilanzskandal auszusagen.

Nachdem dabei zunächst keine neuen Erkenntnisse herauskamen, ließ gegen Mitternacht eine Aussage Boses die Abgeordneten aufschrecken: Er berichtete, dass er im April dieses Jahres Aktien des Zahlungsabwicklers Wirecard gekauft hatte. Zu der Zeit hatte die Apas bereits ein Vorermittlungsverfahren gegen den Abschlussprüfer EY laufen.

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    Brisanter Zeitpunkt für den Aktienkauf

    Brisant ist nicht nur der Aktienkauf an sich, sondern der genaue Zeitpunkt 28. April 2020: Bose kaufte genau an dem Tag Wirecard-Aktien, als ein Sondergutachten von KPMG zur Wirecard-Bilanz veröffentlicht wurde. KPMG beschrieb die Rechnungslegung des ehemaligen Dax-Konzerns als katastrophal, veröffentlichte aber keine Betrugsbeweise.

    Wirecard stellte den Bericht anschließend öffentlich als Entlastung dar. Die Aktie verlor dennoch kräftig an Wert. Bose trennte sich erst am 20. Mai wieder von seinen Wirecard-Aktien. Zu dem Zeitpunkt hatte die Apas längst ein förmliches Aufsichtsverfahren gegen EY eingeleitet.

    Die Aussage des Apas-Chefs hatte bei den Abgeordneten der Wirecard-Untersuchungsausschusses großes Befremden ausgelöst. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte sich am Freitag öffentlich von Bose distanziert. Die Apas ist dem Wirtschaftsministerium rechtlich zugeordnet. Über die fachliche Arbeit der Prüferaufsicht hat Altmaier aber keine Aufsicht – die Apas agiert frei.

    Bereits am Freitag sei der Apas-Chef mit sofortiger Wirkung freigestellt worden, hieß es am Montag.

    Oppositionspolitiker wie der Finanzexperten der Linken, Fabio De Masi, fordern weitere Konsequenzen. Altmaier und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) müssten gegen Insidergeschäfte von Aufsichtsbehörde und anderen staatlichen Stellen vorgehen. „Es braucht harte Regeln gegen Insidergeschäfte in Ministerien, Bundestag und Behörden.", sagte De Masi.

    Die Befragung der Zeugen von der Apas und der beiden zuständigen Mitarbeiterinnen des Bundeswirtschaftsministeriums hatte von Donnerstagmittag bis Freitagfrüh um 5 Uhr gedauert und wurde dann unterbrochen. Am Dienstag um 17 Uhr soll die Sitzung des Untersuchungssauschusses zur Rolle der Apas fortgesetzt werden.

    Schon am Donnerstag geht es in dem Ausschuss weiter, dann soll die politische Dimension des Wirecard-Skandals aufgearbeitet werden - vor allem die Lobbyarbeit für den Konzern in Berlin. Als Zeugen sind der frühere Politiker und heutige Unternehmensberater Karl-Theodor zu Guttenberg sowie der frühere Hamburger Oberbürgermeister Ole von Beust geladen.

    Dazu kommen Finanzstaatssekretär Wolfgang Schmidt und Lars-Hendrik Röller, der Leiter der Wirtschafts- und Finanzabteilung im Bundeskanzleramt.

    Mehr: Bafin trennt sich von Mitarbeitern wegen Wirecard-Deals

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    2 Kommentare zu "Geschäfte mit Wirecard-Aktien: Chef der Wirtschaftsprüfer-Behörde Apas freigestellt"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Der Ankauf war m.E. völlig o.k.
      Der Verkauf nach dem Telefonat mit der BaFin war allerdings klar Insiderhandel.

      Der Umsatz der Verkauftstransaktion abzgl. des heutigen Aktienpreises, muss seitens der BaFin zu Gunsten der geschädigten Anleger eingezogen werden.

      Grundsätzlich sollten die Mitarbeiter von Aufsichtsgremien schon mit Aktien handeln dürfen und sogar müssen. Viel schlimmer sind doch die ganze BaFin Mitarbeiter, die einfachste Abkürzungen nicht kennen, wie bspw. KGV. Ich habe in den 00-er Jahren mehrfach mit BaFin Mitarbeitern im Rahmen von der Einreichung von Wertpapierprospekten telefoniert und die Inkompetenz war wirklich groß. Ich habe ihnen dringend empfohlen selbte mit Aktien zu handeln, um Erfahrungen zu sammeln.

      Lediglich das shorten von Aktien, die von den betreffenden Personen beaufsichtigt werden, sollte verboten werden. Insiderkenntnisse dürfen natürlich nicht genutzt werden.

    • Herr Bose verkaufte seine Aktien also nicht vor der Veröffentlichung, sondern am Tag der Veröffentlichung.
      Ohne es zu wissen, unterstelle ich mal, dass der Kurs der Wirecard-Aktie mit Veröffentlichung unter Druck geriet.
      Um die Handlung von Herrn Bose beurteilen zu können, fehlen jetzt noch ein paar Daten zur genauer Abwicklung des Verkaufs ==> Zeitpunkt/Verkaufskurs/Tagesendkurs.
      Man muss ihm zumindest anrechnen, dass er nicht vor Veröffentlichung verkauft hat, aber das wäre wohl strafbar gewesen.

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