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Bauarbeiter

Der Ifo-Index wird anhand einer monatlichen Umfrage unter rund 9000 Managern berechnet.

(Foto: dapd)

Geschäftsklima Rezessionsgefahr – Ifo-Index fällt auf niedrigsten Stand seit April 2013

Die Wirtschaftsaussichten verschlechtern sich erneut. „Die deutsche Konjunktur befindet sich in schwierigem Fahrwasser“, sagt Ifo-Präsident Fuest.
Update: 25.07.2019 - 11:36 Uhr Kommentieren

Berlin Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft ist auf den niedrigsten Stand seit mehr als sechs Jahren gefallen. Das Barometer für das Geschäftsklima fiel im Juli um 1,8 auf 95,7 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut am Donnerstag zu seiner monatlichen Umfrage unter rund 9000 Managern mitteilte. Das ist der niedrigste Wert seit April 2013. Ökonomen hatten lediglich mit einem Rückgang auf 97,1 Zähler gerechnet.

„Die deutsche Konjunktur befindet sich in schwierigem Fahrwasser“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Führungskräfte beurteilten ihre gegenwärtige Geschäftslage schlechter. Auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate und damit bis ins nächste Jahr hinein wurden skeptischer eingeschätzt.

Die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe ist laut den Münchner Forschern sogar im freien Fall. Auch im Dienstleistungssektor hat sich das Geschäftsklima eingetrübt.

Einziger Lichtblick ist die Baubranche, in der sich die Stimmung aufhellte. „Das Ifo-Geschäftsklima zeugt von einem schwachen Start ins zweite Halbjahr“, sagte Ökonom Philipp Scheuermeyer von der Förderbank KfW.

Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe befürchtet, dass der deutschen Wirtschaft unruhige Zeiten bevorstehen: „Die Rezession breitet sich in allen wichtigen Sektoren der deutschen Industrie aus.“ Das Bruttoinlandsprodukt dürfte laut dem Experten im zweiten Quartal geschrumpft sein, im dritten aber wohl leicht zugelegt haben.

Der exportabhängigen Wirtschaft macht neben dem Ende Oktober anstehenden EU-Austritt Großbritanniens auch der von US-Präsident Donald Trump entfachte Handelsstreit zu schaffen. Daher schwindet zusehends die Hoffnung auf eine Konjunkturerholung.

Manche Fachleute schließen auch eine technische Rezession im Frühjahr und Sommer nicht mehr aus – also zwei Quartale in Folge mit schrumpfender Wirtschaftsleistung.

Ökonomen sehen Konkjunkturabkühlung

Erste Reaktionen von Ökonomen waren eher pessimistisch. Die Analysten erwarten nicht, dass die neuen Zahlen ein Ausreißer nach unten sind. Eher sehen sie darin Anzeichen einer deutlichen Konkjunkturabkühlung.

Andreas Scheuerle von der Dekabank warnt vor einer Ansteckung der Branchen untereinander: „Deutschland steht bei den globalen Handelsstreitigkeiten bislang überwiegend als Beobachter an der Seitenlinie. Und dennoch wurde die deutsche Industrie von diesen hart getroffen. Weltweit sinkt die Investitionsneigung der Unternehmen, und das spürt Deutschland mehr als andere Länder: Unser Hauptexportschlager sind Investitionsgüter, Deutschland ist stark exportorientiert und sehr stark auf Asien und Nordamerika ausgerichtet. Noch halten die Binnenbranchen dagegen, doch man muss aufpassen, dass die Industrierezession sich nicht wie ein Geschwür die Binnenwirtschaft hineinfrisst.“

Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe erwartet eher eine Konjunkturdelle als eine echte Rezession: „Das Geschäftsklima schürt die Rezessionssorgen. Damit setzt sich die Negativ-Entwicklung aus dem vergangenen Quartal fort. Da es nicht nach einer Lösung der globalen Handelskonflikte aussieht und der Brexit verunsichert, droht die Konjunktur stärker nach unten zu kippen. Dies auch deshalb, weil sich der Dienstleistungssektor aktuell anzustecken beginnt. Auch wenn eine ausgeprägte Konjunkturdelle bisher wahrscheinlicher ist als eine echte Rezession: Die konjunkturellen Zeiten werden turbulenter.“

Laut Thomas Gitzel von der VP Bank ist eine Trendumkehr vorerst nicht zu erwarten: „Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer stimmt die deutsche Wirtschaft auf eine Rezession ein. Das hört sich nicht gut an – ist es auch nicht. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt war im zweiten Quartal gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres voraussichtlich leicht rückläufig. Die jüngsten Wasserstandsmeldungen aus der Industrie lassen nicht darauf schließen, dass es nun im dritten Quartal wieder bergauf geht.“

Philipp Scheuermeyer von der Kfw sieht zumindest für den Arbeitsmarkt auch beruhigende Signale: „Die enorme politische Unsicherheit, insbesondere durch die Handelskonflikte, macht der exportabhängigen Industrie schwer zu schaffen. Weltweit halten sich die Unternehmen mit Investitionen zurück und auch die Verbraucher zögern beim Kauf von langlebigen Konsumgütern wie Automobilen - wobei hier noch die Unsicherheit über zukünftige Antriebstechnologien und Umweltregulierungen hinzukommt. Immerhin dürfte der Arbeitsmarkt zunächst recht stabil bleiben, denn trotz der gehäuften Nachrichten über den Stellenabbau in Großkonzernen entstehen viele neue Jobs vor allem in den Dienstleistungsbereichen.“

Mehr: Die Stimmung in den deutschen Unternehmen hat sich bereits im Juni verschlechtert. Lesen Sie hier die Analyse von Donata Riedel.

  • rtr
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