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Geschlechtergerechtigkeit Studie: Zu wenig Chefinnen bei öffentlichen Unternehmen

Unternehmen mit Bundes- und Landesbeteiligungen tun zu wenig, um Frauen in Aufsichtsgremien oder das Topmanagement zu bringen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung.
09.09.2020 - 11:23 Uhr Kommentieren
Frauen: Öffentliche Unternehmen haben zu wenig Chefinnen Quelle: dpa
Bundesfrauenministerin Franziska Giffey

Es ist das Ziel der Ministerin, in den wichtigsten Bundesbeteiligungen bis Ende 2025 einen Frauenanteil von 50 Prozent in den Leitungspositionen zu erreichen.

(Foto: dpa)

Berlin Öffentliche Unternehmen sind kein Garant für Gleichstellung. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Organisation „Frauen in die Aufsichtsräte“ (Fidar), gefördert vom Bundesfrauenministerium. „Deutschland ist von einer Geschlechterparität sowohl in den Aufsichtsgremien als auch in den Führungsetagen der allermeisten öffentlichen Beteiligungen noch weit entfernt“, heißt es in der Studie.

Demnach verläuft bei den 262 größten Unternehmen mit Bundes- oder Landesbeteiligung die Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen wenig dynamisch: In den Aufsichtsgremien stieg der Anteil von Frauen im Vergleich zum Vorjahr nur um 1,4 Prozentpunkte auf 32,2 Prozent.

Damit liegen öffentliche Unternehmen zwar weiterhin gleichauf mit der Privatwirtschaft. Eine Vorbildfunktion, wie häufig von der Politik gefordert, übernehmen sie allerdings nicht. „Die Unternehmen des öffentlichen Sektors müssen mit gutem Beispiel vorangehen“, sagte Bundesfrauenministerin Franziska Giffey (SPD) und bekräftigte ihr Vorhaben, per Gesetz in den wichtigsten Bundesbeteiligungen bis Ende 2025 einen Frauenanteil von 50 Prozent auf der Leitungsebene zu erreichen. Es sei „deutlich mehr Engagement notwendig“, erklärte Giffey.

Für den sogenannten „Public Women-on-Board-Index“ hat Fidar die 262 Beteiligungen von Bund und Ländern zum Stand 1. Januar 2020 untersucht. Das Ergebnis: 48 der 262 Unternehmen mit staatlicher Beteiligung haben in den Aufsichtsgremien Parität oder sogar mehr Frauen als Männer.

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    Spitzenreiter und schwarze Schafe

    Vorn liegen hier die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik mit einem Frauenanteil von 77,78 Prozent, die Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altstandorten (Gesa), aber auch der Mautbetreiber Toll Collect (beide mit 66,67 Prozent). Bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sind von 37 Personen im Aufsichtsgremium nur acht weiblich. Das ist ein Anteil von 21,62 Prozent. Schlecht sieht es beim Logistikkonzern Schenker aus. Hier gibt es 20 Männer im Aufsichtsgremium, aber keine einzige Frau.

    Im Topmanagement der untersuchten Unternehmen stieg der Frauenanteil zum Vorjahr um vier Prozentpunkte auf 22 Prozent. Sechs öffentliche Unternehmen werden von Frauen geführt, darunter das Wissenschaftliche Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste, das Berliner Zentrum für Internationale Friedenseinsätze oder das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.

    14 Unternehmen haben eine komplett frauenfreie Führungsetage, Frauen sitzen also weder im Aufsichtsgremium noch im Topmanagement. Das ist ein Anteil von 5,3 Prozent. Die „schwarzen Schafe“ sind:

    • FCS Flight Calibration Services
    • Mitteldeutsche Eisenbahn
    • Schenker
    • Station Food
    • Bayern Kapital
    • Flughafen Kassel
    • Fördergesellschaft IZB – Innovations- und Gründerzentrum Biotechnologie
    • Hafenbetriebe Ludwigshafen am Rhein
    • Landesweingut Klosterpforta
    • Mitteldeutsche Flughafen AG (MFAG)
    • Sächsische Binnenhäfen Oberelbe
    • Sächsische Staatsbäder
    • SBB Saarland Bau- und Boden-Projektgesellschaft
    • Trierer Hafengesellschaft

    Bei Schenker etwa wird sich diese schlechte Bilanz aber im Dezember ändern: Die Tochter der Deutschen Bahn hat zum Jahresende Katharina Rath als Personalvorständin gewonnen. Doch Fidar-Präsidentin Monika Schulz-Strelow fordert einen Sinneswandel: „Bund und Länder müssen endlich handeln.“ Es sei ein Armutszeugnis, wenn Unternehmen mit staatlicher Beteiligung nicht mal in Aufsichtsgremien einen Frauenanteil von einem Drittel erreichten. „Hier sollten bei den Verantwortlichen längst die Alarmglocken läuten“, sagt Schulz-Strelow. Die öffentliche Hand habe bei der Gleichberechtigung eine Vorbildfunktion, entsprechend liege die Messlatte höher.

    Viele Unternehmen zeigen sich wenig ambitioniert

    Die Studie nimmt auch unter die Lupe, wie sich das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst (FüPoG) auf den öffentlichen Sektor auswirkt. Die Regierung hatte das Gesetz vor fünf Jahren geschaffen, um die Geschlechtergerechtigkeit und Diversität in deutschen Unternehmen zu erhöhen. Dazu zählt die Frauenquote von 30 Prozent für die Aufsichtsräte börsennotierter und voll mitbestimmter Unternehmen bei Neubesetzungen im Kontrollgremium.

    Die meisten öffentlichen Unternehmen sind jedoch nicht börsennotiert und fallen daher nicht unter diese verbindlich vorgeschriebene Quote. Nur für die Hamburger Hafen und Logistik Aktiengesellschaft (HHLA) greift die gesetzliche Quote. Die HHLA übertrifft diese Quote mit vier Aufsichtsrätinnen derzeit leicht: Der Frauenanteil liegt bei 33,3 Prozent. Seit 1. Januar 2017 hat mit Angela Titzrath eine Frau den Vorstandsvorsitz inne, der Frauenanteil dort beträgt somit 25 Prozent.

    Alle anderen untersuchten öffentlichen Unternehmen sind zwar teilweise mitbestimmt, aber nicht börsennotiert. Insofern die Unternehmen der Mitbestimmung unterliegen, besteht für sie die Verpflichtung, individuelle Zielgrößen für die Steigerung des Frauenanteils in den Aufsichtsgremien, dem Topmanagement sowie der ersten und zweiten Managementebene darunter fest- und offenzulegen. Das trifft für 123 der 262 untersuchten öffentlichen Unternehmen zu.

    Doch fast 40 Prozent der Unternehmen haben laut Studie keine Planungen für die Erhöhung des Frauenanteils vorgelegt. „Es ist nicht hinnehmbar, dass so viele öffentliche Unternehmen keine oder kaum ambitionierte Zielgrößen veröffentlichen“, sagte Bundesministerin Giffey. „Die Verschärfung von Sanktionen bei Nichtvorlage von Zielgrößen ist ein Baustein, mit dem wir hier den Druck erhöhen werden“, kündigte die SPD-Politikerin an. „Wir müssen das Potenzial der Frauen endlich nutzen – das gilt für privatwirtschaftliche Unternehmen und öffentliche gleichermaßen.“

    Grafik

    Gesetzesreform soll für Besserung sorgen

    Union und SPD hatten sich im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, das FüPoG zu reformieren (FüPoG II). Vereinbart wurden Sanktionen für große Unternehmen, die als Zielgröße für Frauen in der Chefetage „null“ angeben und das nicht stichhaltig begründen. Da Giffey und Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) im Gesetzentwurf jedoch auch eine Frauenquote für Vorstände vorsehen, hängt dieser derzeit in der Ressortabstimmung fest. Die Union ist gegen dieses Vorhaben.

    „Das Instrument der Zielgrößen sollte eine Chance für die strategische, unternehmensangepasste Steigerung des Frauenanteils sein“, sagte Fidar-Präsidentin Schulz-Strelow. Doch fünf Jahre nach Inkrafttreten des FüPoG-Gesetzes werde dies „in weiten Teilen nicht angenommen“. Da offensichtlich die Einsicht fehle, müssten der Druck erhöht und die Sanktionen verschärft werden.

    Als positives Beispiel nennt die Studie die Deutsche Bahn. Das Bundesunternehmen setze sich schon seit Längerem explizit mit dem Thema Diversität und Geschlechtergerechtigkeit auseinander und versuche, seiner Vorbildfunktion gerecht zu werden, heißt es. Demnach setzt sich die Bahn schon seit 2011 freiwillige Zielgrößen für Frauen in Führungspositionen sowohl für den Mutterkonzern als auch die Tochtergesellschaften.

    Es seien auch konkrete Maßnahmen zur Einstellung von mehr Frauen in Führungspositionen beschlossen worden. „Diese umfassen beispielsweise ein Vetorecht der jeweiligen Vorstände und Geschäftsführerinnen bei der Nicht-Einstellung von qualifizierten Frauen, die Aufnahme von Zielgrößen zur Steigerung des Frauenanteils in den Leistungsvereinbarungen für Führungskräfte und ein halbjährliches Monitoring des Grades der Zielerreichung in relevanten Gremien der Deutschen Bahn“, heißt es in der Studie.

    Doch auch hier gibt es Nachholbedarf. So liegt der Frauenanteil bei der Deutschen Bahn laut dem Index im Aufsichtsgremium nur bei 25 Prozent. Und bei der für Streckennetz und Bahnhöfe zuständigen Tochterfirma DB RegioNetz Infrastruktur liegt er wie bei Schenker sogar bei null.

    Mehr: Die Coronakrise erschwert die ohnehin geringe Gleichstellung

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