Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Gesundheitspolitik Amputationen bei Diabetikern – ein vermeidbares Schicksal

Es ist die Horror-Diagnose für zehntausende Diabetiker jedes Jahr: Fuß oder Zehen müssen amputiert werden. Doch Experten kritisieren, viele Eingriffe seien unnötig. Der Fehler liegt ihrer Ansicht nach im System.
16.02.2016 - 20:14 Uhr
Bei 50.000 Zuckerkranken jährlich werden Fuß oder Zehen amputiert. Quelle: dpa
Griff zum Skalpell

Bei 50.000 Zuckerkranken jährlich werden Fuß oder Zehen amputiert.

(Foto: dpa)

Berlin Tausenden Diabetes-Patienten werden nach Ansicht der Deutschen Diabetische Gesellschaft Füße oder Zehen amputiert, obwohl der medizinische Nutzen des Eingriffs gering ist. „Bis zu 50.000 Mal im Jahr wird in Deutschland bei an Diabetes Erkrankten ein Fuß amputiert. Das sind 50.000 individuelle oft vermeidbare Leidensgeschichten“, sagte Ralf Lobmann, ärztlicher Direktor der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Geriatrie am Klinikum Stuttgart am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Berlin. Eine Studie der Allgemeinen Ortskrankenkassen hatte 2003 noch 13.400 Amputationen bei Diabetikern ermittelt.

„Alle 15 Minuten verliert ein Mensch eine Extremität. Diese Zahl ist auch im internationalen Vergleich zu hoch“, sagte Lobmann weiter. Für viele Patienten  bedeutet der Eingriff nicht einmal die erhoffte Heilung. 20 Prozent versterben bei oder nach der Operation.

Weitere 20 Prozent sterben in den ersten zwölf Monaten nach der OP. „Fast jeder Zweite überlebt den Eingriff keine fünf Jahre“, weiß Lobmann, der im Ehrenamt die Arbeitsgemeinschaft Diabetischer Fuß leitet. Sie war 1993 auch mit dem Ziel gegründet worden, die Erfüllung der St. Vincent Deklaration von 1989 zu erreichen.

Damals verabredeten sich Vertreter von Gesundheitsministerien und Patientenorganisationen der Europäischen Union in dem italienischen Städtchen St. Vincent, die Zahl der Amputationen zu  halbieren und auch andere Komplikationen wie die Erblindung einzudämmen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Ganz erfolglos waren die danach folgenden Bemühungen nicht. So gibt es in Deutschland inzwischen schon länger Behandlungsprogramme für die Zuckerkrankheit, bei denen niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser zusammenarbeiten. Wer an Diabetes erkrankt,  hat heute auch in  Deutschland eine weitaus größere Chance, keinen diabetischen Fuß zu bekommen oder eine zuckerbedingte Erkrankung der Netzhaut des Auges zu vermeiden.  Doch zugleich ist es nicht gelungen, die Zahl der Neuerkrankungen einzudämmen. Aktuell gibt es sechs bis acht Millionen Diabetiker in Deutschland. Und die Zahlen steigen weiter. 

    Fehlanreize im Gesundheitssystem
    Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen
    Mehr zu: Gesundheitspolitik - Amputationen bei Diabetikern – ein vermeidbares Schicksal
    Serviceangebote
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%