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Gesundheitspolitik Grüne fordern Digitalstrategie für die Pflege – „Roboter dürfen keine Menschen ersetzen“

Die Grünen fordern hohe Investitionen in digitale Pflege-Technologien. Beim Einsatz von Pflegerobotern sehen sie aber klare ethische Grenzen.
17.02.2020 - 10:01 Uhr 4 Kommentare
Der Spitzenverband Digitale Gesundheitsversorgung fordert etwa, dass digitale Pflegeanwendungen auch stationär eingesetzt werden können. Quelle: dpa
Pflege

Der Spitzenverband Digitale Gesundheitsversorgung fordert etwa, dass digitale Pflegeanwendungen auch stationär eingesetzt werden können.

(Foto: dpa)

Berlin Die Grünen sehen einen riesigen Bedarf an Investitionen in die Digitalisierung der Pflege. Der Einsatz von neuen Technologien könne Pflegekräfte entlasten und Pflegebedürftigen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen, heißt es in einem Papier aus der Grünen-Bundestagsfraktion, das am Dienstag vorgestellt werden soll und dem Handelsblatt vorliegt.

„Die Digitalisierung in der Pflege eröffnet uns neue Wege, ist aber keineswegs ein Selbstläufer“, sagte Grünen-Chefin Annalena Baerbock dem Handelsblatt. „Damit sie zur Chance für die Menschen wird, muss Politik gestalten – mit einer klaren Strategie und einer nachhaltigen Finanzierung.“

In dem Papier werden Bund und Länder aufgefordert, einen „Digitalpakt“ für die Kranken- und Altenpflege zu schließen. „Der Bedarf für notwendige IT-Investitionen liegt allein für die Krankenhäuser deutschlandweit bei mindestens zwei Milliarden Euro jährlich“, schreiben die Grünen.

Außerdem fordern sie finanzielle Mittel, um digitale Innovationen in der Pflege zu fördern: „Dazu soll die Pflegeversicherung 40 Millionen Euro zu dem bestehenden Innovationsfonds der Krankenkassen beisteuern, damit dieser thematisch für den Versorgungsbereich der Pflege geöffnet werden kann.“

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    Das im vergangenen Jahr in Kraft getretene Pflegepersonalstärkungsgesetz von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht lediglich eine Anschubfinanzierung von digitalen Investitionen vor. Ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen können einen einmaligen Zuschuss von bis zu 12.000 Euro für die Anschaffung digitaler Technik sowie Weiterbildungsmaßnahmen in diesem Bereich erhalten.

    Zwischenmenschlicher Kontakt sei nicht zu ersetzen

    Die Grünen sehen bei der Digitalisierung der Pflege aber ethische Grenzen: „Roboter dürfen keine Menschen ersetzen.“ Der direkte zwischenmenschliche Kontakt sei durch nichts zu ersetzen. „Das gilt umso mehr bei der Pflege von Menschen, die beispielsweise an Demenz erkrankt sind.“

    Außerdem müsse gewährleistet sein, dass ältere und pflegebedürftige Menschen „jederzeit die Kontrolle über die Anwendung der Technologien und die Verwendung ihrer Daten behalten“. Dazu sei „eine gezielte Vermittlung von digitalen Kompetenzen an ältere Menschen“ nötig.

    Auch Pflegekräfte müssten auf die neuen Anforderungen durch digitale Technologien vorbereitet werden. „Eine entsprechende Ausstattung der Pflegeschulen ist ebenso notwendig wie gezielte Unterstützung, Begleitung und Weiterbildung in der Berufspraxis“, heißt es in dem Papier.

    „Die Digitalisierung in der Pflege lässt Hoffnungen sprießen, dass neue Technologien älteren und pflegebedürftigen Menschen ein längeres Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen könnten, aber auch das Pflegepersonal entlasten und ihm mehr Zeit für Fachlichkeit ermöglichen könnten“, sagte Kordula Schulz-Asche, Sprecherin für Alten- und Pflegepolitik der Grünen-Bundestagsfraktion, dem Handelsblatt. Der Bundesgesundheitsminister müsse „endlich eine Strategie zur Umsetzung der Digitalisierung im Gesundheitswesen auf den Weg bringen“.

    Auch wenn die Grünen Spahn kritisieren: Der Minister misst der digitalen Ausrichtung des Gesundheitswesens eine große Bedeutung bei, das gilt auch für die Pflege. „Es ist wichtig, dass wir Digitalisierung und technischen Fortschritt nutzen, um Pflegekräfte zu entlasten“, sagte er kürzlich.

    Diskussion über Pflegeroboter

    Bei der Digitalisierung der Pflege geht es nicht nur um Software für die Tourenplanung von Sozialstationen oder die Dokumentation von Pflegeleistungen per Smartphone. Für Altenheime und Wohnungen von Pflegebedürftigen werden Smart-Home-Lösungen entwickelt – beispielsweise Sensoren, die Stürze melden, oder Videosysteme für den Kontakt zu Ärzten.

    Viel diskutiert wird auch über den Einsatz von Pflegerobotern – wobei hier weniger menschenähnliche Maschinen gemeint sind, die durch Altenheime fahren und sich um die Bewohner kümmern. Im Versorgungsalltag kommen vor allem technische Assistenzsysteme an, mit denen pflegebedürftige Menschen aus dem Bett gehievt oder zur Toilette gebracht werden können.

    Die Grünen fordern, ambulante Pflegedienste und Heime schnell an das neue Gesundheitsdatennetz anzubinden. Bislang ist für sie der Anschluss an die sogenannte Telematikinfrastruktur freiwillig.

    Pflegeexperten müssten zudem stärker in die Entscheidungen der für den Aufbau des Datennetzes zuständigen Gesellschaft (Gematik) eingebunden werden: „Ohne das Wissen von Pflegeexpertinnen und Experten wird sie ihre Aufgabe für die Pflege nicht erfolgreich wahrnehmen können.“

    Mehr: In Deutschland sind immer mehr Senioren auf Pflegeleistungen angewiesen. Eine Studie zeigt: Die Branche stellt sich auf große Investitionen ein.

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    4 Kommentare zu "Gesundheitspolitik: Grüne fordern Digitalstrategie für die Pflege – „Roboter dürfen keine Menschen ersetzen“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Damit eHealth funktioniert, müssen jedoch verschiedene grundlegende Strukturen geschaffen werden. Das fängt beim flächendeckenden Ausbau des Datennetzes in gesamt Deutschland an. Viele Regionen sind immer noch sehr schlecht an das Internet angebunden. (aus: https://www.cibx.de/technik-und-mensch-muessen-mehr-zusammenarbeiten-adriano-pierobon-ueber-die-zukunft-von-ehealth/)

    • gepflegt werden von Robotern .... da möchte man wahrlich niemals alt werden - es ist edie reinste Gruselvorstellung ...
      Herr Spahn - bei Ihren Extra-Verdiensten durch die Ihnen so holde Chemie- und Medizientechnik-industrie werden Sien persönlich keine Angst haben zu brauchen, einmal in so eine Falle zu geraten

      Aber im Lande gibt es Millionen alte Menschen, die einen humanen Lebensabend verdient haben !!!

      Kenne Sie zum Beispiel 90-jährige, die sich gerne mit Apps herumschlagen ?

      Ich nicht !!! Ich kenne aber zu Hauf solche, die mit Digitaltechnik nichts, aber rein gar nicht zu tun haben wollen.

      Wo leben wir ...

      Bleiobt da nur noch aus umsiedeln im alter nach Thailand ? Oder in andere Billiglohnländer , die noch etwas von humanem Pflegedients verstehen ?

      Hier in Deutschland geht es nur noch um die Gewinne der Industire...

      Leben, Menschlichkeit, Natur ... Ethik und Moral bleibt auf der Strecke.
      Ganz zu Schweigen von der Natur, die für diesen Wahnsinn abgeholzt, verdreckt, auf ewig verstrahlt, chemisch verunreinigt und verstrahlt wird durch G5 Technologie....



    • Wenn es nicht genug Menschen zur Pflege gibt, muessen Roboter her. Prioritaet ist die
      Pflege sicher zu stellen. Aber wenn die Gruenen aus ihren Reihen genug Freiwillige stellen,
      sollten wir das gerne annehmen.

    • Warum lese ich auch im HB jeden Tag mindestens eine Forderung oder einen Artikel über die Grünen? Sind die Regierungspartei? Schlägt das Herz des Autors für die Grünen? Dann kann ich auch Zeit, Süddeutsche oder FAZ abonnieren!

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