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Gesundheitspolitik „Kuddelmuddel“ bei digitaler Patientenakte – für Ärzte eine Horrorvorstellung

Bislang fehlen bei elektronischen Patientenakten einheitliche technische Vorgaben. Und das wird sich so schnell auch nicht ändern – zu Lasten der Ärzte und Patienten.
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Versicherten würde ein Wechsel zwischen den Krankenkassen unnötig erschwert. Quelle: dpa
Digitale Patientenakte

Versicherten würde ein Wechsel zwischen den Krankenkassen unnötig erschwert.

(Foto: dpa)

Berlin Der Digitalisierung widmet sich Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit besonderer Leidenschaft. Auch im diese Woche vorgestellten Gesetzentwurf für schnellere Arzttermine und bessere Versorgung treibt er das Thema voran: Die Krankenkassen werden verpflichtet, ihren Versicherten bis spätestens Anfang 2021 elektronische Patientenakten zur Verfügung zu stellen.

Zudem schafft Spahn in dem Entwurf die Möglichkeit, dass Patienten mit Smartphones auf ihre Gesundheitsdaten zugreifen können.

Eine Antwort seines Ministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen verdeutlicht allerdings, dass auf dem Weg in die Zukunft des Gesundheitswesens noch einige Hürden stehen. Mehrere Kassen haben bereits Projekte für eine Digitalakte auf den Weg gebracht, in der Arztbefunde, Röntgenbilder und andere Informationen zur Krankengeschichte gespeichert werden.

Zwar könnten diese Angebote „wichtige Impulse zur geplanten Nutzung elektronischer Patientenakten“ liefern, heißt es in der Regierungsantwort, die dem Handelsblatt vorliegt.

Allerdings fehlen bislang einheitliche technische Vorgaben. Die Grünen sehen daher die Gefahr, dass am Ende ein „Kuddelmuddel“ nicht miteinander kompatibler Standards stehen könnte. Für Ärzte wäre es eine Horrorvorstellung, je nach Patient mit unterschiedlichen Formaten arbeiten zu müssen. Versicherten würde derweil ein Wechsel zwischen den Krankenkassen unnötig erschwert.

„Die inzwischen von zahlreichen Kassen angebotenen Gesundheitsakten werden faktisch zu Forschungsprojekten auf dem Weg zur elektronischen Patientenakte degradiert“, kritisierte die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, Maria Klein-Schmeink. „So fällt der Bundesregierung auf die Füße, dass sie weder für die Digitalisierung im Gesundheitswesen als Ganzes noch für eines der Schlüsselprojekte, die Patientenakte, eine erkennbare Strategie hat.“

Spahns Ministerium weist in seiner Antwort darauf hin, dass die Betreibergesellschaft für das sichere Datennetz im Gesundheitsbereich (Gematik) bis Ende des Jahres die Standards definieren soll.

Nun sind die Techniker Krankenkasse, die AOK sowie ein Verbund aus mehr als 90 gesetzlichen und privaten Kassen mit ihren Projekten, die am Ende bis zu 60 Millionen Versicherten eine Digitalakte geben könnten, schon sehr weit fortgeschritten. Das Gesundheitsministerium macht deutlich, dass sich diese Angebote nach den Vorgaben der Gematik richten müssten – auch wenn die noch gar nicht feststehen.

„Wie dies bei einem bereits fertiggestellten System technisch und finanziell in vertretbarer Weise umsetzbar sein soll, bleibt das Geheimnis der Regierung“, bemängeln die Grünen.

In Spahns Gesetzentwurf heißt es dazu, dass die Kassen verpflichtet seien, ab dem 1. Januar 2021 eine von der Gematik zugelassene Digitalakte anzubieten. Die „Anpassung von bestehenden Systemen“ werde dabei „Ausgaben in nicht quantifizierbarer Höhe“ zur Folge haben.

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