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Gesundheitspolitik Nur eine Minderheit der Versicherten muss laut Umfrage lange auf einen Arzttermin warten

Gesundheitsminister Spahn geht gegen Wartezeiten bei Ärzten vor. Das könnte ein Scheingefecht sein: Viele Patienten sehen offenbar gar kein Problem.
28.08.2018 - 16:51 Uhr Kommentieren
Bei der Bewertung von Wartzeiten auf Termine gibt es unterschiedliche Wahrnehmungen und Erhebungen. Quelle: dapd
Wartezimmer

Bei der Bewertung von Wartzeiten auf Termine gibt es unterschiedliche Wahrnehmungen und Erhebungen.

(Foto: dapd)

Berlin Mit seinem Gesetz für schnellere Arzttermine hat sich Jens Spahn unter Medizinern wenig Freunde gemacht. Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, wetterte gegen die „Schaufensterpolitik“ und einen „unübersehbaren Wust an Neuregelungen“. Das Gesetz sei „nicht administrierbar“, lautete das vernichtende Urteil, das Gassen nach der Vorstellung des Entwurfs Ende Juli einer Runde von Journalisten anvertraute.

Am Dienstag legten die Kassenärzte die Ergebnisse ihrer jährlichen Patientenbefragung vor. Die Ärzteschaft sieht sich durch die Ergebnisse in ihrer Ansicht bestätigt, dass das Aufregerthema Wartezeiten für einen Behandlungstermin kein wirkliches Problem darstelle.

Auf die Frage, ob es ihnen beim letzten Arztbesuch zu lange gedauert habe, bis sie einen Termin bekommen haben, antworteten demnach 80 Prozent der Befragten mit einer Wartezeit von mindestens einem Tag mit nein. Nur 20 Prozent meinten, dass sie sich zu lange gedulden mussten. Ein Vergleich mit den Umfragedaten der vergangenen zwölf Jahre zeigt, dass dieses Verhältnis konstant ist.

„Die Wartezeiten, die von der Politik als ein derart drängendes Problem angesehen werden, dass sie aktuell sogar ein Gesetz dafür macht, sind aus Sicht der allermeisten Patienten vollkommen akzeptabel“, sagte Gassen zu den Ergebnissen. Natürlich sei „nicht alles perfekt“, insgesamt laufe die Terminvergabe aber gut.

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    Die KBV hatte ein renommiertes Umfrageinstitut mit der repräsentativen Erhebung betraut, die Forschungsgruppe Wahlen. Die Demoskopen befragten zwischen April und Juni insgesamt rund 6.000 zufällig ausgewählte Bundesbürger, eine vergleichsweise große Stichprobe.

    Bei den Hausärzten bekamen im vergangenen Jahr 37 Prozent der Befragten nach eigener Auskunft sofort einen Termin, bei 19 Prozent war gar keine Terminvereinbarung nötig. Lediglich vier Prozent mussten länger als drei Wochen warten, um einen Allgemeinmediziner zu sehen.

    Angespannter ist die Situation allerdings bei den Fachärzten. Dort berichten 19 Prozent der Befragten von keiner Wartezeit, dagegen verstrichen bei 32 Prozent mehr als drei Wochen bis zum Termin.

    Spahn kreidet den Ärzten an, dass sie bei der Terminvergabe zu oft einen Unterschied zwischen gesetzlich und privat Versicherten machen. Als der Minister die Mediziner im Mai auf dem Ärztetag mit der Kritik konfrontierte, antworteten diese mit entrüstetem Grummeln.

    Die von der KBV in Auftrag gegebene Studie zeigt aber, dass Kassenpatienten gerade von langen Wartezeiten stärker betroffen sind. Während 16 Prozent der gesetzlich Versicherten angaben, beim letzten Praxisbesuch bei über drei Wochen auf einen Termin gewartet zu haben, beträgt dieser Wert bei Privatpatienten nur zehn Prozent.

    Noch deutlicher sind die Unterschiede, wenn es nur um Termine beim Facharzt geht. Dort mussten nach eigener Auskunft 34 Prozent der Kassenpatienten mehr als drei Wochen auf einen Termin warten, vier Punkte mehr als im Vorjahr. Bei privat Versicherten mussten sich laut der repräsentativen Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen lediglich 18 Prozent so lange gedulden.

    In der „kritischen Dimension“ der mehrwöchigen Wartezeiten gebe es sehr wohl Unterschiede zwischen Kassen- und Privatpatienten, resümierte Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen.

    Im Kern von Spahns Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) steht das Versprechen, die Wartezeiten der Kassenpatienten zu verkürzen. Dazu sollen die Servicestellen zur Terminvergabe an Patienten ausgebaut und die Mindestsprechstundenzeiten von 20 auf 25 Stunden pro Woche angehoben werden.

    Bestimmte Gruppen wie Haus- und Kinderärzte, Augenärzte oder Gynäkologen müssen wöchentlich mindestens fünf offene Sprechstunden ohne vorherige Terminvereinbarung anbieten. Die Kassenärztlichen Vereinigungen sollen mit einheitlichen Prüfkriterien und jährlichen Berichten an die Aufsichtsbehörden darüber wachen, dass die Mediziner die Vorgaben auch einhalten.

    Für die zusätzlichen Leistungen sollen die Ärzte von den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) besser und außerhalb der Budgets bezahlt werden, die niedergelassene Ärzte für die Behandlung von Kassenpatienten zugewiesen bekommen. Für die Kassen bedeutet das nach Schätzungen des Gesundheitsministeriums Mehrkosten in Höhe von 500 bis 600 Millionen Euro jährlich.

    Die Kassenärzte fordern derweil, alle Grundleistungen von Haus- und Fachärzten bei neuen Patienten ungedeckelt zu vergüten. Das wiederum stößt bei den gesetzlichen Kassen auf Widerstand. Der GKV-Spitzenverband fürchtet, dass ohne Obergrenze die Ausgaben aus dem Ruder laufen.

    Die Patientenbefragung der KBV widmete sich auch einem anderen Bereich, der die Gesundheitspolitik zuletzt bewegte: Patienten, die mit kleineren Beschwerden die Notfallambulanzen der Krankenhäuser aufsuchen. Gassen hatte im Sommer eine „Strafgebühr“ für überflüssige Besuche in der Notaufnahme gefordert, nach heftiger Kritik ruderte die KBV dann aber zurück.

    Die Umfrageergebnisse deuten darauf hin, dass dieses Problem abnimmt: 33 Prozent der Befragten gaben an, für Hilfe nachts oder an Wochenenden direkt ins Krankenhaus zu gehen. Im vergangenen Jahr waren es noch 47 Prozent. Der Anteil der Versicherten, die sich nach eigenen Angaben an ärztliche Bereitschaftsdienste wenden, stieg im gleichen Zeitraum von 20 auf 26 Prozent an.

    „Das ist eine Trendwende“, sagte Gassen. Immerhin in diesem Punkt liege Spahn richtig mit seinem Gesetz, das die Erreichbarkeit des Bereitschaftsdiensts unter der bundesweit einheitlichen Rufnummer 116117 verbessern soll.

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