Gesundheitssysteme weltweit Auch anderswo ein Spielfeld für Ideologen

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Japan:  Keine Wahlfreiheit bei Krankenkassen

Aus japanischer Sicht sind die Verhältnisse in den USA unverständlich. In Japan muss gesetzlich jeder Bewohner versichert sein. Doch auch die deutsche Qual der Wahl von Krankenkassen ist den Japanern fremd. Wahlfreiheit gibt es nicht. Festangestellte werden über ihre Arbeitgeber versichert. Für Freiberufler und Studenten gibt es die Nationale Krankenversicherung, die durch die Gemeinden verwaltet wird. Private Alternativen sind nicht vorgesehen. Versicherer bieten allenfalls Zusatzversicherungen an, die zum Beispiel pro Krankenhaustag Geld ausschütten oder einen Teil des Selbstbehalts ausgleichen. Denn der liegt bei maximal 30 Prozent für normale Versicherte.´

Immerhin wird die Zuzahlung gedeckelt, allerdings erst bei maximal 300.000 Yen (rund 2500 Euro). Doch die Sätze für Alte und Arme liegen darunter. Kleinkinder sind in der Regel gänzlich befreit. Die einkommensabhängigen Prämien und der Selbstbehalt der Versicherten deckten 2013 nach dem jüngsten Weißbuch des Gesundheitsministeriums allerdings nur 49 beziehungsweise zwölf Prozent der Ausgaben ab. 39 Prozent schossen die Zentralregierung sowie die Gemeinden aus dem Steuersäckel zu.

In Japan wird zwar oft kritisiert, dass fehlender Konkurrenzkampf unter den stark geschützten Ärzten oder Apothekern die Kosten treibt. Die rasante Alterung verstärkt die Diskussion noch, da Japans Gesundheitsausgaben in den kommenden Jahren stark steigen werden.

Doch auch ohne Wettbewerb scheint das System letztlich recht effizient. Japaner haben die längste Lebenserwartung unter Industrieländern. Aber der Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt liegt bei zehn Prozent – und damit unter dem Deutschlands und erst recht dem der USA. Pro Kopf der Bevölkerung gaben die Japaner 2013 mit 3713 US-Dollar sogar 23 Prozent weniger als Deutsche für ihre Gesundheit aus.

Und dies wird nicht etwa durch lange Wartezeiten für Spezialbehandlungen wie in Großbritannien erkauft, klärt das Japans Gesundheitsministerium auf einem englischsprachigen Flugblatt auf. „In Japan ist das kein Thema.“

Martin Kölling, Tokio

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