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Gesundheitssysteme weltweit Auch anderswo ein Spielfeld für Ideologen

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Russland: Überbleibsel aus Sowjetzeiten

Die medizinische Grundversorgung in Russland ist laut Verfassung kostenlos. Finanziert wird sie seit der letzten Gesundheitsreform vor fünf Jahren über das System der „Obligatorischen Krankenversicherung“. Die Beiträge der Krankenversicherung zahlt der Arbeitgeber (5,1 Prozent des Gehalts), für die nichtarbeitende Bevölkerung kommt der Staat auf. Das kostenlose Gesundheitssystem ist ein Überbleibsel der sozialen Absicherung, das noch aus Sowjetzeiten stammt. Doch leider stammt auch der Großteil der staatlichen Krankenhäuser samt ihrer Einrichtung noch aus dieser Zeit. Der Staat finanziert den Bereich Medizin nur unzureichend und hat viele Finanzierungspflichten auf die Regionen abgewälzt.

Gerade in der Provinz ist die Ausrüstung in den Polikliniken daher oft veraltet, die Ärzte sind überlastet, schlecht bezahlt und dementsprechend unmotiviert. Im südrussischen Gebiet Saratow beispielsweise hat sogar die Staatsanwaltschaft inzwischen ein Verfahren gegen die Gebietsregierung wegen der Unterfinanzierung der Krankenhäuser eingeleitet. In der Region fehlen 90 Millionen Euro zur Finanzierung.

In Moskau ist die medizinische Versorgung besser, daher versuchen viele Russen, sich dort in einer der Polikliniken als Patienten fest einzuschreiben. Doch auch hier hören sie oft: „Ultraschall müssen Sie aber extra zahlen, das gehört nicht zu den kostenlosen Leistungen“, oder „Das Blutbild müssen Sie sich in einem Privatlabor erstellen lassen, so etwas machen wir hier nicht.“ Medikamente müssen sich die meisten inzwischen ohnehin selbst kaufen, nur Rentner werden vor die Wahl gestellt, einen Rentenzuschuss zu bekommen oder von Zuzahlungen für bestimmte Medikamente befreit zu werden.

Viele Russen verzichten daher inzwischen auf das staatliche Gesundheitssystem und gehen zu einem Privatarzt. Die Zahl der Privatkliniken gerade im reicheren Moskau ist entsprechend stark gestiegen. Freilich klagen auch hier viele Patienten – diesmal allerdings darüber, dass ihnen überflüssige medizinische Dienstleistungen aufgeschwatzt werden. In Moskau kursiert daher schon der Witz: „Nichts ist schwerer, als einem staatlichen Arzt zu beweisen, dass man krank ist und einem privaten Arzt zu beweisen, dass man gesund ist“.

André Ballin, Moskau

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