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Gewerkschaft Frank Werneke soll auf Frank Bsirske als Verdi-Chef folgen

Eine Findungskommission hat sich für Frank Werneke als Bsirske-Nachfolger entschieden. Der Gewerkschaftsrat soll im November darüber beraten.
Update: 12.09.2018 - 12:46 Uhr Kommentieren
Frank Werneke könnte Nachfolger von Frank Bsirske werden.
Verdi-Vizechef Frank Werneke

Frank Werneke könnte Nachfolger von Frank Bsirske werden.

BerlinSonntags gönnt sich Frank Bsirske gerne mal eine Ruhepause. Dann arbeitet der Gewerkschafter nur sieben oder acht Stunden, so erzählt er es in kleiner Runde selbst gern. Auch wenn man ein bisschen Koketterie abzieht: Vorsitzender der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi zu sein, ist ein Knochenjob.

Als 1000 Berufe-Gewerkschaft versteht sich die Organisation selbst. Sie vertritt Müllwerker genauso wie Altenpflegerinnen, Verkäuferinnen oder Verwaltungsbeamte. Manche sagen, es ist leichter einen Sack Flöhe zu hüten, als den Laden Verdi zusammenhalten. Und auch in der Politik muss sich die Gewerkschaft Gehör verschaffen, sei es beim Mindestlohn oder in der Rentendebatte.

Doch Frank Bsirske, der seit der Gründung 2001 an der Spitze der Gewerkschaft steht, steht für den Job nicht mehr lange zur Verfügung. Wenn im September 2019 seine fünfte Amtszeit endet, ist er 67. Dann muss ein Jüngerer den Knochenjob übernehmen.

Nun zeichnet sich ab, dass das Bsirskes Stellvertreter Frank Werneke sein wird. Eine Findungskommission hat den 51-Jährigen jetzt für die Nachfolge vorgeschlagen, wie Verdi bestätigt. Die „Stuttgarter Zeitung“ und die „Stuttgarter Nachrichten“ hatten zuerst darüber berichtet.

Werneke, der bei der Gewerkschaft den Fachbereich Medien, Kunst und Industrie leitet, soll dabei von einem Frauenduo unterstützt werden. Die zweite Bsirske-Stellvertreterin Andrea Kocsis sowie Christine Behle, Leiterin des Bundesfachbereichs Verkehr, sollen als gleichberechtigte Vizes agieren.

Lange war über die Nachfolge spekuliert worden. Da mehr als die Hälfte der noch knapp zwei Millionen Verdi-Mitglieder Frauen sind, wäre die Zeit reif für eine Frau an der Spitze. Doch dem Vernehmen nach wollte sich Kocsis für den Job nicht aufreiben. „Es macht keinen Sinn, jemanden aufzustellen, der das partout nicht will“, sagte Monika Brandl, die ehrenamtliche Vorsitzende des Gewerkschaftsrats, dem Handelsblatt.

Die 52-jährige Kocsis, die den Fachbereich Postdienste, Speditionen und Logistik leitet, war durchaus einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden, weil sie mehrfach harte Tarifauseinandersetzungen mit der Deutschen Post geführt hat und dabei auch vor langen Streiks nicht zurückschreckte.

Dagegen ist Werneke für die meisten wohl eher ein unbeschriebenes Blatt. Der von ihm geführte Fachbereich vertritt rund 150.000 Mitglieder aus Medienhäusern, der Druckindustrie oder Kulturschaffende. Öffentlichkeitswirksame Arbeitskämpfe sind hier eher die Ausnahme als die Regel.

Werneke, der in Schloss Holte bei Bielefeld geboren wurde, ist gelernter Verpackungsmittelmechaniker. Seine Gewerkschaftskarriere startete er bei der IG Druck und Papier, die zunächst in der IG Medien und schließlich in Verdi aufging.

Seit 2003 ist er stellvertretender Verdi-Chef und für die Bereiche Finanzen, Freie und Selbstständige, Vermögens- und Beteiligungsverwaltung und Mitgliederentwicklung zuständig.

Vor allem an Letzterer wird sich der künftige Verdi-Chef messen lassen müssen. Die Dienstleistungsgewerkschaft hat seit ihrer Gründung 2001 mehr als 800.000 Mitglieder verloren.

Eine Strukturreform, die noch von Bsirske angestoßen wurde, soll nun helfen, den Schwund zu stoppen und näher an die Basis zu kommen. Verdi will die 13 Fachbereiche, die wie eigene Kleingewerkschaften agieren, zu vier Großbereichen fusionieren. Das wird nicht ohne Friktionen abgehen, auch weil Finanzmittel umverteilt werden. Auf Werneke kommt hier sicher noch Moderationsarbeit zu.

Überhaupt wird es nicht leicht für den ledigen Gewerkschafter, aus dem Schatten Bsirskes zu treten. Der hat es sich zum Beispiel nie nehmen lassen, die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst, wo Verdi seine stärkste Basis hat, selbst zu führen. Ob Werneke an dieser Tradition festhält, ist offen.

Zunächst mal muss er aber überhaupt erst gewählt werden. Die Findungskommission setzt sich aus Mitgliedern des Präsidiums des Gewerkschaftsrates zusammen – des höchsten Organs zwischen den alle vier Jahre tagenden Bundeskongressen.

Über den Vorschlag der Kommission wird nun am 8. und 9. November der Gewerkschaftsrat diskutieren und eine Nominierung aussprechen. Gewählt werden müsste Werneke dann beim nächsten Bundeskongress im September 2019 in Leipzig.

Bei Verdi will man sich offiziell noch nicht zu der Personalie äußern, wohl aber Gewerkschaftsrats-Chefin Brandl: „Ich bin überzeugt, dass Frank Werneke den Job genauso gut machen wird wie Frank Bsirske.“

Viel spricht aber dafür, dass der Einzelkämpfer Bsirske in gut einem Jahr durch ein kooperativ arbeitendes Führungstrio abgelöst wird. Dann ließe sich auch die Wochenendarbeit auf mehrere Schultern verteilen.

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