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Gewerkschaft IG Metall verliert in der Coronakrise Mitglieder – und gibt sich trotzdem kampfbereit

„Kein Streik wird an den Finanzen scheitern“, betont Hauptkassierer Kerner. Trotz Einbußen schaut die Gewerkschaft optimistisch ins Superwahljahr 2021.
28.01.2021 - 13:13 Uhr 2 Kommentare
„Keine politische Aktion, kein Streik wird an den Finanzen scheitern.“ Quelle: dpa
IG-Metall-Fahne vor dem Schweriner Schloss

„Keine politische Aktion, kein Streik wird an den Finanzen scheitern.“

(Foto: dpa)

Berlin Die IG Metall als größte deutsche Gewerkschaft hat im Corona-Jahr an Stärke eingebüßt, geht aber dennoch mit einem umfangreichen Forderungspaket in die laufende Metall-Tarifrunde und das Superwahljahr. „Die IG Metall ist unter schwierigen Bedingungen handlungsfähig“, sagte der erste Vorsitzende Jörg Hofmann bei der Jahrespressekonferenz in Frankfurt am Donnerstag.

Im vergangenen Jahr konnten 87.502 neue Mitglieder gewonnen werden. Dies sei „eine stolze Leistung“, auch wenn der Wert unter dem des Vorjahres liege, sagte Hofmann. Unter dem Strich sank die Mitgliederzahl aber um 48.000 oder zwei Prozent auf 2.214.662.

Der Rückgang habe mehrere Ursachen, erläuterte der IG-Metall-Chef. So sei die Zahl der Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie im vergangenen Jahr um 120.000 oder drei Prozent zurückgegangen. Auch habe es einen Rückgang bei den neu geschlossenen Ausbildungsverträgen gegeben. Und schließlich erschwerten die pandemiebedingten Kontaktbeschränkungen die Mitgliederwerbung.

Erstmals seit vielen Jahren sind auch die Beitragseinnahmen gesunken. Sie lagen im abgelaufenen Jahr bei 591 Millionen Euro, sieben Millionen weniger als 2019, aber 5,5 Millionen mehr als 2018. Die gesunkenen Einnahmen hätten aber keine Auswirkungen auf die Arbeitskampf- oder Kampagnenfähigkeit der Gewerkschaft, betonte Hauptkassierer Jürgen Kerner: „Keine politische Aktion, kein Streik wird an den Finanzen scheitern.“

Derzeit laufen die Tarifverhandlungen für die rund 3,9 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie, die zweite Runde ist abgeschlossen. Am 1. März läuft die Friedenspflicht aus, und Hofmann kündigte für das Datum einen bundesweiten Aktionstag an. Sollten die Tarifverhandlungen bis dahin zu einem Ergebnis kommen, könne der Aktionstag natürlich wieder abgesagt werden.

Der IG-Metall-Chef erneuerte seine Forderung nach einer Viertagewoche. Zeiten der Unterauslastung müssten für Qualifizierung der Belegschaften genutzt werden. Eine Arbeitszeitverkürzung wäre deshalb „ein fairer Beitrag der Arbeitgeber, Fachkräfte zu halten und Entlassungen zu verhindern“, sagte Hofmann.

Die IG Metall werde in der Tarifrunde aber auch darauf bestehen, dass die Realeinkommen gesichert würden. Die Gewerkschaft fordert ein Entgeltvolumen von vier Prozent, das dann in den Betrieben unterschiedlich zur Beschäftigungssicherung oder für Lohnerhöhungen genutzt werden kann.

IG Metall will Mitbestimmungskampagne fortsetzen

Hofmann nahm für die IG Metall in Anspruch, im abgelaufenen Jahr auch politisch Akzente gesetzt zu haben. Der erleichterte Zugang zum Kurzarbeitergeld, das erweiterte Kinderkrankengeld oder die Liquiditätshilfen seien auch auf Druck der Gewerkschaften zustande gekommen. Auch für die Fondslösungen zur Gestaltung der Transformation in der Auto- und Zuliefererindustrie habe sich die IG Metall massiv starkgemacht.

Für das Superwahljahr mit mehreren Landtagswahlen und den Bundestagswahlen nannte Hofmann drei politische Schwerpunkte für gewerkschaftliche Kampagnen. Die Industrie müsse sozial, ökologisch und demokratisch umgestaltet werden, damit Industriearbeitsplätze in Deutschland erhalten blieben. „Wir werden uns einmischen, um eine faire Transformation zu ermöglichen“, sagte Hofmann.

Gleichzeitig will die IG Metall aber auch auf betrieblicher Ebene durch Betriebsräte und auf Unternehmensebene im Aufsichtsrat für mehr Mitbestimmung sorgen. Als Beispiel nannte die zweite Vorsitzende Christiane Benner das Doppelstimmrecht des Aufsichtsratsvorsitzenden, das der Kapitalseite eine Mehrheit im Aufsichtsgremium sichert. Dies sei nicht mehr zeitgemäß. Drittens will sich die IG Metall für einen handlungsfähigen Sozialstaat einsetzen. Gerade die Coronakrise habe gezeigt, wie wichtig dieser sei, betonte Hofmann.

Mehr: IG-Metall-Chef Hofmann im Interview: „Eine doppelte Null wäre Gift für die Konjunktur“

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2 Kommentare zu "Gewerkschaft: IG Metall verliert in der Coronakrise Mitglieder – und gibt sich trotzdem kampfbereit"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • die Corona-Krise wird Deutschland gravierend verändern; als nächstes erreicht uns die
    Digitalisierung, Home-office leitet die Politik ein, die Innenstädte werden immer mehr
    vereinsamen- durch das Internet, die Banken werden die Zweigstellen radikal abbauen,
    das führt dazu, dass wir überwiegend nur noch qualifizierte Arbeitsplätze anbieten können.
    Viele einfache Arbeitsplätze gehen verloren -Asylanten besonders betroffen und muessen
    von der arbeitenden Bevölkerung unterhalten werden-
    Erschreckend finde ich nur, die Gewerkschaft hat das gewußt und hat nichts dagegen rechtzeitig unternommen -siehe Automobilbau-; die Regierung Merkel hatte jahrelang die Möglichkeit, die entsprechenden Wegweiser zu stellen, statt dessen tummelte sie sich weltweit -nichts erreicht- und im Inland alles verschlaffen, außer Gender -150 Professoren-, Klimadiskussionen ohne Sinn, erneuerbare Energien -falscher Weg- usw.

  • Wenn die IG-Metall angesichts der derzeit noch kaum abschätzbaren wirtschaftlichen Kollateralschäden der Corona Pandemie ihr Hauptaugenmerk auf die Sicherstellung ihrer Kampfbereitschaft und die Ausweitung der Mitbestimmung richtet, sollte sich diese über einen weiteren Mitgliederverlust in den kommenden Jahren nicht wundern.
    Denn angesichts der vielschichtigen Herausforderungen für den Industriestandort Deutschland sowohl aufgrund der Digitalisierung ganzer Wertschöpfungsketten als auch des absehbar zunehmenden Handelskonflikts zwischen den USA und China, geht es sicherlich in erster Linie darum, die Innovationskraft der deutschen Wirtschaft zu stärken und insbesondere ihre mittelständische Struktur als Innovationsmotor zu erhalten.
    Das von der IG-Metall offensichtlich angestrebte Überstülpen des „VW Mitbestimmungs-Modells“ auf die überwiegend mittelständisch geprägte deutsche Wirtschaft dürfte einer zügigen Erholung von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie genauso abträglich sein, wie überzogene und von den wirtschaftlichen Gegebenheiten abgehobene Tarifforderungen.

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